Elektro-Evolution in Mini-Schritten

Erstmals rüstet die britische BMW-Tochter ein Modell mit Plug-in-Hybridantrieb aus. Den Allradantrieb gibts im Mini Cooper S E Countryman ALL4 bauartbedingt gleich noch dazu.

Mini im Wortsinn ist hier gar nichts: Der Mini Cooper S E Countryman ALL4. Foto: Günter Schmied

Mini im Wortsinn ist hier gar nichts: Der Mini Cooper S E Countryman ALL4. Foto: Günter Schmied

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Das kommt doch in den besten Familien vor! Man teilt. Manchmal freiwillig, manchmal, weil man muss. Weil Vater dies als Erziehungsmassnahme seinen Sprösslingen mit auf den Lebensweg geben will und Mutter zwecks Sparkam­pagne die tägliche Dosis Süssigkeiten rationiert. Oder in die Welt der Autobauer übersetzt: Geteilt wird, was das Konzernregal hergibt, optimiert, was von der Teppichetage angeordnet und gespart, was die Finanzabteilung an ein­zuhaltenden Produktionskosten unverrückbar vorgibt. Und genau deshalb basieren immer mehr Automodelle auf ein und derselben Plattform und holen bis zur Beinahe-Kongruenz die Bauteile aus einem gemeinsamen Fundus. So nicht anders beim jüngsten Spross von Mini, dem Cooper S E Countryman ALL4, der nicht nur die Plattform mit Brüdern und Cousins wie BMW X1 oder 2er Active Tourer teilt, sondern gleich auch noch den Antrieb. Sechsgang-Automatikgetriebe, Motor und die unter den Fondsitzen verstaute Lithium-Ionen-Batterie sind hüben wie drüben exakt dieselben wie beim 225xe Active Tourer.

Der Junge ist gewachsen

Umrundet man den Teilzeitstromer zum ersten Mal, stellt man fest: Mini im Wortsinn ist hier überhaupt nichts. Man darf die Masse ruhig als üppig bezeichnen. Der Junge ist gewachsen, hat richtig zugelegt auf den Rippen und bringt bei einer Länge von neu 4,30 Metern (+20 cm) satte 1735 Kilogramm auf die Waage. Das sind rund 2 Zentner mehr, als sein nicht elektrifizierter Bruder wiegt. Die zusätzlichen Pfunde sind der schweren Batterie geschuldet. Dafür erlaubt der Längenzuwachs, die Hinterbänkler um ganze 13 cm vor- oder zurückzuschieben, also mehr Beinfreiheit hinten oder mehr Stauraum im Kofferraum zu schaffen – was man eben je nach Situation gerade benötigt. Zudem können die Fondsitzlehnen in ihrer Neigung variiert und im Verhältnis 40:20:40 umgeklappt werden, was im besten Fall ein Kofferraumvolumen von 1275 Litern schafft. Insgesamt macht das Interieur einen grosszügigen Eindruck. Von Einschränkungen durch die Elektrotechnik ist nichts zu spüren. «Die gesamte Hybridtechnik ist so verbaut, dass man im Innenraum nichts davon wahrnimmt», sagt Uwe Seitz, Projektleiter für den Mini Cooper S E Countryman ALL4, «mit Ausnahme der Bedienelemente im Cockpit, mit denen die unterschiedlichen Fahrmodi aktiviert werden.» Damit passt er für die rein elektrische Einkaufstour ebenso wie für den Wochenendtrip ins angesagte Skiresort.

Zum Skifahren mit diesem Mini? Die Kombination aus Dreizylinderbenziner mit 136 PS aus 1,5 Liter Hubraum für den Antrieb der Vorderräder und einem 88-PS-Elektromotor an der Hinterachse liefert wie nebenbei auch noch einen Allradantrieb. Keinen mechanischen mangels der sonst nötigen Antriebswelle nach hinten und des Differenzials. Aber es gibt so wie nebenbei einen 4?× 4 für den Fall des Schneefalls. Dass auf unserer Testfahrt an den Ufern des Comersees der angegebene Verbrauchswert von lediglich 2,1 Litern je 100 Kilometer nicht wirklich eingehalten werden konnte, ist vor allem dem praxisfernen Messverfahren für die Verbrauchs­angabe zuzuschreiben. Und den trotz Mehrgewicht und Zuwachs in den ­Dimensionen immer noch Mini-mässig dynamischen Fahreigenschaften – jedenfalls für ein Mini-SUV.

Bis zu 125 km/h rein elektrisch

Der Countryman verfügt über drei verschiedene Fahrmodi, mit denen Energiefluss und Engagement der beiden Antriebsaggregate beeinflusst werden kann. Zugegeben, in zwei der drei einstellbaren Programme wechselt man wohl eher selten und lässt den Wagen im eDrive-Mode am besten selbst den jeweils zur Fahrsituation und Untergrund optimalen Antriebsmodus einstellen. Bis zu 80 km/h liegen rein elektrisch drin. Wird es schneller oder steiler, fliesst wieder Benzin durch die Adern des Countryman.

Ganz anders im Max-eDrive-Mode, der für leisen E-Antrieb bis zu 125 km/h sorgt und somit eine rein elektrische Reichweite von 40 Kilometern ermöglicht. In der Praxis sind es dann eher deren 30. Aber diese Reichweite dürfte statistisch gesehen den täglichen Bewegungsradius der meisten Erdenbürger in den allermeisten Fällen abdecken.

Unterwegs nachladen

Der Save-Battery-Mode hingegen bevorzugt den Verbrennungsmotor und hält, wann immer möglich, den Ladezustand der 7,6 Kilowattstunden fassenden Batterie auf rund 90 Prozent. Fällt dieser Wert deutlich ab, lädt der Akku direkt per Startgenerator nach. Energetisch unsinnig, aber zukünftig möglicherweise sinnvoll: Falls Europas Innenstädte nur noch rein elektrisch angefahren werden dürften, liesse sich während der Anfahrt noch nachladen.

Der neue Mini Cooper S E Countryman ALL4 steht seit Juni zu Preisen ab 43 700 Franken bei den Händlern. Sportliche Singles, umtriebige Paare und urbane Familien sehen Minis Marketingstrategen als Zielgruppe.

Markus Cavelti fuhr den neuen Mini Cooper S E Countryman ALL4 am 29. Juni auf Einladung von Mini Schweiz in Italien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2017, 18:18 Uhr

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Modell: Kleines SUV mit 5 Türen und 5 Plätzen

Masse: Länge 4299 mm, Breite 1822 mm, Höhe 1559 mm, Radstand 2670 mm

Kofferraum: 400 bis 1350 Liter

Motoren: 1,5-Liter-Benziner mit 136 PS (100 kW), Elektromotor 88 (65 kW), System­leistung 224 PS (165 kW)

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 6,8 Sek.

Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h, rein elektrisch 125 km/h

Verbrauch (Werksangabe): 2,1 Liter auf 100 Kilometer

CO2-Ausstoss (Werksangabe): 49 Gramm pro Kilometer

Markteinführung: Juni 2017

Preis: ab 43 700 Franken

Infos: www.mini.ch


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