Aus dem Anlass wird ein Ereignis

Patent Ochsner

Ein mit DVD und Audio-CD bestücktes Album bietet die Möglichkeit, nachzuhören, wie Patent Ochsners Bundesplatz-Konzert mit dem Berner Symphonieorchester genau gedacht war.

Büne Hubers musikalische Forschungsarbeiten werden zu Hause nachvollziehbar. (Valérie Chételat)

Büne Hubers musikalische Forschungsarbeiten werden zu Hause nachvollziehbar. (Valérie Chételat)

Ane Hebeisen

Büne Huber sprach von einer Forschungsarbeit, was da am kühlen Abend des 28. August über die geräumige Bühne auf dem Berner Bundesplatz gegangen ist. Vermutlich war es sogar eine der kostenintensivsten Forschungsarbeiten der Schweizer Popgeschichte, das von einer Schweizer Versicherungs­gesellschaft initiierte und finanzierte Aufeinandertreffen des Berner Symphonieorchesters mit den Mundart-Poppern Patent Ochsner. Eine halbe Million Franken soll dieser Konzertabend verschlungen haben, und so machte sich unter den 10'000 Schaulustigen doch eine gewisse Enttäuschung breit, dass das personalintensive Orchester über die Open-Air-Beschallungsanlage schmächtig und matt klang wie über ein mittelprächtiges Küchenradio.

Nun bietet ein mit DVD und Audio-CD bestücktes Album die Möglichkeit, nachzuhören, wie die Sache genau gedacht war. Zu diesem Zweck wurden sämtliche Spuren im Studio neu abgemischt, ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Denn auf einmal sind sie nachvollziehbar, die mit schönen Details verzierten Ausgestaltungen der Arrangeure Simon Ho und Philip Henzi, die sich nicht damit zufriedengaben, die Lieder von Patent Ochsner bloss mit sinfonischen Flächen zu legieren, sondern dynamische und rhythmische Akzente setzten. Freilich sind auch musikalische Sauereien zu konstatieren, zu denen die erstmalige Zusammenarbeit mit einem solchen Klangkörper offenbar ganz gerne verleiten; lyrische Saxofonsoli zu hymnischen Flächen zum Beispiel («Scharlachrot») oder das hemmungslose Auftürmen von Pathos («21 Gramm»).

Ansonsten steht die grosse Geste der Musik den Bernern ganz gut, und das Album inklusive DVD macht aus diesem Anlass tatsächlich ein Ereignis. Der hohen Kunst der Studiotontechnik sei Dank.

Der Bund

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