City-SUV mit viel Spasspotenzial

Obwohl der Kia Stonic nur mit maximal 120 PS und Frontantrieb erhältlich ist, verführt der gefällige Crossover zu einem agilen Fahrstil.

Im urbanen Umfeld fühlt sich der Kia Stonic am wohlsten. Foto: PD

Im urbanen Umfeld fühlt sich der Kia Stonic am wohlsten. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie wollen sich als altmodisch outen? Kein Problem! Kaufen Sie sich einfach ein Auto, bei dem das Dach in Wagenfarbe lackiert ist. Das ist nämlich überhaupt nicht mehr angesagt. Im Gegenteil: Die Mode, dass Autodächer eine andere Farbe tragen als die Karosserie, ist von Kleinwagen wie dem Mini längst auf alle anderen Autosegmente übergegangen. Vor allem die derzeit so beliebten SUV-Crossover sehen oben immer öfter anders aus als unten. Der VW T-Roc und der Opel Crossland X zum Beispiel. Oder der Seat Arona.

Der Kia Stonic. Kia bietet für den Stonic neun Karosserie- und fünf Dachfarben an. Da nicht jede Paarung erlaubt ist, lässt er sich in zwanzig Zweitonvarianten ordern. Das ergibt mit dem in vier Farbwelten – komplett in Schwarz oder mit Akzenten in Grau, Hellgrün oder Orange – erhältlichen Interieur jene Individualisierungsmöglichkeiten, die Käufer solcher Autos schätzen. Das typische Möchtegern-Geländewagen-Outfit mit Plastikplanken an Stossfängern und Radhäusern und einem angedeuteten Unterfahrschutz trägt der Koreaner aber immer.

Wenig Beinfreiheit im Fond

So verspielt er sich aussen gibt, so seriös ist der Kia Stonic innen. Wenn nicht gar konservativ mit dem überall präsenten Plastik und den klassisch analogen Rundinstrumenten. Sieht man vom mit Knöpfchen überfrachteten Multifunktionslenkrad ab, präsentiert sich das Cockpit trotzdem klar strukturiert. Ziemlich fortschrittlich, zumindest in der Klasse der kleinen SUV, ist das Infotainmentsystem, dessen Herz bereits in der Basisversion ein 7-Zoll-Touchscreen ist. Dessen grafische Umsetzung überzeugt, in der aufgeräumten Menüstruktur findet man sich gut zurecht. Besonders geräumig ist er allerdings nicht, der Stonic. Jedenfalls im Fond, wo die Passagiere Mühe haben, ihre Beine zu sortieren. Der Kofferraum ist mit 352 bis 1155 Liter Fassungsvermögen durchschnittlich gross, dafür gibt es hier einen Zwischenboden, der entweder herausnehmbar ist, um hohe Gegenstände zu transportieren, oder Krimskrams unter sich verdeckt.

Der erste Eindruck, wenn man auf dem bequemen Fahrersitz Platz nimmt: Der Stonic könnte übersichtlicher sein, die nach hinten schmaler werdenden Fenster und die breite C-Säule schränken die Rundumsicht ein. Und so SUV-typisch hoch, dass sich der Verkehr überblicken liesse, sitzt man in ihm nicht. Dafür erkennt man den engsten technischen Verwandten, den Kia Rio, im Fahrverhalten wieder: Der Stonic ist ähnlich straff wie der Rio. Unebenheiten filtern Federn und Dämpfer nur unzureichend heraus, was vor allem auf der Autobahn nervt. Querfugen lassen die Insassen bei Geschwindigkeiten im Bereich von 120 km/h rhythmisch in ihren Sitzen hüpfen. Interessant ist: Je schneller der Stonic fährt, umso kleiner ist dieses Problem.

Hoher Spritverbrauch auf der Autobahn

Obwohl der Neuling nur mit 120 PS am Start steht, zeigt er eine hohe fahrdynamische Kompetenz, die einerseits von der direkten, aber keineswegs nervösen Lenkung herrührt. Aber auch daher, dass sich die Karosserie in schnellen Kurven nur minimal neigt. Dieses Auto macht Spass und geht damit charakterlich auf Distanz zu vielen anderen SUV, die sich oft teigig anfühlen und den Fahrer dadurch von der Strasse entkoppeln. Die haben dafür zuweilen Allradantrieb, aber der Stonic überträgt seine Kraft stets über die Vorderräder. Ein Problem ist das allerdings im Normalfall nicht, traktionsstark ist er trotzdem.

Der Topmotor, ein Dreizylinder mit 1 Liter Hubraum, passt gut zum Stonic. Zwar ist er bei sehr niedrigen Drehzahlen lethargisch und wirkt sich jedes zugeladene Kilogramm negativ auf das Temperament aus, das mit vier Erwachsenen und deren Gepäck an Bord fast vollständig verschwindet. Aber im Normalfall schafft der Stonic 1.0 T-GDi den Alltag locker. Der typische «knurrende» Dreizylinderklang legt sich, sobald der Motor auf Temperatur kommt, und wird auf der Autobahn von Windgeräuschen überlagert. Dort schnellt jedoch der Spritverbrauch in die Höhe. Wer dem Dreizylinderturbo alles abverlangt, verdoppelt den Normverbrauch von 5 Litern locker. Überhaupt zeigt der Testverbrauch von 8,2 Litern auf 100 Kilometer einmal mehr, dass Hubraumminimierung nur auf dem Laborprüfstand hilft, nicht aber im alltäglichen Einsatz.

Gut ausgestattete Basisversion

Je mehr Zeit man am Steuer des Stonic verbringt, umso klarer wird: Er ist ein Auto für aktive Fahrer. Das zeigt sich auch daran, dass es ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe mit 7 Gängen erst im Sommer geben wird und die Zahl der Assistenzsysteme überschaubar ist. Das Angebot bislang: ein Notbremsassistent, der auch Fussgänger erkennt, ein Müdigkeitsdetektor und Querverkehrswarner sowie akustische Assistenten, die vor Fahrzeugen im toten Winkel und dem unabsichtlichen Verlassen der Fahrspur warnen.

Mit dem 120-PS-Motor kostet der Stonic mindestens 20'400 Franken und ist bereits als Basismodell tadellos ausgestattet. Unter anderem mit elektrischen Fensterhebern vorne, Klimaanlage, MP3-Radio und Smartphone-Integration über Apple Carplay oder Android Auto. Wer ihn mit Road und Style Pack bestellt, fährt für rund 25'000 Franken ein reichhaltig ausgestattetes, fahraktives und technisch fortschrittliches Auto. Mit dem harten Fahrwerk und dem durchschnittlichen Platzangebot muss man jedoch leben können.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2018, 18:21 Uhr

Kia Stonic 1.0 T-GDi

Aussen verspielt und innen seriös

Masse: Länge 4,14 Meter. Breite 1,76 Meter. Höhe 1,5 Meter. Radstand 2,58 Meter.

Kofferraum: 352 bis 1155 Liter.

Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder mit 120 PS.

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 10,3 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 185 km/h.

Verbrauch: 5,0 Liter auf 100 Kilometer.

CO2-Ausstoss: 115 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: im Verkauf.

Preis: 20'400 Franken 1.0 T-GDi.

Artikel zum Thema

Der Letzte wird der Erste sein

Zum 100. Geburtstag verordnet sich Mitsubishi eine neue Europa-Strategie. Der neue Eclipse Cross ist das erste Modell einer ganzen Palette neuer Crossover des japanischen Autobauers. Mehr...

Das Spiel mit der Provokation

Der neue C-HR setzt auf Hybridantrieb und ein überraschend mutiges Design. Toyota ist überzeugt, dass der Crossover damit zum «Game Changer» wird. Mehr...

Der Pionier bleibt dran

Mit dem ersten Sportage hat Kia vor 22 Jahren das heutige Trendsegment kompakter SUV begründet – eher zufällig. Jetzt legen die Koreaner die vierte Generation auf. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kunstsprung: Ein Dompteur springt auf der Krim ins Wasser, während zwei Elefanten eines lokalen Zirkusses ein Bad im Meer nehmen. (20.August 2018)
(Bild: Pavel Rebrov) Mehr...