Auch Saaner setzen sich plötzlich für ein Spital in Zweisimmen ein

Aus Angst davor, dass der Region gar kein Spital erhalten bleibt, haben Saaner eine Initiative lanciert, welche sich für das Simmental als Standort starkmacht.

Vielleicht ist das, was im Moment im Simmental und Saanenland passiert, die Zukunft für «abgelegene» Täler und Regionen am Rand. Da setzen sich nämlich Saaner für ein Spital in Zweisimmen ein – obwohl dieser Ort jenseits ihrer heimatlichen Berge liegt. Vier Männer aus dem Saanenland haben eine Initiative lanciert, über welche die Gemeindeversammlung von Saanen noch dieses Jahr abstimmen könnte. Der Wortlaut, erschienen im «Anzeiger von Saanen»: «Saanen stellt der Spital Thun Simmental AG (STS) im Saanenland kein eingezontes und erschlossenes Bauland für einen Spitalneubau zur Verfügung. Stattdessen setzen sich der Gemeinderat und die Bevölkerung aktiv für einen Spitalneubau in Zweisimmen ein.»

Schluss mit Streitereien

Die aussergewöhnliche Aktion ist aus der Not geboren. Die STS kann nicht mehr je ein Spital in Saanen und Zweisimmen betreiben, deshalb möchte sie ein neues in Saanenmöser bauen – «nur ist davon schon seit bald 30 Jahren die Rede, ohne dass etwas passiert wäre», sagt Hanspeter Grundisch-Matti, einer der Initianten. Ein Grund dafür ist, dass sich die Zweisimmer mit Händen und Füssen für die Erhaltung ihres Spitals wehren. Und nun wird die Zeit knapp, denn für Spital-Infrastruktur gibt es nur noch bis 2012 Geld vom Kanton. «Wenn wir uns nicht beeilen, geht letztlich die ganze Region in Sachen Spital leer aus», sagt Grundisch-Matti. Deshalb sei die Initiative nicht gegen Saanenmöser als Standort gerichtet, sondern könne als «Befreiungsschlag» gedeutet werden, der den «kleinkarierten» Streitereien der Täler ein Ende bereiten solle. «Wir würden uns natürlich wünschen, dass der Regierungsrat ein Machtwort spricht, aber da bisher nichts geschehen ist, müssen wir handeln.» Allerdings besteht die Gefahr, dass die STS auf zwei im Vergleich zu einem Spital abgespeckte Gesundheitszentren in Saanen und Zweisimmen setzt, wenn sie in Saanenmöser nicht bauen kann.

«Dies könnte passieren», räumt Grundisch-Matti ein. «Aber da wir die Probleme der anderen nicht lösen können, versuchen wir den Ansatz bei uns selber zu suchen. Wir hoffen, dass die STS unsere Ansprüche respektiert.» Bevor sich diese Frage aber überhaupt stellt, müssen die Initianten nun bis Ende März 440 Unterschriften sammeln – und dann muss das Vorhaben die Hürde der Gemeindeversammlung passieren. Zumindest bis zur Abstimmung könnte es die Initiative schaffen, glaubt Grundisch-Matti. «Die ersten Reaktionen der Menschen sind positiv; sie wollen einfach ein Spital in der Region, der Standort ist zweitrangig.»

«Die Initiative ist eine Überraschung für uns, wir haben nichts dergleichen gespürt im Saanenland», sagt Beat Straubhaar, Chef der STS. Deshalb könne er die Chancen des Anliegens nicht beurteilen. «Auf keinen Fall werden wir uns in den Abstimmungskampf einmischen, sollte es dazu kommen.» Auch inhaltlich möchte Straubhaar nach dem Hickhack der Vergangenheit nichts zur Initiative sagen. «Unsere Haltung ist klar, wir machen in Saanenmöser vorwärts», sagt er. Erst wenn sich die Rahmenbedingungen änderten, werde die STS ihre Position überdenken.

Der Bund

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