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Das erfolgreichste Elektromobil

Was haben Oma Duck, Thomas Edison und Clara Ford gemeinsam? Sie alle fuhren schon früh im 20. Jahrhundert Elektromobile der Marke Detroit Electric.

Der Detroit Electric (1922) steht auf dünnen Rädern.
Der Detroit Electric (1922) steht auf dünnen Rädern.
Bruno von Rotz/Zwischengas.com
Kurze Überhänge, die Räder an den Ecken. Die Vorhänge sind romantische Überbleibsel des Kutschenzeitalters.
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Bruno von Rotz/Zwischengas.com
Werbung für den Eletric.
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Zwischengas-Archiv
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Tatsächlich waren elektrisch angetriebene Fahrzeuge in den Zehner- und Zwanzigerjahren nichts Aussergewöhnliches und insbesondere Hausärzte und Frauen bevorzugten die problemlose und komfortable Fortbewegung im Detroit Electric, dem damals wohl erfolgreichsten Elektromobil. Billig waren diese Fahrzeuge zwar nicht, aber ungemein praktisch und einfach in Unterhalt und Nutzung.

Der elektrische Anlasser wurde erst 1911 erfunden, vorher mussten Autos mit Benzinmotoren via Handkurbel gestartet werden, was manchem Autobesitzer gebrochene Arme und Handgelenke bescherte. Aber selbst wenn der Wagen dann lief, war einiges an Fachkenntnis und Erfahrung nötig, um grössere Strecken zurückzulegen. Die Bedienung der Fahrzeuge war kompliziert, die Technik nicht sehr zuverlässig.

Im Vergleich dazu waren Elektrofahrzeuge schon zu jener Zeit relativ simpel und taten ohne Aufhebens ihren Dienst. Hineinsitzen und Losfahren war innert Sekunden möglich, die Wartungsanforderungen minimal, die Bedienung kinderleicht.

Von der Kutsche zum Automobil

Der wohl erfolgreichste Hersteller von Elektromobilen der Frühzeit war die Firma Anderson Carriage Company, die wie der Name besagt mit dem Bau von Kutschen bekannt geworden war. Im Jahr 1907 wurden die ersten Elektromobile ausgeliefert. Der Erfolg war gross, bis zu 2000 Fahrzeuge pro Jahr konnten gebaut und verkauft werden, nicht von ungefähr wurde die Firma daher schliesslich in Detroit Electric Car Company umbenannt.

Innovationen und stetige Verbesserungen

Mit der Übernahme der Elwell Parker Electric Company hatte sich William C. Anderson bereits 1909 die exklusiven Rechte für deren Elektromotor gesichert. Der Motor wurde zentral unter dem Wagenboden eingebaut, Batterien hinten und vorne untergebracht.

Die Konstruktionen orientierten sich weiterhin am Kutschenbau, doch mit einer gekrümmten Frontscheibe betrat Anderson Neuland.

Über die Jahre wurden die unterschiedlichsten Variationen des Grundkonzepts gebaut, selbst Hybridversionen mit zusätzlichen Benzinmotoren wurden verkauft. Neben Bleibatterien wurden auch die von Thomas Edison entwickelten Nickel-Eisen-Batterien mit erhöhter Ladedichte eingebaut.

Höhenflug und Niedergang

Ein Detroit Electric war einfach zu fahren und günstig im Unterhalt, die Anschaffung aber ging ins Geld. Im Jahr 1914 kostete ein Detroit Electric rund 2650 Dollar, der Aufpreis für die besseren Batterien von Edison betrug weitere 600 Dollar. Im Vergleich dazu war ein Ford Model T mit ungefähr 600 Dollar vier bis fünf Mal billiger zu kaufen. Und während die Benzinfahrzeuge ständig besser und schneller wurden, immer weiter und komfortabler fahren konnten, entwickelte sich das Elektromobil kaum weiter. So meldete Detroit Electric denn auch 1929 ihre Zahlungsunfähigkeit und ging bankrott. Die Aktivitäten wurden teilweise in Auffanggesellschaften weitergeführt, aber der Höhenflug war vorbei.

Kinderleichte Bedienung

Das Fahren mit dem Detroit Electric erfordert zwar etwas Angewöhnung, schwierig ist es aber nicht. Nachdem man sich hinten (!) links gesetzt hat, greift man zur Lenkstange, die auf die Vorderräder wirkt. Ein zweiter Hebel dient zur Dosierung der Geschwindigkeit. Gebremst wird mit dem Fuss. Eine Feststellfunktion erlaubt das Blockieren der Bremse. Der Rückwärtsfahrmodus wird durch ein zweites Pedal am Sitz gewählt und polt einfach den Motor um. Rund 40 km/h können so erreicht werden, das fühlt sich dann schon ziemlich flott an, denn der Wagen rollt hart ab. Rund 80 km sollen mit einer Ladung möglich sein, der damalige Rekord lag sogar bei über 300 km.

Ungewohntes Layout

Die «Sitzordnung» im Detroit Electric ist ziemlich unkonventionell. Während der Fahrer und ein Beifahrer sozusagen im Fond des Fahrzeugs sitzen und nach vorne schauen, nehmen zwei weitere Mitfahrer vorne Platz und blicken nach hinten. Gleichzeitig nehmen sie dem Fahrer auch die Sicht nach vorne, was das Fahren nicht einfacher macht. Dafür kann herrlich diskutiert werden in einem Detroit Electric, denn auch die Geräuschkulisse bleibt dezent.

Das Verlassen und Besteigen des elektrischen Fahrzeugs erinnert dann in Form eines breiten Trittbretts und einer hoch öffnenden Türe wieder an die Kutschen-Tradition.

Einfache Technik

Konzeptionell ist ein Detroit Electric einfach aufgebaut. Ein massiver Stahlrahmen trägt die Karosserie und die Technik. Ein Elektromotor ist zentral unter der Kabine angebracht, wird von in Serie geschalteten Batterien mit Strom versorgt und treibt die Hinterachse (bei späteren Modellen) über eine Kardanwelle an. Bremsen gibt es nur an der Hinterachse, auch vom Motor kann Bremswirkung verlangt werden. Fünf Fahrstufen genügen für die Dosierung der Geschwindigkeit, überschüssige Energie wird verbrannt. Beim Bremsen wird kein Strom zurückgewonnen. Die Achsen sind starr.

Abgesehen von der einfachen Bedienung offeriert ein Detroit Electric nur wenig Komfort. Die Instrumentierung enthält das Nötigste (Geschwindigkeits-, Distanz-, Ampère- und Volt-Anzeigen), Scheibenwischer glänzen durch Abwesenheit, eine Heizung gibt es nicht. Dafür gibt es je nach Modell eine Blumenvase und ein elegant eingekleidetes Interieur, sowie Vorhänge.

Wertvoller und unkomplizierter Oldtimer

Die Preise für gebrauchte Detroit Electric liegen in etwa auf Augenhöhe mit einem Jaguar E-Type oder einem günstigen Lamborghini. Im Unterhalt und in der Wartung dürfte die einfache Technik aber wesentliche Vorteile aufweisen. Und Spass macht das gemütliche Touren in der bequemen Kutsche allemal.

Weitere Informationen zum Detroit Electric und zu vielen anderen historischen Automobilen finden sich auf Zwischengas.com.

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