Aufgetischt: Erholung mit Bergblick beim Vogellisi

Im Restaurant Vogellisi in Adelboden mundet dem Testesser die Chalet-Suppe von rustikaler Qualität und die Gastlichkeit der Wirtschaft.

Blick in das Restaurant Vogellisi in Adelboden.

Blick in das Restaurant Vogellisi in Adelboden.

(Bild: adleradelboden.ch)

Markus Dütschler

Manchmal tut es gut, die Büromauern zu verlassen. Der Testesser hat im Oberland zu tun und verspürt danach Appetit. Also geht er ein steiles Weglein hoch und steht schnaufend vor dem Hotel Adler, dessen Restaurant Vogellisi heisst. Das gleichnamige Volkslied ist vermutlich erst in den 1950er-Jahren entstanden und wurde nicht zuletzt dank der Version des Bandleaders Hazy Osterwald berühmt.

Der Adler ist ein gastliches Haus. «Sie dürfen unsere WC-Anlagen mit ruhigem Gewissen gratis benützen», steht auf einer Tafel beim Eingang. In einem Dorf, das als «Stündeler»-Hotspot gilt, hat man gern ein gutes Gewissen. Im Restaurant Vogellisi hat es Platz am Fenster. Der Blick geht hinab auf einen verschneiten Tennisplatz und hinauf zu den Berggipfeln, die zum Teil von Wolken verdeckt sind. Wenn die Sonne durchdrückt, funkeln die Wassertropfen auf dem Holztisch auf dem Balkon wie Edelsteine. Familien mit Kindern essen in farbigen Skianzügen, ältere Paare sind chic gekleidet. Der Kellner aus Portugal ist vielsprachig und spricht den Testesser einmal versehentlich auf Französisch an, weil er zuvor mit einem anderen Gast in der Sprache Voltaires parliert hat.

Als Tagesmenü gibt es Kalbsbraten mit Rosmarinjus (klein Fr. 18.50, gross Fr. 21.50), Salat oder Suppe inbegriffen. Der Testesser wählt die Chalet- Suppe. Diese ist von rustikaler Qualität, enthält sie doch Gemüse wie Rüebli, Bohnen und Kartoffeln, aber auch Hörnli – eine Suppe, wie man sie gerne im Thermoskrug auf einen Berggipfel mitnimmt.

Die grosse Portion ist nahrhaft. Der Teller enthält zwei schöne Scheiben Braten, dazu kleine Kartoffeln, die knapp weich gekocht sind, dazu Broccoli mit Mandelsplittern. Unter einem Jus stellt sich der Testesser allerdings etwas anderes vor als diese dicke, mehlige, leicht pampige Sauce. Weshalb der Teller nebst einer Brombeere mit einer Kapstachel­beere (Physalis) dekoriert ist, erschliesst sich einem nicht wirklich. Lieber hätte man mehr Rosmaringout gespürt.

Erfreulich schmeckt die italienische Rotwein-Assemblage im Offenausschank (Fr. 6.80/dl), welche die Kellnerin mit der leicht zuckrigen Freundlichkeit empfohlen hat. Selbstverständlich hat der Testesser dazu ein Mineralwasser getrunken, das ein paar Kurven dorfabwärts in Flaschen abgefüllt wird. Bevor der Bus den Testesser wieder die kurvenreiche Strasse hinunterfährt, gibts noch ein «Imanümm»-Dessert, einen Coupe Zwätschgelisi (Fr. 5.80) – Zwetschge mit Marroniglace zu einem reellen Preis.

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