Jaguar surft weiter auf der SUV-Welle

Auf den F-Pace, der im hart umkämpften Segment neue Massstäbe setzte, lässt Jaguar nur 20 Monate später den kompakten E-Pace folgen.

Der E-Pace bringt auf nur 4,4 Metern Länge die dynamische Eigenständigkeit eines SUV-Jaguars zum Ausdruck. Foto: David Shepherd

Der E-Pace bringt auf nur 4,4 Metern Länge die dynamische Eigenständigkeit eines SUV-Jaguars zum Ausdruck. Foto: David Shepherd

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Der F-Pace war Ian Callums bislang letzter grosser Wurf als Chefdesigner von Jaguar. Und genauso hat sich der erste SUV der Edelmarke denn auch verkauft – über 100'000 Mal seit seiner Lancierung im Mai 2016. Zum absoluten Topseller ist der trendige Brite auch in der Schweiz geworden. Im vergangenen Jahr wurden bei uns 656 F-Pace zugelassen, von allen weiteren Baureihen – F-Type, XE, SF und XJ zusammen – waren es gerade mal 471 Stück. Was für ein Erfolg für Callums SUV-Erstling!

Kein geschrumpfter F-Pace

Und so folgt schon jetzt der zweite Streich des 64-jährigen Designers, der seit 1999 formvollendet für Jaguar zeichnet. Ein Schnellschuss, wie man annehmen könnte, ist er aber nicht. Im Gegenteil: Erstens ist der E-Pace keine eingeschrumpfte Kompaktversion des grossen Bruders F-Pace, sondern bringt auf nur 4,4 Metern Länge die dynamische Eigenständigkeit eines SUV von Jaguar noch prägnanter zum Ausdruck. So hat Callum die Linien weiter gestrafft, die Front wirkt noch eine Spur aggressiver, das Dach ist flacher und die Flanken sind stärker konturiert. Das besondere Highlight für den Chefdesigner selbst sind indes die 21-Zoll-Räder, die sich am E-Pace montieren lassen. 19-Zöller und 20-Zöller sind bereits Serie.

Zweitens haben die Briten ihren kleinen SUV im hart umkämpften Kompaktsegment auch strategisch geschickt positioniert. So ist der E-Pace eine Alternative gleich zu mehreren Modellen der (deutschen) Premium-Hersteller: Bei Audi sind es Q2 und Q3, bei BMW X1 und X3, bei Mercedes GLA und GLC. Diese Taktik spiegelt sich auch im Preis wider: In seiner Basisversion, dem kleinsten von drei Selbstzündern, ist der E-Pace ab 39 500 Franken zu haben. Allerdings verfügt der 150-PS-Diesel im Gegensatz zu den vier weiteren, stärkeren Varianten nur über Vorderradantrieb; 4×4 gibt es beim Einsteiger auch optional nicht. Trotzdem: Ein Jaguar zu einem solchen Preis ist schlicht einmalig.

Und der E-Pace ist ein echter Jaguar: Selbst wenn er seine knapp zwei Tonnen Eigengewicht nicht verhehlen kann, fährt sich der britische SUV doch dynamischer als seine direkten Konkurrenten, der Porsche Macan ausgenommen. Vor allem in der Topversion, dem 300 PS starken Benziner mit einem maximalen Drehmoment von 400 Newton­metern, geht es so richtig zur Sache. In 6,4 Sekunden sprintet dieser E-Pace auf 100 km/h, laut Werk liegt die Höchstgeschwindigkeit allerdings unter der 250-km/h-Marke.

Auch im Gelände souverän

Egal, denn das interessiert nur beim Auto-Quartett. Viel wichtiger: Der Kompakt-Jaguar macht auch im Gelände eine ausgesprochen gute Figur. Einen happigen Offroad-Parcours, den ihm ­Jaguar vergangene Woche bei der ­Fahrpräsentation auf Korsika zumutete, bewältigte er souverän im Stil eines Range Rover.

Doch zurück auf die Strasse. Auch wenn Designer Callum im E-Pace primär ein Auto sieht, das von seinen Proportionen und seiner dynamischen Linie her «Fahrspass pur vermitteln soll», so sagt er auch klar: «Ein Kompakt-SUV muss intelligente Antworten und Lösungen für den Alltag anbieten.» Und auch das macht der Nachwuchs-Jaguar, der ein junges Publikum anpeilt. So hat er für sein knappes Format nicht nur ein respektables Ladevolumen von 425 bis 1243 Litern, man kann dank seines Radstands von 2,68 Metern trotz abfallendem Dach auch hinten gut sitzen. Und bequem dazu. Für den Fahrer aber haben ihn die Briten ganz auf Sportlichkeit ausgelegt: Trotz erhöhter Sitzposition fühlt man sich nicht eigentlich in einem SUV, man spürt die Strasse besser, direkter. Ja, einige Gene vom Sportcoupé F-Type hat der E-Pace tatsächlich mitbekommen.

Was hätte Jaguar bei seinem jüngsten Wurf (noch) besser machen können? Nicht viel. Es ist einfach ein bisschen Pech dabei, dass der ebenfalls neue (und deutlich teurere) Range Rover Velar mit seinem topmodernen Cockpit bezüglich Infotainment und Ambiente eben erst einen neuen Massstab gesetzt hat. Und der ist nicht zu toppen – jedenfalls nicht zu dem Basispreis, mit welchem Jaguar Neueinsteiger zur Marke holen will.

Peter Hegetschweiler fuhr den E-Pace auf Einladung von Jaguar Schweiz am 15. und 16. Januar auf Korsika.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2018, 16:41 Uhr

Jaguar E-Pace

Der kleine grosse Bruder

Modell: Kompakt-SUV.
Masse: Länge 4395 mm, Breite 1984 mm, Höhe 1649 mm, Radstand 2681 mm.
Kofferraum: 425 bis 1234 Liter.
Motoren: Zwei Benziner mit 249 und 300 PS, drei Diesel mit 150, 180 und 240 PS.
Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h in 6,4 bis 10,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von
193 bis 243 km/h.
Verbrauch: 4,7 bis 8,0 Liter auf 100 Kilometer.
CO²-Ausstoss: 124 bis 181 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung: Ab sofort.
Preis: Ab 39'500 Franken.
Infos: www.jaguar.ch

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