Bärenpark: Behinderte drohen mit Klage

Trotz einem klaren Auftrag vom Berner Stadtrat ist der Zugang zum Bärenpark für gehbehinderte Menschen noch nicht verbessert worden. Behindertenorganisationen fordern rasches Handeln und drohen mit rechtlichen Schritten.

Christian Brönnimann@ch_broennimann

Der Berner Bärenpark macht den meisten Besucherinnen und Besuchern eine grosse Freude – aber nicht allen. Verschiedene Behindertenorganisationen fordern seit Längerem eine bessere Erschliessung für Gehbehinderte. Wollen Menschen im Rollstuhl den unteren Teil des Parks besuchen, müssen sie einen grossen und beschwerlichen Umweg über den Spazierweg Richtung Englische Anlagen in Kauf nehmen. Wegen der Steigung des Wegs ist die Route nicht für alle zu bewältigen. Dieser Missstand ist bekannt, aber nun verschärft sich der Ton der Behindertenkonferenz der Stadt und Region Bern (BRB): Sollte der hindernisfreie Zugang nicht bald projektiert sein, «werden wir wohl oder übel unserer Forderung über den Rechtsweg Geltung verschaffen müssen», schrieb Yvonne Hämmig, Geschäftsleiterin BRB, kürzlich in einem Leserbrief.

Ball liegt momentan bei Stabe

«Wir prüfen derzeit die verschiedenen Möglichkeiten für einen Liftbau», sagt Rudolf Lanzrein, CEO der Stadtbauten Bern (Stabe), der Bauherrin des Bärenparks. Der Gemeinderat habe seine Absicht kundgetan, bei Stabe einen Lift zu bestellen, die Modellwahl sei völlig offen.

Lanzreins Antwort auf die Frage, in welchem Stadium sich die Abklärungen heute befinden, erstaunt. Denn noch vor einem Jahr schien der Bau eines Liftes beschlossene Sache. Nach einem Treffen mit Behindertenorganisationen sagte Gemeinderätin Barbara Hayoz (fdp) gegenüber dem «Bund», dass ein Schräglift für zwei Millionen Franken erstellt werden solle. Andere Optionen, beispielsweise ein vertikaler Lift bei der Nydeggbrücke, seien von Stabe bereits geprüft und verworfen worden.

Im Weiteren hat der Stadtrat vor gut zwei Jahren eine Motion überwiesen, in welcher der Bau einer Liftanlage gefordert wird. Ein klarer Auftrag liegt also auf dem Tisch. In seiner Antwort hat der Gemeinderat festgestellt, dass ein «schräg geführter Hanglift am südlichen Rand der Bärenanlage» am sinnvollsten sei. Die Erstellungskosten wurden damals auf 800 000 Franken geschätzt. Eine Motion müsste eigentlich innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden, dem Stadtrat ist eine Fristverlängerung beantragt.

Drehen im Kreis

«In einem gewissen Sinne hat sich die Sache im Kreis gedreht», sagt Lanzrein. Ursprünglich sei man auch davon ausgegangen, dass gar keine zusätzlichen Einrichtungen für den behindertengerechten Zugang nötig sein würden. Das Regierungsstatthalteramt stellte dann aber Anfang Oktober 2009 bei der Erteilung der definitiven Baubewilligung eine Nebenbedingung auf: Es sei ein zusätzliches Baugesuch einzureichen mit den erforderlichen Massnahmen, um den Bärenpark gemäss den gesetzlichen Grundlagen der Gleichstellung von Behinderten auszugestalten. Die konkrete Ausführung bleibe Stabe überlassen. Die sechsmonatige Erfüllungsfrist läuft Anfang April aus.

Die Vorschläge zum weiteren Vorgehen sollen gemäss Lanzrein nun bis in zwei Monaten parat sein. Laut Stefan Dellenbach, Leiter Bauprojektmanagement bei Stabe, stehen vier Varianten zur Diskussion: ein Schräglift bei der südlichen Treppe, ein vertikaler Lift, beispielsweise entlang der Nydeggbrücke, eine Tunnellösung mit vertikalem Lift und eine Art Shuttledienst mit einem Fahrzeug entlang dem Spazierweg ohne bauliche Massnahmen.

Kostenfrage bleibt offen

Die möglichen Kosten für die Massnahmen oder die bereits kommunizierten Beträge kommentiert Lanzrein nicht. Barbara Hayoz war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die stellvertretende Generalsekretärin ihrer Direktion, Meret Wenger, sagt, es handle sich bei den Angaben um «grobe Schätzungen aus dem Bärenpark-Projektteam». Die Höhe der Kosten lässt aber aufhorchen: Nicht zuletzt, weil ein einfacher Lift von 50 bis 60 Metern Länge und mit einer Steigung von 20 Metern laut Erich Meier von der Ostschweizer Högg Liftsysteme AG ohne Fundamentbauten bloss 60 000 bis 100 000 Franken kosten würde.

Inzwischen ist die Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie für den Bärenpark zuständig. Die Kosten für einen Lift seien in keinem Budget vorgesehen, sagt Gemeinderat Reto Nause (cvp). Auch die Suche nach Sponsoren, wie dies in der Motion verlangt werde, habe noch nicht begonnen. Nause zeigt Verständnis für die Verzögerung: Die Probleme und Zielkonflikte seien nachvollziehbar, sagt er und nennt einige Stichworte: «Hangstabilität, Ästhetik, Liftkapazität, Kosten.» Man müsse die Verzögerung beim Liftbau im Kontext der «grossen Überraschungen» sehen, die sich im Verlaufe des Baus des Bärenparkes gezeigt hätten, sagt Nause. Vorrangig die geologischen Tücken des Hangs führten dazu, dass die Kosten für den Bärenpark von ursprünglich budgetierten 9,7 Millionen Franken auf bis zu 23,6 Millionen Franken anstiegen.

Der Bund

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