Futuristisches Comeback

Vor 25 Jahren hatte Honda mit dem ersten NSX die Sportwagengilde mächtig aufgemischt. Im Herbst rollt die zweite Generation an den Start. Als Hochleistungshybrid.

Aggressiv gestylt: Der Honda NSX soll in weniger als 3 Sekunden auf Tempo 100 spurten und nur 10 Liter verbrauchen. Fotos: Honda

Aggressiv gestylt: Der Honda NSX soll in weniger als 3 Sekunden auf Tempo 100 spurten und nur 10 Liter verbrauchen. Fotos: Honda

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Der Anfang ist typisch Hybrid: Auf Tastendruck erwacht ein sehr dezent klingender Motor zum Leben und verfällt unmittelbar darauf wieder in Schlaf – beinahe wie in einem Toyota Prius. Dabei sitzen wir in einem 200'000-Franken- Hightechmobil, das die Sportlichkeit nicht nur optisch verkörpert, sondern über 581 System-PS verfügt.

Konzeptionstechnisch liegt da ein Porsche 918 offensichtlich näher als ein Prius. Die ersten Kunden erhalten den Honda NSX im Oktober. Er wird nicht ganz so rar sein, wie die Hybrid-Supersportwagen aus Deutschland, England und Italien, doch in jedem Fall bleibt eine Sichtung auf der Strasse ein Glücksfall: Pro Tag rollen im Performance Manufacturing Center im amerikanischen Marysville lediglich acht Wagen vom Band. Entsprechend knapp bemessen ist das Jahreskontingent mit 170 NSX für ganz Europa, davon rund 15 für die Schweiz.

Wieselflink und spontan

«Quiet», leise, heisst es im Zentrum des blau beleuchteten Hauptinstruments. Und mucksmäuschenstill setzt sich der Zweisitzer in Bewegung. Drei Elektromotoren bringen die 4,49 Meter lange Space-Frame-Flunder locker vom Platz, und erst deutlich oberhalb Innerortstempo springt auch der 3,5-Liter-V6 an. Er übernimmt ab jetzt die Hauptarbeit, weiterhin sehr dezent, dafür siedlungstauglich, aber auch ziemlich emotionslos.

Ligagerechte akustische Erlösung bringt der Wechsel des Fahrmodus von Quiet auf Sport, Sport Plus oder Track. Ansaug- und Auspuffgeräusch erhalten Charakter dank klappengesteuerter Luftströmung, aktivem Soundengineering und akustischen «Stössen» beim Hochschalten unter Last. Spätestens jetzt sorgt der japanische Supersportler für Emotionen am Lenkrad, und auf der Rennstrecke im portugiesischen Estoril lässt der NSX sein Potenzial aufblitzen.

Schwer aber flink

Trotz technologiebedingter 1,8 Tonnen Leergewicht bewegt sich der Honda wieselflink. Er reagiert ungemein spontan auf Gasbefehl – ein überzeugendes Zeugnis davon, wie gut das Hybrid-Zusammenspiel, bestehend aus 507-PS-Twinturbo- V6, 9-Gang-Doppelkuppplungsgetriebe, insgesamt drei Elektromotoren und einer nicht weiter spezifizierten Lithium- Ionen-Batterie, im NSX gelingt. Alle Motoren sind gleichmässig über den Wagen verteilt: V6 und ein E-Motor (48 PS) sitzen im Heck und treiben die hintere Achse an. Der Elektromotor wirkt auf die Kurbelwelle und eliminiert als Direktmotor sämtliche Turboträgheit.

Die verbleibenden zwei E-Motoren (beide 37 PS) tragen im Bug die Verantwortung für je ein Vorderrad. Sie treiben an, sind aber auch Energielieferanten, indem sie beim Verzögern Strom rekuperieren. Sie sind zugleich ein wichtiges Fahrdynamik-Element, erzeugen je nach Fahrweise ein Giermoment, das durch gezieltes Ansteuern der Motoren die Agilität bei Kurvenfahrt zusätzlich verbessert; Stichwort Torque Vectoring.

Von null auf 100 in weniger als 3 Sekunden

Beim Einbremsen in die Kurven wird am kurveninneren Elektromotor mehr Energie zurückgewonnen und die Bremswirkung am Rad erhöht, der NSX dreht stärker in die Biegung ein, untersteuert nicht. Beim Hinausbeschleunigen aus der Kurve erhält hingegen das kurvenäussere Rad mehr Schub, stabilisiert so die Linie und ermöglicht dem Fahrer ein früheres Gasgeben. Ansonsten bietet der NSX Vorwärtsdrang ohne Ende, mit fulminantem, aber quietschfreiem Rennstart und einem Speedpotenzial, das bei – Zitat von Honda – «ungefähr 308 km/h endet».

Über die Spurtqualitäten schweigen sich die Japaner noch immer aus. Einen Indikator gibt es gleichwohl, denn Antriebsstrang- Chefentwickler Kenneth Lantz bestätigte die Grössenordnung eines Nissan GT-R – und der schafft den Stammtischspurt von null auf Tempo 100 in weniger als 3 Sekunden.

Das Warten hat sich gelohnt

Das Design des geduckt auf der Strasse lauernden NSX ist geprägt von Linien und Öffnungen, die zur effizienten Kühlung des Antriebsstranges und zur bestmöglichen Luftströmung dienen. Aufgebaut ist der Wagen rund um eine Alu-Space-Frame-Struktur mit sehr niedrigem Schwerpunkt, und es kommt ein exquisiter Materialmix für Fahrwerk, Karosserie und Verstrebungen zur Anwendung. Eine hochwertige Verarbeitung und edle Innenmaterialien runden das Gesamtpaket des mit 200'000 Franken angeschriebenen NSX ab.

Als Optionen werden diverse Optikpakete aus Karbon, elektrische Sitze, Navigation, diverse Spezialfarben und Keramikbremsen aufgeführt. Letztere kosten 12'000 Franken und werden in den ersten Monaten zwangsweise in jedem NSX eingebaut. Honda hat sich zwar zwischen dem Ur-NSX und der neuen, zweiten Generation 25 lange Jahre Zeit gelassen, doch das Resultat überzeugt und dürfte für die Japaner nicht nur als Imageträger erneut von höchster Bedeutung sein.

Martin Schatzmann fuhr den neuen Honda NSX am 21./22. Juli auf Einladung von Honda Schweiz in Portugal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.08.2016, 16:30 Uhr

Honda NSX

Japanischer Hybridsportler

Kategorie Hybridsportwagen mit 2 Plätzen
Masse Länge 4487 mm, Breite 1939 mm, Höhe 1204 mm, Radstand 2630 mm
Kofferraum 110 Liter
Motor 3,5-Liter-V6 mit Doppelturbo, 507 PS (373kW), E-Motor 35 kW, vorne 2x E-Motoren à 27 kW, Systemleistung 581 PS (427 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in ca. 3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 308 km/h
Verbrauch 10 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss 228 g/km
Markteinführung Oktober 2016
Preis Ab 200'000 Franken


Infos: www.honda.ch

Der NSX verwöhnt die Sportwagenfahrer mit einem luxuriösen Interieur.

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