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«‹Bund› im Gespräch» mit der BKW-Chefin«Bern übertreibt bei den Steuern»

Welche Partei wählt Suzanne Thoma? Wieso war sie nicht am Frauenstreik? Und wie geht sie mit Vorwürfen zu ihrem Lohn um? Bei «‹Bund› im Gespräch» gab sie dazu Auskunft.

Im Video: Suzanne Thoma im Gespräch mit «Bund»-Redaktor Adrian Hopf-Sulc.

Das Gespräch mit Suzanne Thoma hat deutlich später als geplant begonnen. Die Verzögerung dauerte beinahe ein Jahr. Denn bereits letzten Herbst wollte der «Bund» die BKW-Chefin zum Gespräch ins Berner Hotel Bellevue Palace einladen. Doch erst an diesem Montagabend liess sich die Einladung in ihrem dichten Terminplan unterbringen. Es ist ein Umstand, der unterstreicht, wieso sie an der Spitze eines Konzerns steht, der über 10’000 Menschen beschäftigt. Denn Thoma ist Geschäftsfrau durch und durch.

Dies stellte sie auch im Gespräch mit «Bund»-Wirtschaftsredaktor Adrian Hopf-Sulc unter Beweis. Die Antworten auf Fragen zum persönlichen Werdegang waren stets kürzer als Ausführungen zu komplexen Teilbereichen des kontinentalen Strommarktes. Somit blieb die Frau, unter deren Führung das AKW Mühleberg abgeschaltet wurde, nur schwer zu fassen.

Teenie will Chefin werden

Die wenigen Bruchstücke, die Thoma aus ihrem Leben preisgab, fügten sich aber zu einer hörenswerten Geschichte zusammen. Diese erzählt von Thoma als Teenager, welcher die Outfit-Fibel «Dress for Success» verschlang und schon damals davon träumte, Chefin zu werden. Doch in den frühen 90er-Jahren traf sie auf einen Arbeitsmarkt, der nicht auf eine verheiratete Frau und Mutter zweier Töchter gewartet hatte, die Karriere machen wollte. Heute habe sie eine komfortablere Position. «Als CEO habe ich gewisse Freiräume.» Für Frauen im mittleren Management sei die Situation jedoch nicht einfach. «Da werden die Ellbogen ausgefahren.» Bei der BKW werde zwar eine gewisse Sensibilität vermittelt, «aber es gibt keine starren Regeln, dass jedes dritte Mal eine Frau befördert werden muss».

«‹Bund› im Gespräch»: BKW-Chefin Suzanne Thoma steht «Bund»-Redaktor Adrian Hopf-Sulc Red und Antwort.
«‹Bund› im Gespräch»: BKW-Chefin Suzanne Thoma steht «Bund»-Redaktor Adrian Hopf-Sulc Red und Antwort.
Adrian Moser

Als im Juni 2019 schweizweit 500’000 Teilnehmerinnen zum Frauenstreik gingen, sass Thoma im Büro. «Ich dachte, das passt jetzt nicht, wenn ich streiken gehe.» Für diese Arbeit ist sie vor rund elf Jahren nach Bern gezogen. In der Bundesstadt kam sie jedoch lange nicht so recht an. «Am Wochenende ging ich oft zurück nach Zug oder Zürich.» Das sieht sie rückblickend nicht als Nachteil. «So hatte ich die Möglichkeit, die Dinge neutral zu sehen.»

Schmerz ist relativ

Es gab aber auch Momente in Thomas Leben, in denen sie Bern wenig zugetan war. Zum Beispiel als sie sich wegen ihres Gehalts von zwei Millionen Franken massiver Kritik ausgesetzt sah. «Da fragte ich mich schon, ob es klug war, hier zu wohnen.» Diese Zweifel scheinen aber inzwischen verflogen zu sein. «Ich kann zu Fuss zur Arbeit, was ich sehr schätze.»

Hat sie sich nie überlegt, mit einem solchen Lohn nach Muri oder Ittigen umzuziehen? Der Steuersatz sei eine Frage des relativen Schmerzes, antwortete Thoma. «Ich komme aus Zug. Da macht es keinen grossen Unterschied mehr, ob ich nach Bern oder Muri ziehe.» Dennoch erweckte sie nicht den Eindruck, eine leidenschaftliche Steuerzahlerin zu sein. Zwar sagte sie: «In der Schweiz wird uns viel geboten, zum Beispiel eine gute Infrastruktur.» Aber auch dies: «In Bern wird übertrieben.»

«Ich wähle klar bürgerlich, ohne Wenn und Aber.»

Suzanne Thoma, BKW-Chefin

Daher kommt die Antwort auf die Frage, was sie am 29. November wählen wird, nicht überraschend. «Klar bürgerlich, ohne Wenn und Aber.» Sie werde «selbstverständlich» die FDP wählen.

Sorge um Aktionäre

Nicht nur wegen ihres Salärs steht die BKW-Chefin in der Kritik. Im Kantonsparlament stört man sich auch an den Strukturen des Unternehmens. So verlangt eine Motion die Aufspaltung des Konzerns in zwei Teile: Infrastruktur, Stromproduktion und Stromhandel sollen staatlich beherrscht bleiben. Das Dienstleistungsgeschäft hingegen würde privatisiert. Zum jetzigen Zeitpunkt würde dadurch Wert verloren gehen, sagte Thoma. «Meine Aktionäre würden ärmer werden und hätten mich dann nicht mehr so gern.»

1 Kommentar
    Heiner Christen

    Ich freue mich auf die nächste Generation von Chefinnen, die mehr dem Gemeinwohl und weniger dem Aktionärswohl (sprich dem Eigennutz) zugetan sind.