Aufgeladene Premiere

Lexus hat sich mit Hybridantrieben einen Namen geschaffen. Jetzt bringt die Toyota-Edeltochter erstmals einen Turbo-Benziner.

Mit dem 238 PS starken Turbobenziner und der 6-Stufen-Automatik bietet der Lexus NX 200t mehr Fahrspass. Foto: Lexus

Mit dem 238 PS starken Turbobenziner und der 6-Stufen-Automatik bietet der Lexus NX 200t mehr Fahrspass. Foto: Lexus

Es gibt nichts, das es nicht gibt, könnte ein Slogan für die Autoindustrie heissen. Insbesondere dann, wenn man die Entwicklungen in jüngster Zeit betrachtet, die bis vor kurzem so nicht denkbar waren. BMW beispielsweise verzichtet auf den sakrosankten Heckantrieb und baut neuerdings auch Familienvans. Ein Frevel an der Markenidentität? Nein! Gebaut wird heute, was sich verkauft, Firmenhistorie hin oder her. Demselben Marktdruck unterwirft sich nun auch Lexus. Die Toyota-Edelmarke hat sich bisher einen Ruf als Hersteller oberklassiger Hybridfahrzeuge erschaffen. Damit ist nun – wenigstens teilweise – Schluss. Denn erstmals in der Firmengeschichte verbauen die Japaner nun einen Turbo-Benzinmotor, der im neuen NX 200t zum Einsatz kommt.

«Scharfes Design» lockt

Der im Herbst 2014 lancierte Kompakt- SUV NX brachte der Marke innerhalb kurzer Zeit neue Kundschaft. Grund dafür sei laut Fabio Capano «das scharfe Design». Das hebe sich laut dem Kommunikationsdirektor von Lexus Europe von den Mitbewerbern im Premiumsegment deutlich ab und wirke sich positiv auf die Lexus-Absatzzahlen aus, wie ein Blick in die Verkaufsstatistiken zeige. Kaum drei Monate auf dem Markt, machte der Kompakt-SUV laut Capano in Europa bereits 11 Prozent aller Lexus- Verkäufe aus und sprach in gut 60 Prozent der Fälle Neukunden an. «2015 wollen wir von den geplanten 60 000 Verkäufen in Europa jedes dritte Fahrzeug als NX ausliefern», erklärt der Kommunikationsdirektor optimistisch. Doch weil es den NX bisher nur als 300h-Version mit einem verbrauchsreduzierenden 2,5-Liter-4-Zylinder-Benziner-Hybridantrieb gab, vermochte er bisweilen weniger Emotionen zu schüren als erhofft. Hybrid wird leider allzu oft als unsportlich taxiert – ein Prädikat, das im Autohandel immer noch viele abschreckt, anstatt zum Kauf zu animieren.

«Mit dem neuen Turbo haben wir ab sofort eine Alternative zum Hybridantrieb im Angebot», freut sich deshalb der Schweizer Lexus-Direktor Christian Wellauer. Tatsächlich zeigt sich der neue Vierzylinder als Turbomotor mit 238 PS gegenüber den 197 PS der Hybridversion bereits auf dem Papier stärker. Im 0-auf-100-Sprint knöpft er dem Hybriden 2,2 Sekunden ab, und auch die Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h ist um 20 km/h höher. Im Fahrbetrieb fühlt sich das alles wie erwartet als gelungene Einheit an. Als Plus ist die neue 6-Stufen-Automatik zu werten, die im 200t über alle Zweifel erhaben ist. So stürmt der Turbo-NX dank ausgeklügelter Twin-Scroll-Technik ohne Turboloch voran. Im Eco-Fahrmodus wird die Motorkennlinie verbrauchsgünstig gesteuert, entsprechend zurückhaltend reagiert die Antriebseinheit auf das Gaspedal.

Im Sport-Modus dagegen verkürzen sich die Schaltzeiten, und der NX reagiert auf Gasbefehle viel direkter. Dass dabei der berechnete Normverbrauch von 7,7 (AWD) weit übertroffen wird, versteht sich von selbst. Auch den 200t bietet Lexus als reinen Fronttriebler oder als Allradler in vier Ausstattungslinien an. Die beiden Topversionen F Sport und Luxury Line verfügen über ein adaptives Fahrwerk, das die Dämpfungscharakteristik der Radaufhängung auf Knopfdruck verändert. So ist man bei geringem Tempo komfortabel und bei höheren Geschwindigkeiten sportlicher unterwegs.

Sportlich, aber kein Sportler

Dass die elektronisch unterstützte Lenkung ebenfalls ihren Charakter verändert, aber trotzdem wenig Gefühl zur Strasse vermittelt, sieht man dem 200t nach. Denn im Grundsatz ist der NX auch mit dem neuen Turbomotor und 238 PS kein sportlicher Wagen, selbst wenn einen die Markenverantwortlichen das gerne glauben machen wollen. Zu Preisen ab 59 700 Franken und einer bis Ende April gewährten Europrämie von 7500 Franken ist der NX 200t in der Schweiz aber eine durchaus respektable Alternative zu den bisherigen Marktgrössen im Segment der Premium-SUV. Thomas Borowski fuhr den neuen Lexus NX 200t am 13. März auf Einladung von Lexus Schweiz in Frankreich.

Thomas Borowski fuhr den neuen Lexus NX 200t am 13. März auf Einladung von Lexus Schweiz in Frankreich.

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