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Mit der Lizenz zum Driften

Die Mission, einen Aston Martin auf Eis zu beherrschen, ist nicht einfach, macht im Rahmen eines Winterfahrtrainings aber viel Spass.

Kontrolliertes Driften will geübt sein, wenn man es mit einem 573 PS starken Vanquish...
Kontrolliertes Driften will geübt sein, wenn man es mit einem 573 PS starken Vanquish...
Aston
...oder einem 426-PS-Vantage...
...oder einem 426-PS-Vantage...
Aston
...– beides Hecktriebler – zu tun hat.
...– beides Hecktriebler – zu tun hat.
Aston
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«Sie machen Scherze.» Mit diesen Worten äusserte sich Bond einst zu seinem neuen Dienstfahrzeug. Angeblich «ein Meisterwerk britischer Automobilbaukunst», aber zu sehen war davon nichts – bis Q die speziell für den 007-Einsatz entwickelte adaptive Tarnung deaktivierte und den Blick auf einen Traum aus Aluminium und Kohlefaser freigab. «Aston Martin nennt ihn Vanquish, wir nennen ihn den Vanish», scherzte er. Die Szene stammt gewiss nicht vom besten aller Bond-Streifen, seither hat der Geheimagent die Welt drei weitere Male gerettet, das besagte Modell wurde zeitweise durch den DBS ersetzt, bevor der Name 2012 wieder auftauchte und die Leistung des 6-Liter-V12 inzwischen um 113 PS erweitert. Aber genau wie damals in «Die Another Day» wagt sich ein Vanquish aufs Glatteis.

Heckschleudern auf Eis

«Entzückende Aussicht», um die schneegezuckerte Engadiner Bergkulisse mit dem passenden Filmzitat zu kommentieren, «nur schade, dass sie kaum jemand bemerkt.» Schliesslich steht nun über ein Dutzend 426 bis 573 PS starke Schönheiten auf dem verschneiten Flughafengelände von Samedan bereit: Nebst einigen Exemplaren des Vanquish auch der zeitlose, kürzlich überarbeitete DB9, der bullige Vantage in all seinen Spielarten als V8, V12, Coupé und Roadster sowie der elegante 4-Türer Rapide, der bald als S-Version debütieren soll. Im Jahr 2009 hatte man bescheiden mit 24 Teilnehmern begonnen, inzwischen melden sich jährlich über 200 Personen für den 3200 Euro teuren Event «Aston Martin on Ice» an, darunter ein Drittel Nicht- oder zumindest Noch-nicht-Kunden. Ein Winterfahrtraining mit Allradantrieblern sei allzu naheliegend, findet der deutsche Markenchef Ulrich Bez. Dank der ausgewogenen Gewichtsverteilung – Motor vorne, Getriebe hinten – habe man mit den Hecktrieblern aus Gaydon mindestens so viel Spass auf Eis und Schnee. In der Tat. Aber eines wird bei den Kreisfahr-, Ausweich-, Brems- und Slalom- Stunts bei ausgeschalteter Stabilitätskontrolle schnell klar: Der 4,38 Meter kurze Vantage mit dem grossen V12 liebt das Drama. Ruft man seine Leistung zu forsch ab und bedient die Lenkung unpräzise, nutzt er seinen Schwung bald für die Zerstörung des abgesteckten Parcours. Man solle sich bitte vorstellen, die orangen Hütchen seien One-77 (das derzeit exklusivste, streng limitierte und teuerste Modell der Briten) lautet die Regieanweisung des Instruktors. «Ha, ha, ha, aber das war doch nur ein kleines Spielchen!» Die Worte von Bonds Gegenspieler Gustav Graves behalten hier zum Glück recht: Blech wird auf der Journalisten- Veranstaltung keines angekratzt, aber ganz bestimmt das eine oder andere Fahrer-Ego. Die mit längerem Radstand versehenen Modelle nehmen die blanke Piste gelassener. Mühelos lässt sich das ausscherende Heck des 5,02 Meter langen Rapide in der Querlage halten, um im Drift durch den Parcours zu gleiten. Um diesen auch möglichst schnell zu absolvieren, erweist sich aber der Vanquish als Wunderwaffe. Zwar fehlt dem Gran Turismo jener Schleudersitz, mit dem sich Bond in Island nach einem Überschlag wieder auf die Räder katapultierte, und die Spikes sind an diesem Tag dem intern «James» genannten GT4-Rennwagen V8 Vanquish S vorbehalten. Dafür bietet er mit 573 PS und theoretischem Sprintwert von 4,1 Sekunden mehr Action als der schwere Rapide oder der 517 PS starke DB9. Auch er hat seine Tücken, aber wie heisst es im Film so schön? «Man kann die Kontrolle nur verlieren, wenn man seine Grenzen nicht kennt.»

Kultur statt Krawall

Das Winterfahrtraining bietet leider zu wenig Zeit, um die Modelle in all ihrer optischen und nicht zuletzt akustischen Schönheit zu erfassen, geschweige denn den richtigen Fahruntergrund, um ihre schiere Kraft auszukosten. Dennoch verrät das Erlebnis, warum die Autos jährlich über 200 Schweizern mindestens 125 466 Franken wert sind. Die Devise des 100-jährigen, seit der Loslösung vom Ford-Konzern auch wieder unabhängigen Unternehmens, lautet nicht Krawall, sondern Kultur. Die Betonung liegt eher auf bester Handwerkskunst denn innovativster Technik und selbstverständlich profitiert die Marke auch vom 007-Kult. «Wir beide kennen uns noch nicht lange, trotzdem bin ich ein Fan von Ihnen geworden», möchte man den Filmschurken am Ende der Veranstaltung ein letztes Mal zitieren und sich im 290 237-fränkigen «Vanish» unbemerkt davonstehlen. Doch die adaptive Tarnung ist leider defekt. Übrigens, so verrät man bei Aston Martin, hätten nach Erscheinen des 20. Bond-Streifens tatsächlich einige Kunden danach gefragt. «Sie machen Scherze», wird man ihnen geantwortet haben.

Nina Vetterli nahm am 4./5. Februar auf Einladung der Aston Martin Lagonda of Europe GmbH am Winterfahrtraining «Aston Martin on Ice» teil.

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