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Interkantonales Contact-TracingBern und Zürich spüren Quarantänepflichtige gemeinsam auf

Landet ein Berner künftig am Zürcher Flughafen, reisen seine Daten anschliessend direkt von Zürich nach Bern. Den beiden Kantonen dauert es zurzeit zu lange, bis sie die Daten vom Bund bekommen.

Die Daten jener Passagiere, die ab Bern-Belp fliegen, stehen der Gesundheitsdirektion bei Bedarf zur Verfügung.
Die Daten jener Passagiere, die ab Bern-Belp fliegen, stehen der Gesundheitsdirektion bei Bedarf zur Verfügung.
Foto: Enrique Muñoz García

Wer aus einem Risikoland in die Schweiz zurückkehrt, muss sich innerhalb von zwei Tagen bei den Kantonsbehörden melden und sich in eine 10-tägige Quarantäne begeben. Dieser Weisung folgen jedoch nicht alle. Um quarantänepflichtige Personen aufzuspüren, sind die Contact-Tracer aber auf Daten angewiesen. Diese sollte eigentlich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) an die Kantone liefern – was bisher aber nur beschränkt funktioniert hat. «Bis wir die Daten vom BAG erhalten, geht zu viel Zeit vorbei, sodass die Quarantäne-Phase manchmal bereits vorüber ist», sagt Gundekar Giebel, Sprecher der bernischen Gesundheitsdirektion.

Auch in Zürich war man mit der Arbeit des Bundes nicht zufrieden. «Der Bund war bislang nicht fähig, uns Passagierlisten zur Verfügung zu stellen», wird der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr im «Tages-Anzeiger» zitiert. Deshalb beschafft sich Zürich die Listen jener Reisenden, die mit dem Flugzeug unterwegs waren, nun auf direktem Wege in Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften.

Daten reisen von Zürich nach Bern

Wer aus einem der 46 Risikoländer den Rückflug in die Schweiz antritt, muss während des Fluges ein Formular ausfüllen. Dieses wird nun in Zürich unmittelbar nach der Landung von Leuten der Zürcher Sicherheitsdirektion abgeholt, um die Daten zu erfassen und an die Gesundheitsdirektion weiterzuleiten. Erfasst wurden laut «Tages-Anzeiger» bis jetzt nur die im Kanton Zürich wohnhaften Passagiere.

Doch dies wird sich bald ändern: So hiess es von der Zürcher Sicherheitsdirektion am Mittwoch, dass bei Bedarf auch die Daten von Personen aus anderen Kantonen erfasst werden können. Auf dieses Angebot springt der Kanton Bern nun an. «Der Kanton Bern ist sehr interessiert an diesem Vorschlag und setzt ihn gerne um», sagt Gundekar Giebel. «Wir werden Gespräche mit dem Kanton Zürich aufnehmen und sehr rasch Prozesse definieren.» So könnten Mitarbeitende der Zürcher Sicherheitsdirektion in Zukunft die Daten jener Flugpassagiere, die am Zürcher Flughafen aus einem Risikoland ankommen, aber im Kanton Bern wohnhaft sind, direkt nach Bern weiterleiten.

2500 Rückkehrer in Quarantäne

Bisher war der Kanton Bern auf die Selbstinitiative der Rückkehrer angewiesen. «Das hat so weit auch gut funktioniert», so Giebel. Dies hätten Abgleiche mit den Listen des BAG bestätigt. Strafen für Quarantäne-Sünder seien bisher noch keine ausgesprochen worden. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem Contact-Tracing-Team und dem Flughafen in Bern-Belp habe bis jetzt funktioniert. «Die Passagierlisten, die Bern-Belp führt, stehen auf Anfrage zur Verfügung», sagt Giebel.

Aktuell befinden sich im Kanton Bern 2500 Reiserückkehrer in Selbstquarantäne. Weitere 75 Personen sind in Isolation und 317 in Quarantäne. Das Berner Contact-Tracing-Team werde dabei laufend aufgestockt. Seit jene Personen, die nach einer möglichen Ansteckung im Berner Club Kapitel in Quarantäne mussten, aus dieser entlassen wurden, habe das Team aber wieder etwas «Luft».