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AltbackenBärenhunger nach Bärentatzen

Es gibt sie auch beim Grossverteiler. Warum die Leute trotzdem von weit her nach Gommiswald SG reisen, um Hubers Bärentatzen zu kaufen.

Vielleicht würde Bärenpranken besser passen: Hubers Bärentatzen sind doppelt so gross wie jene aus dem Grossverteiler.
Vielleicht würde Bärenpranken besser passen: Hubers Bärentatzen sind doppelt so gross wie jene aus dem Grossverteiler.
Foto: Nicole Philipp (Tamedia AG)

Hier steht die Kirche noch im Dorf, die Raiffeisenbank gleich nebenan. Und gegenüber, im Rank: die Bäckerei. Gommiswald SG ist ein schmuckes Dorf am Südhang des Rickenpasses mit einem schönen Blick auf den Zürichsee, die Linthebene und die Glarner Alpen. Vielleicht finden manche den Weg deshalb hierher, viel eher aber wegen der Aussicht auf die famosen Bärentatzen.

Die gibt es in Gommiswald nicht nur bei Coop, sondern auch beim Beck Huber. Sie sind so riesig, dass man sie nicht in einem Bissen herunterschlingen kann. Und deshalb ist man gezwungen, abzubeissen von diesem herrlichen Gebäck, und sie zu geniessen, am besten schliesst man dabei die Augen. Sie sind schön feucht, darauf wird in der Backstube sehr genau geachtet.

Bärentatzen sind in der Schweiz ja so was wie eine Traditionsbackware, die es sogar bis zur Glace geschafft hat, das Guetsli gibt es das ganze Jahr über. In der Romandie heissen jene aus der Migros interessanterweise Coquillages Muscheln, bei Coop sind es die übersetzten Bärentatzen Pâtes d’Ours. Analog dazu bei beiden Grossverteilern auf Italienisch Zampe d’Orso.

Die Form einer Tatze, oder eben einer Muschel, das ist ja tatsächlich Ansichtssache, ist überall gleich, auch in Deutschland, wo sie einen Schokoladeüberzug haben (die Nienburger Version) oder mit Kristallzucker bestreut werden. Zurück aber nach Gommiswald, wo es längst keine Bären mehr gibt, und schon gar keine Muscheln, selbst wenn hier ein feiner Zuckerguss den Tatzen einen perligen Schimmer verleiht.

Beim Beck Huber sind wir gelandet, weil wir gleich mehrere Tipps erhielten. Fredy Huber freut das extrem. Er backe nach Rezept seines Vaters, der wiederum jenes von seinem Vater übernommen habe. Wobei er nicht backen sagt, sondern «abflemmen», was bedeutet, dass sie nur kurz im Ofen bleiben dürfen. Das Triebsalz, das früher in den Teig kam, lässt er weg, man würde es schmecken. Vor allem, wenn die Bärentatzen frisch sind. Und frisch sind sie am besten. Der Bäckermeister nimmt jeweils zwei mit nach Hause und weil seine Frau Süsses nicht so mag, gehören sie ihm allein. Im Sortiment hat er sie unter anderem wegen des Kakaos, der darin enthalten ist; etwas «Schoggiges» muss es einfach haben im Laden. So wechseln sich die Bärentatzen ab mit den Schoggi-S, einer Art Meringue.

In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder historisch versiert backen. Wir freuen uns über Tipps: nina.kobelt@tamedia.ch.