AKW-Direktor tritt überstürzt ab – und plant künftig BKW-Strategie

Mühleberg-Direktor Patrick Miazza tritt überraschend ab und kümmert sich neu um BKW-Strategien. Dies zeige, dass die BKW den Atomausstieg nicht ernsthaft prüfe, kritisieren die Grünen.

Simon Thönen@SimonThoenen

Am Dienstag wird Patrick Miazza im Verfahren um die Betriebsbewilligung des AKW Mühleberg als Zeuge der Betreiberin BKW vor Gericht auftreten – zweieinhalb Wochen später tritt er als Kraftwerksdirektor von Mühleberg ab. Den überraschenden – und überstürzten – Rücktritt auf Ende Jahr gab die BKW gestern bekannt. Miazza wird durch seinen Stellvertreter Martin Saxer ersetzt.

«Der Rücktritt erfolgt aus persönlichen Gründen», teilte die BKW mit. Miazza trete «auf eigenen Wunsch» zurück, betonte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage. Er verneinte jeglichen Zusammenhang «mit den Herausforderungen, denen das Werk sich gegenübersieht», also mit der laufenden Sicherheitsüberprüfung durch die Atomaufsicht. Es hat laut Sommavilla auch keine Beschlüsse der BKW gegeben, mit denen Miazza nicht einverstanden war. Obwohl dieser seinen Entscheid offensichtlich sehr kurzfristig gefällt hat, gebe es keinen unmittelbar auslösenden Vorfall – weder beruflich noch privat. Miazza ist laut Sommavilla auch nicht krankheitshalber zurückgetreten. Miazza war gestern für die Medien nicht zu sprechen.

Ausstiegspläne von AKW-Experte?

«Solche persönlichen Entscheide reifen oft langsam heran, bis plötzlich der Wunsch nach einer Veränderung da ist», sagte Sommavilla. «Das ist bei allen so üblich.» Sicher eine Rolle gespielt hätten die Belastungen, «die das Fukushima-Jahr für die ganze Branche mit sich brachte». Als der damals 42-jährige Miazza vor neun Jahren zum Mühleberg-Direktor ernannt wurde, galt er als junger Hoffnungsträger der Nuklearenergie. Hat er sich vom Saulus zum Paulus gewandelt? Auch dies dementiert Sommavilla: «Wenn man einmal so engagiert war wie er, bleibt man es auch.»

In der Tat soll Miazza «seine nukleare Kompetenz künftig auf Konzernebene einbringen», wie die BKW schreibt. Pikant ist, an welcher Stelle er dies ab Neujahr tun wird: Er wird «Leiter Energiewirtschaftliche Planung und Strategie» der BKW. Dies wirft Fragen auf. Denn nach Fukushima hatte die BKW angekündigt, sie überprüfe ihre Firmenstrategie und werde nun «Szenarien auch ohne Kernenergie erarbeiten». Der Nuklearspezialist und langjährige Mühleberg-Direktor Miazza soll nun also die Arbeiten für die Atomausstiegsszenarien der BKW koordinieren. BKW-Sprecher Sommavilla sieht darin kein Problem. «Miazza ist zwar der Leiter, aber nicht der einzige Mitarbeitende dieser Geschäftseinheit», sagte er, «zudem sind viele Instanzen auf unterschiedlichen Ebenen der BKW in die Strategiediskussion involviert.»

Für BKW-Kritiker ist die Ernennung von Miazza für diese Stelle dagegen «ein weiteres verfehltes energiepolitisches Signal der BKW», wie der kantonale Präsident der Grünen, Blaise Kropf, sich ausdrückte. «Statt eines Verfechters der Atomkraft benötigt die BKW an strategischer Stelle Spezialisten für Energieeffizienz und erneuerbare Energie.» Die Grünen hatten mit der gleichen Argumentation zuvor bereits eine Vertretung im BKW-Verwaltungsrat gefordert – ohne Erfolg.

Grüne fordern Kopf von Rohrbach

Die BKW-Führung erkenne trotz sinkender Kurse für BKW-Aktien die Zeichen der Zeit nicht, kritisierte Kropf: «Ich glaube nicht, dass die BKW in der Lage ist, unter ihrem jetzigen Direktionspräsidenten Kurt Rohrbach den nötigen Kurswechsel vorzunehmen.»

Kropf forderte ein Eingreifen des Kantons als Mehrheitsaktionär der BKW – und indirekt auch den Kopf von BKW-Chef Rohrbach. «Der Regierungsrat ist aufgefordert, endlich seine Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass die BKW einen anderen Kurs einschlägt – allenfalls auch mit personellen Entscheiden.» Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Bund

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