Ask-Force: «Wann ist ein Fluss weiblich?»

Ask-Force

«Wann ist ein Fluss weiblich oder männlich, welche Charakteristika machen den Unterschied?», will Herr B. wissen.

Wieso eigentlich «die» Aare, und nicht «das» oder «der» Aare?

Wieso eigentlich «die» Aare, und nicht «das» oder «der» Aare?

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

In der heutigen Zeit ist alles im Fluss – diese Binsenwahrheit kann uns bei der Beantwortung der Frage von Herrn B. aus Niederscherli behilflich sein. Zuerst aber zur Frage. «Wann ist ein Fluss weiblich oder männlich, welche Charakteristika machen den Unterschied?», will Herr B. wissen. Da alles im Fluss ist, befinden sich logischerweise auch die Weiblichkeit und die Männlichkeit darin. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Grundprinzipien ist aber nicht immer ausgewogen, weswegen es dann die Emme, die Aare oder die Saane heisst, aber der Rhein, der Inn oder der Amazonas. Bei der Rhone ist die Sache verwickelt, aber das Wallis ist halt immer ein Spezialfall. Im Oberlauf heisst der Fluss «där Rottu», Welsche und Franzosen sagen «le Rhône». Von diesen Betrachtungen ausgehend, richtet Herr B. weitere Fragen an uns. Nämlich, ob alle Flüsse, welche die Schweiz verlassen und ob alle ausländischen Flüsse generell männlich seien.

Letzteres ist eine unzulässige Pauschalisierung, gibt es doch in Europa zahlreiche weibliche Flüsse, wie die Donau, die Wolga, die Weichsel, die Themse oder auch die Seine. Andererseits fällt auch der Ask-Force ausserhalb von Europa kein gängiger Fluss ein, der nicht männlich wäre. Mississippi, Mekong, Jangtsekiang, Euphrat, Tigris und so weiter. Ein uns bekannter Wahlbeobachter, der kürzlich stark belehrt und praktisch unversehrt aus Sibirien zurückgekehrt ist, berichtete jedoch vom Fluss Lena. Keine Regel ohne Ausnahme. Wir erinnern uns zudem an einen Griechischlehrer, der nicht müde wurde, zu betonen, dass einer der Flüsse der Unterwelt, eigentlich die Styx heisse und nicht der Styx, wie Banausen manchmal sagten. Heute ist die Situation so, dass man lieber gar nicht mehr von den Griechen, auch nicht von den alten, spricht.

Dass Flüsse, welche die Schweiz verlassen, männlich sind, könnte mit der konservativen Grundhaltung der Schweizer zu tun haben: Die Männer arbeiten auswärts oder gehen auf Reisen, die Frauen bleiben zu Hause. Warum aber ist kein Fluss sächlich, das heisst neutral? Das wäre ja gerade für Grenzflüsse ein höchst wünschenswertes Charakteristikum und noch vielmehr für einen Schweizer Grenzfluss. Darum beantragen wir, dass es in Zukunft das Rhein heisst – im Sinne einer perfekten Welt.

Die Ask-Force verbessert wöchentlich die Welt: askforce@derbund.ch

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