Am Hirschengraben wird es immer enger

Verkehr

Bald wird die Verkehrssituation zwischen Bubenbergplatz und Hirschengraben in Bern noch enger und komplizierter – wegen einer Besonderheit: Derzeit entsteht ein Velostreifen in Gegenrichtung.

Die neue Verkehrsinsel soll Kollisionen von Velofahrern mit entgegenkommenden Bussen verhindern. (Adrian Moser)

Die neue Verkehrsinsel soll Kollisionen von Velofahrern mit entgegenkommenden Bussen verhindern. (Adrian Moser)

Simon Wälti

Bald wird die Verkehrssituation zwischen Bubenbergplatz und Hirschengraben in Bern noch enger und komplizierter: Auf der östlichen Seite des Platzes wird eine neue Velospur markiert, eine Verkehrsinsel ist bereits gebaut worden. «Bei der Ausfahrt aus dem Hirschengraben-Ost in die Bundesgasse wird eine Veloschutzinsel erstellt, um Kollisionen mit entgegenkommenden Bussen zu verhindern. Für das indirekte Linksabbiegen von der Bundesgasse in die Monbijoustrasse wird unterhalb des Widmannbrunnens ein Aufstellraum markiert.» Dies stand in den Unterlagen zur Neugestaltung des Hirschengrabens.

Tram Bern-West als Auslöser

Das Besondere an der neuen Velospur: Die Velofahrenden werden in Gegenrichtung vom Bubenbergplatz zur Bundesgasse fahren, entlang den Veloparkplätzen. Dies ist eine Alternativroute, denn auf der westlichen Seite des Hirschengrabens wird es mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember noch enger. Die Trams von Bernmobil stadtein- und stadtauswärts folgen sich dicht auf dicht, praktisch im Minutentakt. Zu Stosszeiten dürfte die Seite zwischen Starbucks und Restaurant National wegen Trams, Fahrgästen und Passanten mehr oder weniger blockiert sein. Die zusätzliche Nord-Süd-Achse für die Velos wird in Zusammenhang mit den beiden neuen Tramlinien nach Bümpliz und Brünnen in Betrieb genommen.

Um die Mittagszeit strömen Heerscharen von Büroangestellten zu ihren Futterplätzen, lange Gelenkbusse zirkeln um die neue Verkehrsinsel herum. Bei der Entsorgungsstelle am rechten Strassenrand wurden zwei Parkplätze aufgehoben, um Platz zu gewinnen. Bei der Haltestelle vor dem Ski- und Velocenter kommt es immer wieder vor, dass ein Bus den anderen überholt oder um abgestellte Lieferwagen herumfährt.

Gefahren für Velofahrer

Für die Velofahrenden wird es in Zukunft nicht ganz einfach, hier einen sicheren Weg zu finden. Es ist auch damit zu rechnen, dass sie ab und zu den maximal 1,8 Meter breiten Velostreifen verlassen werden, um Fussgängern auszuweichen oder Velos, die nicht korrekt abgestellt wurden. «Es wird komplizierter», sagt Anita Wenger, Geschäftsführerin von Pro Velo Bern, «aber wir sind froh um die zusätzliche Möglichkeit für die Velofahrenden.» Die Velofahrer müssten verschiedene Gefahren beachten wie den Fussgängerstreifen oder die Tramwendeschlaufe. Insgesamt sei die Route gegenüber heute eine weniger direkte Lösung und werde vermutlich an Attraktivität einbüssen, findet Wenger.

«Veloverbindung stärken»

Der Velo-Gegenverkehr am Hirschengraben hat eine Vorgeschichte. Gemäss der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün wurde der Velostreifen bereits im Sommer 2004 im Rahmen des Projekts «Neuer Bahnhofplatz Bern» geplant. «Es ist ein Projekt, um die wichtige Veloverbindung aus der Länggasse und der Innenstadt in Richtung Mattenhof und Marzili zu stärken und zu verbessern», sagt Stefan Schwarz, Generalsekretär der Tiefbaudirektion. Die Planung sei in Zusammenarbeit mit Bernmobil erfolgt. «Bernmobil ist voll mit im Boot.» Nach den getätigten Vorabklärungen sollte die neue Verkehrsregelung funktionieren, sagt Schwarz. «Wir werden die Situation, die für alle neu ist, aber sehr sorgfältig im Auge behalten.» Man werde nicht einfach den Streifen «aufmarkieren» und sich danach nicht mehr darum kümmern. «Der Hirschengraben steht wie die Innenstadt bei der Inbetriebnahme von Tram Bern-West im Fokus.» Derzeit sind die Arbeiten für die Markierung des Velostreifens noch nicht abgeschlossen. «Wann wir die Markierungen anbringen, hängt vom Wetter ab», sagt Schwarz.

Bei Bernmobil ist über den neuen Engpass noch nicht viel zu erfahren. «Wir haben von den Chauffeuren noch keine Rückmeldungen erhalten», sagt Mediensprecherin Annegret Hewlett auf Anfrage. Bernmobil habe aber darauf hingewiesen, dass die Chauffeure und alle Verkehrsteilnehmer sich dort vorsichtig verhalten müssten.

Der Bund

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