Alljährliches Drama im Bienenstock

Das Bienensterben im Kanton Bern geht weiter. Edmund Nigg, Präsident des Verbandes bernischer Bienenzüchtervereine, rechnet mit einem Verlust von 30 Prozent der 25 000 Völker.

Nicht nur Tod, sondern auch viel Leben: Edmund Nigg, «oberster» Imker im Kanton Bern, bei seinem Bienenstand in Epsach im Seeland. (Franziska Scheidegger)

Nicht nur Tod, sondern auch viel Leben: Edmund Nigg, «oberster» Imker im Kanton Bern, bei seinem Bienenstand in Epsach im Seeland. (Franziska Scheidegger)

Simon Wälti

Seit Jahren gibt es für viele Imker im Frühling ein böses Erwachen: Ein Teil der Völker ist im Winter eingegangen oder hat das Weite gesucht. In der freien Wildbahn haben die Bienenschwärme kaum Überlebenschancen. Die Verluste sind so dramatisch, dass von einem Massensterben gesprochen wird. Auch in diesem Jahr sieht es schlecht aus: Ungefähr 30 Prozent der Völker im Kanton Bern habe nicht überlebt oder werden noch eingehen, sagt Edmund Nigg, Präsident des Verbandes bernischer Bienenzüchtervereine (VBBV). Letzte Woche hat Nigg von den Sektionen Rückmeldungen erhalten und Zahlen zusammengetragen. «Damit ist die Situation ähnlich schlimm wie im letzten Jahr.» Betroffen ist das ganze Kantonsgebiet, vom Seeland über das Mittelland bis zum Emmental und zum Oberland. «Verluste von 10 bis 15 Prozent sind normal, wenn es 30 Prozent oder sogar mehr sind, dann tut es weh», sagt Nigg. Es gebe sogar Bienenstände, wo die Verluste 50 bis 60 Prozent ausmachten.

Kein Patentrezept gegen Milbe

Als Hauptschuldige gilt die in den 1970er-Jahren aus Asien eingeschleppte Varroamilbe, welche die Bienen nicht nur schwächt, sondern auch die Brut mit gefährlichen Viren infiziert. «Die Bienen kommen krank und verstümmelt aus den Waben und sind nicht lebensfähig.» Nigg selber, der seit 16 Jahren Bienenvölker hält, hat Glück gehabt. Der 62-jährige Seeländer hat im vergangenen Winter 2 von 15 Völkern verloren. «Damit kann ich zufrieden sein.»

Die Bekämpfung der Milbe ist schwierig, gibt es doch kein Patentrezept gegen den Schädling. «Wir führen schon seit langem einen Kampf gegen die Milbe», so Nigg. Chemische Mittel würden nicht angewendet, damit keine Rückstände im Wachs und im Honig landeten. Statt zur Chemiekeule greifen die Imker zu Ameisensäure und ätherischen Ölen, um der Milbe den Garaus zu machen. «Das erträgt die Milbe nicht», sagt Nigg. Mit der Behandlung wird im Spätsommer nach der Entfernung der Honigwaben begonnen. Die Wirksamkeit hängt stark von der herrschenden Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab.

Kampf zermürbt die Imker

Trotz des Einsatzes von Ameisensäure ist es bisher nicht gelungen, der Milbe Einhalt zu gebieten. Der stete Kampf gegen Krankheiten und Schädlinge hat bereits viele Imker zermürbt. «Vor zehn Jahren gab es etwa 4100 Imker im Kanton Bern, nun sind es noch 3500.» Immerhin gibt es laut Nigg aber auch Junge, welche sich der Imkerei als Hobby zuwenden. Dies reicht jedoch zahlenmässig nicht aus, um die Abgänge zu ersetzen. Etwa 25 000 Völker gibt es im Kanton Bern, vor zehn Jahren waren es wohl noch um die 33 000. Zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar ist, wie stark die Sauerbrut, eine bakterielle Krankheit, zuschlagen wird. «Das zeigt sich in den nächsten Monaten», sagt Nigg. Befallene Völker müssen vernichtet werden.

Nun geschieht in den Bienenstöcken so einiges. Die Königinnen befinden sich in einem wahren Eierlege-Rausch: «Das explodiert regelrecht dort drin», freut sich Edmund Nigg, der «oberste» Imker des Kantons Bern. Er hofft, dass sich möglichst viele der verbliebenen Völker im Kanton Bern in den nächsten Wochen zu vitalen und grossen Populationen entwickeln. «Ein starkes Volk zählt in der Hochsaison im Sommer 30'000 bis 40'000 Bienen.»

Der Bund

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