Ein BMW-SUV für die Steckdose

Mit einem Plug-in-Antrieb legt BMW nun auch den X5 an die Leine.

Sparprogramm: Theoretisch verbraucht der BMW X5 xDrive40e dank Plug-in-Hybridantrieb nur noch 3,3 Liter. Fotos: BMW

Sparprogramm: Theoretisch verbraucht der BMW X5 xDrive40e dank Plug-in-Hybridantrieb nur noch 3,3 Liter. Fotos: BMW

Die i-Modelle waren nur der Anfang. Doch weil die teuren Karbon-Stromer nur etwas für Überzeugungstäter sind, macht BMW jetzt Ernst mit der Elektrifizierung und holt die Akkuautos so langsam aus der Nische in den Alltag. Denn genau wie die Konkurrenz in Stuttgart und Ingolstadt blasen die Münchner zur Plug-in-Parade und wollen mit solchen Teilzeit-Elektrikern vor allem die gesetzlichen Vorgaben zum Flottenverbrauch in Europa und den Zero-Emission-Anteilen in USA oder China erfüllen.

Nur noch vier Zylinder

Deshalb beginnen sie die Offensive auch mit einem Auto, das doppelt zu dieser Strategie passt – dem X5. Denn erstens zählt er zu den grössten CO2-Schleudern im Programm, und zweitens wird er in Europa genauso gut verkauft wie in Amerika oder in Asien und drückt deshalb überall gleichermassen die Schwellenwerte. Auf den ersten Blick fordert das allerdings ein gewisses Entgegenkommen: Denn wer bisher einen 6- oder 8-Zylinder gewohnt war, der muss nun mit einem Vierzylinder vorliebnehmen. Doch als Kompensation für den Verzicht auf die zusätzlichen Töpfe spendieren die Entwickler dem X5 eine E-Maschine, die im Getriebe integriert ist und auf 113 PS kommt – darum die Typenbezeichnung xDrive40e. Zusammen mit den 245 PS des 2-Liter-Benziners reicht das für eine Systemleistung, die mit etwa 313 PS knapp über dem X5 35i liegt – nur dass der Hybrid bis zu 30 Kilometer elektrisch fahren kann und deshalb nicht 8,5, sondern nur 3,3 Liter braucht. Theoretisch. Aber bis zu 50 Prozent weniger Alltagsverbrauch sind so oder so ein gutes Argument.

In 6,8 Sekunden auf Tempo 100

Denn BMW wäre nicht BMW, wenn die Münchner die Freude am Fahren nicht ins Elektrozeitalter retten würden. Ja, der Vierzylinder klingt in den Prototypen noch ein bisschen angestrengt, und dass allein die 96 Zellen des 9 kWh grossen Lithium-Ionen-Akku unter dem auf 500 Liter geschrumpften Kofferraum über 200 Kilo wiegt, kann der X5 im flotten Kurven auch nicht verhehlen. Doch schon im reinen Elektrobetrieb surrt der 4.0e mit seinen spontan abrufbaren 250 Nm vehement voran. Und wenn beim Kickdown beide Motoren mit zusammen bis zu 450 Nm an einem Strang ziehen, schafft der X5 den Sprint von 0 auf 100 in 6,8 Sekunden.

Wie die Konkurrenz hat auch BMW Fahrprogramme entwickelt, die mit dem Navigationssystem vernetzt sind und Gefällestrecken zum Rekuperieren ebenso einplanen wie emissionslose Stadtdurchfahrten. Im Standard-Modus wählt die Elektronik automatisch den effizientesten Betrieb. Im e-Mode fährt man nur elektrisch, im Sport-Modus sportlich mit Boost. Und im Eco-Pro-Betrieb segelt der Wagen länger rekuperiert stärker. Und es gibt den Battery-Safe-Mode, mit dem man so viel Strom spart, dass man die letzten Kilometer bis zum Ziel auf jeden Fall elektrisch fahren kann. Effizienter als die Stromproduktion an Bord ist das Laden am Netz, selbst wenn es an der Haushaltssteckdose fast vier Stunden und an der speziellen Wallbox 2.45 Stunden dauert.

«Der ideale Kandidat»

Zwar scheint es auf den ersten Blick widersinnig, ausgerechnet so ein grosses Auto mit der Plug-in-Technik aufzurüsten. Zumal BMW selbst einräumt, dass man auf Langstrecken ohne Nachladen auf einen Alltagsverbrauch von etwa elf Litern kommt. Aber wer genauer hinschaue, der erkenne im X5 sogar den idealen Kandidaten, sagt Projektleiter Gerhard Thiel. «Denn viele unserer Kunden nutzen den Wagen tatsächlich als Stadtauto und fahren damit nicht mehr als 30 Kilometer am Tag.»

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