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California: Der «zivilisierte» Rennwagen

Der neue California ist – ausstattungsbereinigt – der günstigste Ferrari. Noch nie fiel es so leicht, sich für das Einsteigermodell einer Marke zu begeistern wie hier.

Finanzkrise? Dieses Wort kennt man bei Ferrari nicht. In Maranello sieht man die möglicherweise ausfallenden Boni der Banker gar als Chance, endlich die Wartelisten zu bereinigen. Auf einen 599 GTB warten die Kunden in der Schweiz weiterhin zwei Jahre – und für den neuen California hat der Importeur seine Händler gerade angehalten, vorerst keine Bestellungen mehr entgegenzunehmen. Wer sich erst jetzt entscheidet, der darf den ersten Ferrari mit «retractable hardtop» nicht vor 2011 erwarten.

Wer schon einen California bestellt hat, der darf sich freuen wie ein kleines Kind: Er hat den alltagstauglichsten aller Sportwagen erstanden. Das hängt nicht nur mit dem sich in gerade einmal 14 Sekunden öffnenden und schliessenden Dach zusammen, das den Ferrari sowohl als schnittiges Coupé wie auch als feines Cabrio auf die Strasse bringt, sondern vor allem mit dem hohen konstruktiven Aufwand, den die Italiener für die sinnvolle Erweiterung ihrer Modellreihe gegen unten betrieben haben.

2+2 Plätze und 460 PS

Da ist zuerst einmal das Doppelkupplungsgetriebe. Es funktioniert hervorragend, die Anschlüsse sind von Gang zu Gang perfekt, auch unter Volllast. Und die Bedienung ist problemlos, links ein Paddel (zum Runterschalten), rechts ein Paddel (zum Hochschalten) – mit dieser Lösung stellt Ferrari viele Konkurrenten in den Schatten. Ebenfalls lobenswert: der California lässt sich auch im Stadtverkehr ohne Ruckeln und Rupfen bewegen.

Den vorne montierten 4,3-Liter-8-Zylinder haben die Italiener mit einer Direkteinspritzung versehen. Das spart Benzin (13,1 l/100 km sollen es im Durchschnitt sein), und verhilft dem 1700 Kilo schweren 2+2-Plätzer zu einem erstklassigen Ansprechverhalten. Die Drehmomentkurve verläuft absolut linear, der Ferrari – 460 PS stark – hat Dampf in allen Lagen (maximales Drehmoment 475 Nm bei 4700/min). Und bleibt dank seinem ausgefeilten Fahrwerk (und natürlich dem aus der Formel 1 abgeleiteten Traktionssystem) jederzeit locker beherrschbar. Der Fahrer fühlt sich sicher, nie überfordert – etwas, das nicht von allen Ferrari-Modellen behauptet werden kann.

340 Liter gross ist der Gepäckraum des California; mit geöffnetem Dach sind es immer noch 240 Liter, das dürfte für einen ernsthaften Sportwagen (der Italiener beschleunigt in weniger als 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und rennt bis zu 310 km/h schnell) wohl Rekord bedeuten. Zudem gibt es eine praktische Ladeluke, so lassen sich auch mit abgeklapptem Dach zwei Golfbags transportieren.

Ab 269000 Franken

Besonders erfreulich ist, dass es Hausdesigner Pininfarina geschafft hat, den California weitaus eleganter zu gestalten, als das bisher bei Fahrzeugen mit festem Klappdach der Fall war – und auch andere schöne Details wie die zwei plus zwei vertikal angeordneten Auspuffrohre oder der sehr übersichtliche und aufgeräumte Innenraum erfreuen das Auge.

269000 Franken kostet ein California inklusive Navi, elektrische Sitze und weiterer luxuriöser Kleinigkeiten. Damit ist er ausstattungsbereingt günstiger als ein F430 – und wildert in dieser Konstellation auch gegen den SL von Mercedes (natürlich nur bei den AMG-Versionen) oder den XK von Jaguar (da braucht es mindestens ein «R» im Namen). Bloss erhält man mit dem Ferrari California keinen scharf gemachten Sportwagen, sondern einen zivilisierten Rennwagen.

* Peter Ruch ist freier Journalist und Mitglied der Jury «Car of the Year».

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