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Anti-Rassismus-Demos im Kanton BernSpäter Aufschwung bei «Black Lives Matter»-Demo in Biel

  • Proteste gegen Rassimus und Polizeigewalt haben auch die Schweiz erreicht
  • Heute Sonntag findet in Biel bereits die zweite Demonstration unter dem Motto #BlackLivesMatter statt
  • Aufgerufen wird über soziale Medien, es wird eine breite Teilnehmerschaft erwartet

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Umzug löst sich auf

Die «Black Lives Matter»-Demonstration in Biel ist zu Ende. Mit etwa 500 Teilnehmenden waren am Sonntag deutlich weniger Menschen auf der Strasse als bei der gestrigen Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt in Bern. Eine Veranstalterin zeigt sich trotzdem zufrieden, die Zahl habe ihre Erwartungen übertroffen. Der Stimmung hat dies auch nicht geschadet. Laut schreiend, trommelnd und klatschend zogen sie durch die Strassen Biels. Etwas erinnert es an ein Festival. Anwohnerinnen und Anwohner beobachteten das Spektakel aus dem Fenster. Dann ist der Umzug schon vorbei. Wieder beim Kongresshaus angekommen löst sich die Gruppe schnell auf.

In Biel geht es los

Auch die Bieler Demonstrierenden kommt endlich in Fahrt. Die nun etwa 500 Teilnehmenden begeben sich auf einen Umzug durch die Innenstadt. Im Gespräch mit der «Bund»-Reporterin vor Ort erklären Sie die verschiedenen, aber miteinander verwickelten Motivationen hinter der Aktion: «Wir leben in einer sexistischen und rassistischen Welt, die durch den Kapitalismus geschützt ist. Das alles muss weg», sagt eine Demonstrantin. «Ich bin eine Frau. Das ist Grund genug», erklärt eine andere ihre Teilnahme. Ein elfjähriges Mädchen plädiert dafür, dass Menschen unabhängig ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe gleichberechtigt werden.

Derweil in Bern

In Bern findet ebenfalls eine Begehung des Frauenstreiktags statt. An verschiedenen Posten verteilt über die Stadt erinnern Protestaktionen an die Forderungen des nationalen Streiks, der heute vor einem Jahr Zehntausende Teilnehmende anzog. Demonstrierende marschieren durch das Länggassequartier oder skandieren auf dem Waisenhausplatz Parolen.

Klein, aber laut

Zum offiziellen Beginn der Demo sind nur rund 150 bis 200 Personen erschienen - eine dürftige Bilanz im Vergleich zu den etwa 4000 Demonstrierenden an der Berner «Black Lives Matter» Kundgebung vom Vortag. Trotzdem machen sie mit Pfeifen, Pfannendeckeln und Jubel die Stadt auf ihr Anliegen aufmerksam. Die Menge ist heterogen aber mehrheitlich jung und weiblich. Einige sind auch da, um für den Kampf gegen den Klimawandel einzustehen.

Andrang bleibt vorerst aus

Der Andrang bleibt vorerst aus. Im Gegensatz zu der Black Lives Matter Demonstration von letzter Woche sind nur etwa 70 Personen anwesend. Auch die Polizei ist nicht zu sehen. Inzwischen hat es zudem zu tröpfeln begonnen.

Eine Demo für Gross und Klein

Grosse weisse Buchstaben zieren jetzt den Asphaltplatz: «Für ein gewaltloses und selbstbestimmtes Leben», heisst es. Auch kleine Kinder helfen mit, den Schriftzug anzubringen.

Esplanade füllt sich

Langsam füllt sich die Esplanade vor dem Bieler Kongresshaus. Etwa 50 Personen haben sich versammelt, essen mitgebrachtes Picknick, tauschen sich aus und verteilen Pappschilder mit Slogans wie «Applaus ist gut, Bezahlung ist besser.» Lautsprecher beschallen den Platz mit Musik.

Masken hätten die Veranstalterinnen bereitgestellt, doch nur einzelne Anwesenden tragen diese auch.

«Black Lives Matter» trifft Frauenstreik in Biel

Nachdem am Samstag in Bern Tausende gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrierten, ist am Sonntag gemäss Aufrufen in den sozialen Medien in Biel eine weitere Kundgebung im Zeichen der «Black Lives Matter»-Bewegung geplant.

Gleichzeitig bildet der Sonntag den Jahrestag des letztjährigen nationalen Frauenstreiktags. Die Bieler Demo vereint die Anliegen von Antirassismus und Feminismus und wird von einer sehr vielfältigen Allianz von Organisationen unterstützt: Das Feministische Streikkollektiv hat zur Kundgebung aufgerufen; beteiligt sind ausserdem das Afrofeministische Kollektiv in Biel, das Ökofeministische Kollektiv, der Kurdische Frauenverein sowie die queere Jugendgruppe Crazy Hearts. Dabei demonstrieren sie laut Aufruf nicht nur gegen Rassismus und Polizeigewalt, sondern «für eine gerechtere Welt für alle.»

Geplant ist ein gemeinsames Picknick und verschiedene künstlerische Darbietungen wie Tanz und Gesang. Um 15.24 Uhr soll eine Demonstration starten - mit Beachtung der Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie. Der Aufruf schliesst mit der Bitte «Nehmt Schutzmasken und Transpis mit.»

Bilanz

Schätzungsweise 2000 bis 4000 Menschen versammelten sich am Nachmittag in Bern auf dem Bundesplatz für eine Kundgebung gegen Rassismus, welche sich in eine Reihe von Demonstrationen in aller Welt stellt. Die Polizei liess den unbewilligten Anlass unbehelligt. Im Vorfeld kam es zu einer Absprache mit der Kantonspolizei, auch die Berner Gewerbepolizei hatte Kontakt mit den Veranstaltern.

«Black Lives Matter» in Bern: «Wir müssen mit Liebe kämpfen»

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer befolgten den Aufruf der Organisatoren und erschienen schwarz gekleidet zur Kundgebung auf dem Bundesplatz. Immer wieder wurde «Black lives matter» skandiert, also «Auch das Leben von Schwarzen zählt». Dies in Erinnerung an den Tod von Geoge Floyd vor gut zwei Wochen bei einer Polizeikontrolle in den USA. Viele Kundgebungsteilnehmer trugen Masken. (sda/zec)

Raphael Moser

Eine 40-jährige afroamerikanische Frau sagt auf englisch: Es ist ihr wichtig, gegen den Rassismus die Stimme zu erheben. Auch hier in der Schweiz sind wir benachteiligt beispielsweise bei der Jobsuche. Diese Diskussionen zu führen sei der erste Schritt um die Menschen zu sensibilisieren.

svn
Der Regen erreicht Bern

Die Demonstration ist noch im Gange, doch viele Teilnehmende flüchten sich in die Lauben oder verlassen den Platz – der erwartete Regen hat eingesetzt und leert den Bundesplatz zumindest teilweise. Andere bleiben auf dem Platz und öffnen ihre Regenschirme.

Raphael Moser
Zunft zum Mohren verhüllt Statue

In den USA und Grossbritannien sind einzelnen Statuen von ihren Sockeln geholt worden. Die Zunft zum Mohren in der Altstadt hat wohl nicht zuletzt deshalb Vorkehrungen getroffen: Die Mohren-Statue an ihrem Haus ist verhüllt worden, wie die Berner Zeitung schreibt.

Die Stimmung auf dem Bundesplatz ist allerdings trotz intensiv vorgetragenen Reden und Slogans friedlich.

Musik

Eine Musikerin spielt ein Lied, das sie speziell für diesen Anlass komponiert hat. Danach sind weitere Reden und Poetry-Slam-Auftritte angekündigt.

Reden und Applaus

Diverse Redner und Rednerinnen geben sich das Mikrophon in die Hand. Thema ist unter anderem die Debatte um das Süssgebäck der Firma Dubler, die in den letzten Tagen für Aufregung gesorgt hat. Andere erzählen von ihren negativen Erfahrungen als Personen mit dunkler Haut in der Schweiz. Oftmals würden sie aufgrund ihrer Hautfarbe unterschätzt, sagen viele der Redner und Rednerinnen.

Einer der Redner plädiert für einen Umsturz des Systems. Andere sind politisch weniger konkret, aber nicht weniger wütend: So liest eine Neunzehjährige in feurigem Ton ein Gedicht, in dem sie das Ende des Rassismus fordert. Sie sei bereits beim ersten Protest Anfang Monat im Rosengarten dabei gewesen, sagt sie, habe sich dort aber noch nicht getraut, etwas vorzutragen.

Ein anderer Redner prangert die «dunkle Vergangenheit» der Schweiz an, für welche sich das Land nie entschuldigt habe. Die Schweiz habe zwar keine Kolonien gehabt, habe aber von Plantagen und Sklavenhandel profitiert. «No justice, no peace» – keine Gerechtigkeit, kein Frieden, skandieren die Demonstrierenden.

Auch heute sei die Schweiz an der Ausbeutung von afrikanischen Ländern beteiligt – als Heimatland von Rohstoffriesen wie Nestle und Glencore, welche die Menschenrechte verletzten würden.

Zudem sei – zum Teil tödliche – Polizeigewalt gegen Fremde und Asylsuchende ein Problem in der Schweiz.

Begrüssung

Eine Ansprache auf dem provisorischen Holzgestell beginnt. Die Leute applaudieren. Es ist etwas leise und schwer zu verstehen. Die Folge: Die Masse rückt zusammen und alle gehen etwas dichter zum Podium. Darauf beginnt eine Frau beginnt zu singen. «Black Lives Matter»-Rufe unterbrechen den Beginn. Nun wird wird mitgeklatscht und applaudiert.

svn
Black Lives Matter auf dem Bundesplatz
Wasserspiel läuft weiter

Die unbewilligte Demonstration hat trotz Austausch mit Stadt und Polizei ihre Tücken: Plötzlich ein grosses Geschrei. Der Brunnen auf dem Bundesplatz spritzt in die Höhe. Ein paar der Demonstrierenden werden nass. Der Platz des Brunnes wird ab jetzt gemieden.

Black Lives Matter Bern - Brunnen auf dem Bundesplatz

Andrang auf dem Bundesplatz

Es ist 14 Uhr, die Demonstration beginnt nun offiziell. Der Bundesplatz ist ziemlich gut gefüllt. Man hat jedoch genug Platz, um hindurch zu gehen. Ein grosser Kreis ist bisher leergeblieben. Nun wird auch dieser gefüllt. Von der Kantonspolizei ist noch nicht viel zu sehen. Ein Kastenwagen steht etwas neben dem Bundeshaus.



Platz füllt sich

Um viertel vor Zwei sind bereits mehrere hundert Leute auf dem Bundesplatz präsent, langsam füllt sich der Platz. Die Demonstranten haben eine improvisierte Bühne aus Holz aufgebaut. Die meisten Teilnehmer sind dem Demo-Aufruf gefolgt und tragen schwarze Kleidung.

Auch das Hygienekonzept findet Beachtung. Eine Frau mit einem Megafon bittet die Menschen, sich mehr zu verteilen und den ganzen Platz zu nutzen. Etwa zwei Drittel der Demonstrierenden trägt eine Maske.

svn

#BlackLivesMatter auf dem Bundesplatz

Für heute Samstag haben diverse Organisatoren via soziale Medien zu einer Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt auf dem Bundesplatz aufgerufen. Auf dem Programm stehen Reden, musikalische Darbietungen, Poetry-Slam-Auftritte aber auch eine Schweigeminute für die Opfer von Polizeigewalt.

Die Kundgebung ist nicht bewilligt, wie Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) am Freitag gegenüber dem «Bund» sagte. Man sei sowohl mit der Gewerbepolizei als auch der Kantonspolizei im Austausch, um «den Tag zusammen sicher zu gestalten», so die Organisatoren gegenüber dem «Bund».

Eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage, dass ein Treffen mit den Organisatoren stattgefunden habe. Thema seien das Sicherheits- und das Hygienekonzept gewesen. Die Organisatoren hätten versichert, entsprechende Schutzmassnahmen umzusetzen.

Die Corona-Massnahmen untersagen eigentlich Versammlungen von mehr als 300 Personen. Für die Kundgebung werden aber wesentlich mehr Teilnehemer erwartet. Die Demonstranten wollen deshalb kleinere Gruppen bilden.

Die Kantonspolizei kündigte an, sie werde am Wochenende «wie immer verhältnismässig und mit Augenmass vorgehen».

Lesen Sie auch an dieser Stelle: «Heikler Einsatz für die Kantonspolizei».

Susanne Keller
Beginn des Live Tickers
2 Kommentare
    Georges

    Wie immer, Hauptsache demonstrieren, egal für oder gegen was, und dabei viel Lärm machen.