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Zwei Zylinder für ein leises Hallelujah

Im September rollt der Fiat 500 mit einem Zweizylinder-Turbobenziner an den Start. Der leistet 85 PS und verbraucht nur 4 Liter.

Eine kompakte Sache: Der 3,55 Meter kurze Fiat Cinquecento bekommt ab September einen neuen, 85 PS starken 0,9-Liter-Zweizylindermotor (rechts) spendiert.
Eine kompakte Sache: Der 3,55 Meter kurze Fiat Cinquecento bekommt ab September einen neuen, 85 PS starken 0,9-Liter-Zweizylindermotor (rechts) spendiert.
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Preise sind zwar noch keine bekannt, sie dürften sich jedoch zwischen dem bekannten 1,2-Liter mit 69 PS und dem günstigsten 1,4-Liter-Modell einpendeln, also knapp unter der 20 000-Franken-Marke.
Preise sind zwar noch keine bekannt, sie dürften sich jedoch zwischen dem bekannten 1,2-Liter mit 69 PS und dem günstigsten 1,4-Liter-Modell einpendeln, also knapp unter der 20 000-Franken-Marke.
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Buon Compleanno! Zum 3.?Geburtstag des neuen Cinquecento hat Fiat erneut eine Überraschung aus dem Hut gezaubert. Nach der sportlichen Abarth-Version von 2008 und dem luftigen Cabrio im vergangenen Jahr zeigten die Italiener vergangene Woche in Turin eine weitere Neuheit — den Fiat 500 Twin Air. Als Urtyp einer neuen Zweizylinder-Triebwerksfamilie ist der 0,9-Liter-Motor mit dem von Alfa Romeo bekannten Multi-Air-System ausgestattet, das eine optimale Verbrennung garantiert. In Zahlen: Das Mini-Triebwerk leistet im Fiat Cinquecento 85 PS und begnügt sich — im besten Fall, also mit Dua-logic-Automatik und Start-Stopp-System — mit einem Verbrauch von nur 4 Litern auf 100 Kilometer.

«Ungeahnte Möglichkeiten»

«Dieses extreme Downsizing auf nur 900 Kubikzentimeter Hubraum, die Reduzierung auf zwei Zylinder und die Kombination mit der Twin-Air-Technologie waren unglaublich spannend», schwärmt Alfredo Altavilla, CEO von Fiat Powertrain, der Motorenabteilung des Turiner Weltkonzerns. «Wir starteten mit vielen Ideen und einem leeren Blatt Papier.» Für Altavilla ist das Resultat, der kleine Zweizylinder, nicht einfach ein Motor, sondern «ein Meilenstein in der Motorenentwicklung, der uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnet».

So ist die neue Motorenfamilie für eine Leistungsspanne von mindestens 48 bis maximal 77 kW (65 und 105 PS) konzipiert. Besonders wichtig: Im Vergleich zu gleich starken konventionellen Motoren stossen die neuen Aggregate bis zu 30 Prozent weniger CO2 aus. Beim Fiat 500 Twin Air bedeutet das im besten Fall 92 Gramm.

Spass mit hohen Drehzahlen

2 Zylinder, 0,9 Liter Hubraum, 4 Liter Verbrauch und 85 PS? Bleibt da der Spass mit der italienischen Knutschkugel im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke? Ist der Schritt der Italiener zur «neuen Zweizylinder-Technologie» zu mutig? Schliesslich erinnern wir uns nur ungern an unsere Jugend und die Probleme der Zweizylindermotoren mit Unwucht, fehlender Laufruhe oder an die eher mickrige Soundkulisse.

Doch die Sorgen sind vergebens, wie die ersten Probefahrten im 500 beweisen: Zwar wird der Twin Air bestimmt nie als «Italian Stallion» in die Geschichte eingehen, aber er verrichtet seine Arbeit mit Bravour. Nur die Vibrationen im Standgas und das etwas ruppige Verhalten in den unteren Drehzahlen sind gewöhnungsbedürftig. Aber dort unten im Drehzahlkeller bewegt man sich sowieso nur beim Gleiten über die Autobahn.

Denn obwohl der Zweizylinder das maximale Drehmoment zumindest auf dem Papier bereits bei 1900 Touren erreicht, pendelt der Drehzahlmesser in der Praxis immer zwischen 4000 und 6000 Touren. Nur so bleibt der Fahrspass des Cinquecento bestehen. Dieser Umstand ist aber weder besorgniserregend noch unangenehm, sondern Kalkül. «Das kleine Aggregat ist auf hohe Drehzahlen ausgelegt», heisst es bei Fiat.

Das spürt man. Denn wer das leichtgängige 5-Gang-Schaltgetriebe schnell bedient oder auf die überraschend neutrale Dualogic-Automatik vertraut, der staunt, wie der Winzling auch im mittleren Drehzahlbereich beschleunigt. Selbst im fünften Gang liegt so eine moderate Beschleunigung drin, herunterschalten muss man mit dem besonders sparsamen Cinquecento nur, wenn es bergauf geht oder man zum Überholen ansetzen will.

Fiat rechnet mit 20%-Anteil

Dass die italienischen Ingenieure mit dem in Polen gebauten Twin-Air-Motor noch einiges vorhaben, beweist nicht nur das finanzielle Engagement von 350 Millionen Euro, sondern auch die Absicht, den Doppelkopf in naher Zukunft auch in anderen Modellen und Marken (Alfa Romeo und Lancia) des Konzerns, einzusetzen. Dann allerdings mit Leistungsstufen zwischen 65 und 105 PS. Die Jahresproduktion des in Bielsko-Biala gebauten neuen Motors beträgt 450?000 Einheiten. Ebenso sind laut Fiat Hybrid- und Erdgasvarianten in Planung oder bereits in der Testphase. In der Schweiz wird der Neuling wie in allen anderen europäischen Ländern Anfang September erhältlich sein. Preise sind zwar noch keine bekannt, sie dürften sich jedoch zwischen dem bekannten 1,2-Liter mit 69 PS und dem günstigsten 1,4-Liter-Modell einpendeln, also knapp unter der 20?000-Franken-Marke. Laut den Prognosen der Fiat-Strategen werden sich rund 20% der künftigen Käufer für den neuen Motor entscheiden.

*??Markus Cavelti fuhr den Fiat 500 mit dem neuen Zweizylindermotor am 8./9. Juli auf Einladung von Fiat Schweiz in Italien.

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