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Randalen wegen MaskenpflichtBasler Verkäuferinnen als «Nazis» und «Stasi» beschimpft

Corona-Skeptiker pöbeln in Geschäften herum, weil sie partout keine Gesichtsbedeckung tragen wollen. Darunter leidet das Verkaufspersonal. Nun reagiert der Kanton mit einer Aufklärungskampagne.

Eine kleine Minderheit von Kunden versucht sich dem Maskenobligatorium zu widersetzen,  die allermeisten halten sich indes ohne Wenn und Aber daran. (Symbolbild)
Eine kleine Minderheit von Kunden versucht sich dem Maskenobligatorium zu widersetzen, die allermeisten halten sich indes ohne Wenn und Aber daran. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Corona-Skeptiker nimmt man vor allem am Wochenende wahr, wenn sie – wie zuletzt in Zürich – zu Hunderten auf die Strasse gehen und gegen die geltenden Pandemieregeln demonstrieren. Manche von ihnen lassen aber auch unter der Woche Dampf ab.

Zu spüren bekommen dies insbesondere Verkäuferinnen und Verkäufer in Bäckereien, Lebensmittelshops und anderen Läden. «Was wurden wir in den letzten Wochen nicht alles beschimpft: Einmal waren wir ‹Neonazis›, ein andermal die ‹Stasi›. Wir wurden auch schon schlicht als ‹Arschloch› betitelt. Und dies nur, weil wir die Kunden auf die im Laden geltende Maskenpflicht hingewiesen haben», erzählt die Verkäuferin einer regionalen Konditoreikette. Es handle sich dabei nicht um Einzelfälle. Man rechne mit durchschnittlich zwei Masken-Querulanten pro Tag, sagt die Verkäuferin, die in Basel arbeitet und anonym bleiben möchte.

Hoch zu und her geht es mitunter auch im Coop Pronto am Barfüsserplatz. Seit bald einem Monat gilt in Basel-Stadt eine Maskentragepflicht in Läden – und seit bald einem Monat kreuzen Maskenverweigerer in diesem Express-Supermarkt auf.

«90 Prozent der Kunden halten sich ohne Wenn und Aber an die Maskenpflicht.»

Verkäuferin Coop Pronto

Kurz nach Einführung des Obligatoriums sei es zu einem ersten Zwischenfall gekommen, berichtet die stellvertretende Geschäftsführerin des Coop Pronto im Gespräch mit dieser Zeitung: Eine Frau habe sich geweigert, einen Gesichtsschutz überzuziehen, und im Laden randaliert. «Sie schlug auf die Einrichtung ein und warf mit Verkaufsware um sich.» Schliesslich sei sie aus dem Laden gerannt. Auch letzte Woche habe ein Maskenverweigerer wutentbrannt den Supermarkt verlassen – und beim Hinauslaufen eine Schwenktür zerstört.

«90 Prozent der Kunden halten sich ohne Wenn und Aber an die Maskenpflicht», so die stellvertretende Geschäftsführerin. Nur eine kleine Minderheit mache Probleme, wolle Grundsatzdiskussionen über das Maskenobligatorium vom Zaun brechen, werde teilweise laut und ausfällig und in einzelnen Fällen gar handgreiflich. «In zwei Fällen mussten wir mit der Polizei drohen, erst dann hat sich die Lage beruhigt.»

Der zentral gelegene Coop Pronto mit seinen langen Öffnungszeiten zieht ganz unterschiedliche Klientel an – und damit auch Extremfälle. Repräsentativ für die gesamte Verkaufsbranche sind die Ereignisse in dem Express-Supermarkt aber wohl nicht. Mathias F. Böhm, Geschäftsführer des Interessenverbands Pro Innerstadt Basel, sagt: «Die Maskenpflicht wird in den meisten Geschäften gut befolgt. Zu Problemen kommt es am ehesten in Bäckereien, Take-away-Lokalen und anderen Läden, in denen Kunden schnell rein- und wieder rausgehen. Denn da geht der Gesichtsschutz schnell mal vergessen.»

Zudem gebe es in diesen Geschäften starken Kundenkontakt, das Verkaufspersonal sei entsprechend exponiert. «Für viele Ladenmitarbeiter, aber auch Bar- und Restaurantangestellte ist es eine extrem anstrengende Zeit, manche kommen an ihre Grenzen.» Umso wichtiger sei es, die Regeln in Erinnerung zu rufen und an die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen zu appellieren . «Wir wollen die Krise möglichst schnell hinter uns lassen. Doch dafür müssen sich alle an die Regeln halten, ob man nun damit einverstanden ist oder nicht.»

Ladeninhaber haften für Kunden

Für die Einhaltung der Maskenpflicht in den Geschäften sind die Ladenbetreiber verantwortlich. Wenn Kunden das Obligatorium nicht einhalten, so können die Geschäfte dafür von den Gesundheitsbehörden belangt und gebüsst werden. «Das bedeutet, dass die Betreiberin Personen, die sich nicht an das Maskenobligatorium halten, des Ladens verweisen muss», schreibt auf Anfrage Toprak Yerguz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt. Dasselbe gelte für Transportunternehmen: Für die Einhaltung der Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr sind sie selbst zuständig. Yerguz: «Wird einem Verweis nicht Folge geleistet, kann die Kantonspolizei Basel-Stadt gerufen werden.»

Basler Ladenbesitzer machen laut Yerguz aber nur selten von diesem drastischen Mittel Gebrauch. «Dies kam in den letzten Wochen nur in wenigen Einzelfällen vor.»

Ähnlich klingt es beim Gesundheitsdepartement. Man habe bei Stichprobenkontrollen in Basler Geschäften «gehört, dass sich Kundinnen und Kunden vereinzelt gegen die Maskentragpflicht wehren», teilt Sprecherin Anne Tschudin mit. Zudem seien einige Anfragen von Ladeninhabern zur Maskentragpflicht und deren Umsetzung beim Gesundheitsamt eingegangen. «Die grosse Mehrheit hält sich an die Maskentragpflicht, versteht den Schutz und Nutzen der Masken und unterstützt die Maskentragpflicht.»

Handlungsbedarf sieht man beim Kanton aber gleichwohl. So wird diese Woche eine Nachfolgeaktion zur «#SeifenBoss-Kampagne» lanciert. Tschudin: «Inhalt der Kampagne sind die aktuellen Verhaltens- und Distanzregeln, welche sie in mehreren Situationen zeigt. Darunter befinden sich auch Szenen in einem Einkaufsladen.» Damit wolle der Kanton unter anderem «auf die Maskentragpflicht in Geschäften aufmerksam machen und die Betriebe unterstützen».

117 Kommentare
    Anna Horpe

    „.... Auch hier sprang ihm Epidemiologe Salathé bei: «Wir wissen immer noch nur wenig über den Nutzen der Masken.» Sie sind für den Epidemiologen nur eines von vielen Instrumenten im Werkzeugkasten gegen die Ausbreitung der Pandemie. ....“ aus einem anderen BAZ Artikel. Niemand weiss wiklich was. Darum soll Maske tragen wer will und die die nicht wollen sollen es bleiben lassen. Die einen haben Flugangst die anderen nicht.