G wie Grenzenlos

Auf die G-Klasse, für Dieter Zetsche «der Fels in der Brandung», lässt der Mercedes-Chef nichts kommen. Technische Verbesserungen ja, optische Veränderungen nein.

Wurde einst auch für militärische Zwecke konzipiert: Die Mercedes-Benz G-Klasse. Foto: PD

Wurde einst auch für militärische Zwecke konzipiert: Die Mercedes-Benz G-Klasse. Foto: PD

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Sie nennen ihn «Mister G». Nicht weil er Güthenke heisst, Gunnar mit Vorname. Und auch nicht, weil er bei Magna Steyer (für Mercedes-Benz) in Graz arbeitet. Sondern weil «Mister G» für die Stuttgarter jene Modellreihe verantwortet, die selbst für Chef Dieter Zetsche als Urgestein unter allen Modellen mit dem Stern gilt – die G-Klasse. Unverrückbar in ihrer kantigen Form, unverwüstlich im Gelände, unzerstörbar in ihrem guten Ruf. Schlicht grenzenlos – seit 39 Jahren schon.

Die Sache mit dem Schah

Wenn Zetsche also vom «Fels in der Brandung» spricht, dann gibt es dafür auch einen tieferen Grund. So hatte die heutige G-Klasse in ihren Anfangszeiten manch einen Sturm zu überstehen. Ursprünglich als reiner Geländewagen auch für militärische Zwecke konzipiert, kam es 1976 nicht zum erhofften Grossauftrag der deutschen Bundeswehr. Und als drei Jahre später auch noch der Schah von Persien die Bestellung von 20'000 Fahrzeugen sistierte, gerieten Mercedes und Magna Steyr zwar ins Schleudern, verloren die Bodenhaftung aber nicht. Vielmehr traten sie die Flucht nach vorne an und rückten die zivile Nutzung wieder in den Mittelpunkt.

Sie taten es mit Weitsicht – und mit Erfolg. Allein die Tatsache, dass sich heute selbst die Mercedes-Edelschmiede AMG der G-Klasse annimmt, macht deutlich, wohin sich der noch immer martialisch wirkende Geländewagen mit klassischem Leiterrahmen entwickelt hat – zum Edel-SUV für allen Strassen-, Gelände- und Lebenslagen. Auch die Zahlen sprechen für sich. Seit 1979 hat Mercedes über 300'000 G-Klasse-Modelle in Graz beim Allrad-Spezialisten Magna produziert und weltweit verkauft. Im vergangenen Jahr war die Zuwachsrate sogar zweistellig. Und das, nachdem schon 2016 ein Rekordjahr war.

Was also tun, wenn – so wie jetzt – doch ein Relaunch ansteht? Der Mercedes-Chef erklärt das so: «Normalerweise beginnt eine Neuentwicklung mit einer Liste, was man alles ändern muss. Wir aber haben erst einmal ins Pflichtenheft geschrieben, was alles bleiben soll, wie es war.»

Natürlich bezieht sich diese Aussage Zetsches in erster Linie auf das Äussere. Und man muss tatsächlich sehr genau hinschauen und vielleicht sogar die Hand auf die erstmals leicht gebogene Frontscheibe legen, um die neue G-Klasse von der alten zu unterscheiden. Denn alle spezifischen Merkmale wie etwa die auf dem Kotflügel aufgesetzten Blinker, die rustikalen Türgriffe, das am senkrecht stehenden Heck montierte Reserverad – alles wie gehabt.

Das besondere Pflichtenheft

Innen ist etwas mehr passiert. Fünf Zentimeter mehr Breite und zehn Zentimeter mehr Länge erhöhen den Komfort. Hinten kann man jetzt sogar zu dritt sitzen. Vor allem aber hat Gorden Wagener, der als Chefdesigner für einmal weniger gefragt war, mit der Neugestaltung des Cockpits die G-Klasse sozusagen aus der Steinzeit in die Neuzeit katapultiert. Und so kann man beispielsweise über einen Monitor und dank einer 360-Grad-Kamera genau verfolgen, über welch ruppige Felswege man das Auto auf dem von Mercedes vorgegebenen Offroad-Parcours zwingt, wie unglaublich steil es bergauf geht (die G-Klasse schafft bis zu 100 Steigungsprozent) und wie furchterregend wieder hinunter. Wäre es tatsächlich ein Vergnügen, so zu «fahren», weil dieser Wagen schlicht alles meistert – das Vergnügen wäre ebenso grenzenlos.

Wirklichetwas getan hat sich unter dem kantigen Blech. Und offensichtlich hat Entwickler Güthenke, der auch Geschäftsführer ist, in ein ganz anderes Pflichtenheft geschaut. «Bodenfreiheit und Wattiefe, Rampen- und Böschungswinkel, überall haben wir beim Generationenwechsel eine paar Punkte herausgeholt», sagt er. Der grösste Fortschritt manifestiert sich bei der neuen Achsenkonstruktion – Einzelrad-Aufhängung an der Vorderachse, dazu eine Fünf-Lenker-Hinterachse –, welche das bisherige Starrachskonzept ablöst. Was sich, durchaus gewollt, auch auf das Fahrverhalten auf der Strasse positiv auswirkt: Eine Performance wie jetzt hat die G-Klasse noch nie hingelegt. Das ist schon im G 500 mit seinem V8-Biturbo (422 PS) so. Und in der 585 PS starken AMG-Version erst recht. Im Juni ist sie ab 188'000 Franken zu haben, der zivile G kostet über 50'000 Franken weniger.

Peter Hegetschweiler fuhr die neue G-Klasse auf Einladung von Mercedes-Benz Schweiz am 24./25. April. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2018, 17:32 Uhr

Mercedes-Benz G-Klasse

Emotionen im Gelände

Modell: Geländewagen.

Masse: Länge 4817 mm, Breite 1931 mm, Höhe 1969 mm, Radstand 2890 mm.

Kofferraum: 454 bis 1941 Liter.

Motor: 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 422 und 585 PS (AMG).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,5 bis 5,9 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 210 bis 220 km/h.

Verbrauch: 12,1 bis 13,1 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 276 bis 299 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: Juni.

Preis: G 500 ab 136'800 Franken, AMG G 63 ab 188'000 Franken.

Infos: www.mercedes-benz.ch.


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