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Neuer Mazda 3 – von Reykjavik nach Hollywood

In der Kompaktklasse wird 2009 mit harten Bandagen um die Top-Plätze gekämpft: Nach VW mit dem Golf und Renault mit dem Megane stellt Mazda jetzt den 3er parat.

Während der 3er die letzten Testkilometer abspult, hat Mazda die ersten offiziellen Bilder veröffentlicht.
Während der 3er die letzten Testkilometer abspult, hat Mazda die ersten offiziellen Bilder veröffentlicht.
Mazda

Ein einsames Hotel mitten im Nirgendwo, davor ein Container, und ringsherum tänzeln ein paar japanische Ingenieure nervös von einem Fuss auf den anderen: Denn was da im Nieselregen fast bis zur Unkenntlichkeit getarnt aus der grossen Blechkiste rollt, ist nichts weniger als das wichtigste Auto, das Mazda im kommenden Jahr ins Rennen schicken wird: der neue Mazda 3. Als meistverkauftes Modell der Marke rollt er 2009 im Windschatten des VW Golf an den Start.

Premiere in Los Angeles

Bevor der Bestseller nach fünf Jahren in die zweite Runde geht und seine Premiere im November auf der Autoshow in Los Angeles feiert, laufen hier am Ende der Welt auf den abgelegenen Nebenstrassen von Island die letzten Abstimmungsfahrten mit dem Viertürer und dem Steilheck, das vor allem auf den Geschmack der europäischen Kunden zugeschnitten wurde. Und auch wenn noch ein blaues Netz und meterweise Klebeband die endgültige Form verbergen, schimmern bereits deutlich vergrösserte Scheinwerfer und eine muskulösere Statur durch die Tarnung.

Zudem zeugen die gestreckte Silhouette und die grössere Beinfreiheit vom neuen Format des Golf-Gegners: «Nachdem wir wegen eines zu kleinen Kofferraums und der Enge im Fond kritisiert worden sind, haben wir nachgelegt», sagt Projektleiter Yoshiyuki Maeda und verspricht je nach Modell bis zu 9 Mehr-Zentimeter.

Für das Wohlbefinden an Bord haben die Japaner allerdings noch mehr getan: Auch die Sitze und vor allem das Interieur sind neu und wirken nun hochwertig und sauber verarbeitet. Nur das Lenkrad ist mit seinem Dutzend Schaltern und Tastern ein wenig überladen – aber das ist offenbar ein Tribut an die amerikanische Kundschaft, die im Schnitt viel jünger ist als die in Europa und ohne iPod-Intergration oder Festplattennavigation gar nicht mehr ins Auto steigt.

Zwar ist die Plattform kaum verändert, doch das gestrecktes Format, neue Motoren und vor allem ein neuer Anspruch zwingen die Techniker zu endlosen Touren auf der deutschen Autobahn, der Nordschleife des Nürburgrings – und der gespenstisch leeren Nebenstrasse um den Walfjord vor den Toren der isländischen Hauptstadt. «Wir wollten bei der Fahrkultur noch einmal einen grossen Schritt nach vorn machen», fasst Testleiter Uwe Kracht die Vorgabe zusammen. Dabei geht es Mazda in erster Linie um Komfort und nicht um Sportlichkeit. «Zudem soll es innen leiser zugehen als bisher», sagt Kracht. Und schon ohne einen Blick auf die Messgeräte hellt sich sein Gesicht mit jedem Meter auf: Obwohl die Strassen so schlecht sind wie bessere Feldwege, dringt nicht viel mehr als das Pfeifen des Küstenwindes und das Surren der Reifen in den Innenraum.

Selbst den Motor hört man kaum. Dass unter der versiegelten Haube ein Diesel steckt, mag man kaum glauben. Zumal die Fahrleistungen ebenfalls eine andere Sprache sprechen. Offizielle Messwerte liegen zwar noch nicht vor, aber mit 185 PS und rund 400 Newtonmeter hat der neue 2,2-Liter, den es zum Jahreswechsel auch im Mazda6 und später im Geländewagen CX-7 geben wird, mehr als ausreichend Dampf für flotte Sprints. Alternativ wird es den neuen Diesel auch mit 150 PS geben, und für Sparer baut Mazda auch einen 1,6 Liter grossen Selbstzünder mit 110 PS ein. Ausserdem startet der Dreier mit zwei Benzinern: einem 1,6-Liter mit 105 PS und einem Zweiliter mit 150 PS. Ob später eine MPS-Sportversion folgen wird, steht noch nicht fest.

Bis zu 25% Verbrauchsvorteil

Erst einmal ist bei den Japanern allerdings sparen statt spurten angesagt. Anders als beim Mazda?2 fällt ihnen die Enthaltsamkeit diesmal buchstäblich ein wenig schwer. Denn mal eben 100 Kilo aus einem Auto herausnehmen und trotzdem die Länge strecken – das schafft auch bei Mazda keiner. «Aber immerhin haben wir das Gewicht gehalten», sagt einer der Ingenieure und stellt mit den neuen Diesel Verbrauchsvorteile von bis zu 25 Prozent in Aussicht. Zudem gibt es für den Mazda?3 bereits 2009 als eines der ersten Autos in der Kompaktklasse eine Start-Stopp-Automatik. Auch sonst hat Mazda aufgerüstet: Serienmässig 6 Airbags, ESP, aktive Kopfstützen und eine stabile Rohkarosse schüren die Hoffnung auf 5 Sterne beim Euro-Crashtest, ein Sensor überwacht künftig den toten Winkel, und gegen Aufpreis leuchten Bi-Xenon-Scheinwerfer auch in die Kurven.

Ein halbes Jahr vor Markteinführung ist es für Preise zu früh. Doch viel Spielraum hat Europachef James Muir nicht: Wenn VW den Golf zum Nulltarif auswechselt, kann Mazda keine Aufschläge berechnen.

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