Abschluss mit Express-Fondue

Mit seiner Diplomarbeit will Simon Baumgartner überforderten Wirten unter die Arme greifen. Der Prototyp seiner Fonduemaschine wird an diesem Wochenende in Burgdorf vorgestellt.

Der Winter kann kommen: Simon Baumgartner mit seiner Fonduemaschine. (Valérie Chételat)

Der Winter kann kommen: Simon Baumgartner mit seiner Fonduemaschine. (Valérie Chételat)

Auch wenn manch ein Sonnensüchtiger das Herannahen des Winters noch aus seinen Gedanken verdrängen mag: Gestern ist der kalendarische Sommer zu Ende gegangen. Unaufhaltsam werden die Nächte länger, und schon bald werden die Skihütten und Fasnachtszelte wieder aus allen Nähten platzen. Spätestens dann wird der Schweizer auch sein Nationalgericht wieder entdecken: das Fondue. Wenn es draussen kalt ist, werden folglich die Wirte wieder ins Schwitzen kommen. So werden auch diesen Winter wieder viele Käsefreunde auf ihr Fondue warten müssen.

Da muss Abhilfe geschaffen werden, fand Simon Baumgartner, Student an der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik in Burgdorf. Für die Diplomarbeit im Studiengang Maschinentechnik nahm er sich deshalb vor, den Fondueschmelzprozess zu rationalisieren. «Ziel war eine Maschine analog zu einem Softeis-Automaten», sagt Baumgartner. «Oben wirft man eine Münze ein, und eine Minute später kommt unten das Fondue heraus.» Sechs Monate dauerte schliesslich die Planung, acht Wochen die Bauphase. «Zuletzt war ich mit dem Nachtwächter per Du», sagt er. Denn die Zeit drängte: Seine Erfindung soll schon dieses Wochenende an den Tech Days die ersten Fondueliebhaber überzeugen.

«Simon Baumgartner, Erfinder»

Die Minutengrenze habe er aber nicht geknackt, sagt Baumgartner. Rund 90 Sekunden müssen Käsehungrige warten, bis sie ihr Brot ins Fondue tunken können. Und auch sonst seien einige Bestandteile der Maschine «8-Wochen-Lösungen». Der Zylinder etwa, der den Käse durch ein Loch im Boden des Käsekessels ins Heizelement presst, sei einmal der Oberschenkel eines Roboters gewesen. Die Maschine müsse noch «einen Zacken kompakter» werden, und auch die Steuerung, die mit einem Laptop-Computer erfolgt, sei noch keine markttaugliche Lösung, sagt Baumgartner. Trotzdem sei er zufrieden mit dem Resultat. «Das Prinzip funktioniert», und das sei bei einem Prototyp das Einzige, was zähle.

Das Herzstück der Maschine ist ein etwa 20 Zentimeter hoher Zylinder mit schwarzer Isolierung. Darin wird der Käse zum Schmelzen gebracht. Die Farbe Schwarz ist nicht ganz zufällig gewählt, denn das Innenleben der «Blackbox» ist nicht nur raffiniert, sondern auch streng geheim. Der Lebensmittelkonzern Emmi hat schon in der Projektierungsphase Interesse an der Maschine bekundet und sich an den Kosten beteiligt. Schliesslich hat die Schule das Patent an die Aktiengesellschaft verkauft. Inwiefern diese das Projekt weiterverfolgen wird, wisse er nicht, sagt Baumgartner. Sollte die Maschine aber dereinst serienmässig hergestellt werden, werde er selbst daran nichts verdienen. Trotzdem hoffe er, dass er bald das erste Fondue aus seiner Maschine kaufen kann. «Und irgendwann steht vielleicht im Telefonbuch: Simon Baumgartner, Erfinder», sagt er.

Fondue bis zum Abwinken

Dass er das Projekt nun der Forschungsabteilung von Emmi überlassen müsse, komme ihm aber mehr als gelegen. Im Moment habe er die Nase voll von geschmolzenem Käse – und das meint er durchaus wörtlich: Acht Wochen lang sei er dem Käsegeruch ausgesetzt gewesen und habe unzählige angebrannte Fondues degustieren müssen. Nach einer Fondue-Auszeit werde er aber sicher bald wieder sein Brot in den Käse tunken. Fondue sei halt nicht nur wegen des Geschmacks zum Nationalgericht geworden. Viel wichtiger sei das Gemeinschaftserlebnis. Das wohl letzte Fondue der Saison stehe folglich erst noch bevor: Sein Bachelor-Diplom will er mit Kollegen und Lehrern beim gemeinsamen Fondueplausch feiern.

Heute und morgen werden sämtliche Diplomarbeiten an den Berner Fachhochschulen in Biel und Burgdorf präsentiert. Mehr dazu im Internet: www.ti.bfh.ch/techdays

Der Bund

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