Zum Hauptinhalt springen

Weniger fürs Herz als für die Vernunft

Alfa Romeo lässt mit dem Giulietta im Sommer einen grossen Namen wieder aufleben. Doch garantiert das auch den erhofften Erfolg?

Mit dem neuen Giulietta will Alfa Romeo in der Kompaktklasse gegen den VW Golf und Co. punkten.
Mit dem neuen Giulietta will Alfa Romeo in der Kompaktklasse gegen den VW Golf und Co. punkten.
Alfa Romeo

Schöne Autos hat man bei Alfa Romeo immer schon gebaut. Und in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren haben klingende Namen den Glanz der Marke zusätzlich veredelt: Giulia und Giulia Bertone, Giulietta Sprint und Giulietta Spider, später Alfetta. Dann, zwischen 1985 und 2005, wurden aus Namen nüchterne Zahlen: Alfa 90, Alfa 75, Alfa 164, Alfa 159 und Alfa 147. Und mit dieser sachlichen Nüchternheit gingen auch die grossen Emotionen mehr und mehr verloren. Das viel zitierte «cuore sportivo» schlug mit jedem neuen Modell etwas weniger schnell.

Tempi passati? Hoffentlich, für Alfa Romeo. Endlich scheint man im Fiat-Konzern für seine Tochter wieder etwas mehr übrig zu haben. Mit dem exklusiven 8C Competizione jedenfalls, dessen Namensgeber einst 5-mal die Mille Miglia gewann, setzte man in Turin 2007 ein erstes Zeichen für den angepeilten Weg zurück zu neuem Spirit und alter Sportlichkeit. Praktisch vollzogen hat man diesen Schritt dann allerdings erst ein Jahr später mit dem MiTo, dem sportlichen, kompakten Flitzer zu einem ebenso kompakten Preis: Bereits ab 19'900 Franken war (und ist er) zu haben. Für das 450 PS starke Achtzylinder-Coupé hingegen, mehr Kultobjekt denn reales Strassenfahrzeug, hätte man das Zehnfache zahlen müssen. 2000 wären dazu bereit gewesen, doch nur 500 haben einen «Competizione» aus der limitieren Serie auch tatsächlich bekommen.

Comeback des «Scudetto»

Seine progressive Form aber lebt weiter. Und sie soll, das ist das erklärte Ziel von Alfa Romeo, dafür sorgen, dass nach dem gelungenen Start mit dem MiTo jetzt auch das C-Segment – die Golf-Klasse – neu aufgemischt wird. Dazu schicken die Italiener den 147er-Nachfolger als Giulietta, den Dritten, ins Rennen. Die Front prägt dabei wie einst das klassische «Scudetto», der hohe, schmale Kühlergrill. Aber auch die coupéhafte Silhouette, geschickt betont durch die «versteckten» Griffe der hinteren Türen, gefällt. Und das kurze, bullige Heck ist optisch sogar ein Genuss. Starke Akzente setzen zudem erstmals bei Alfa LED-Lichter. Und zwar vorn wie hinten. Doch damit ist es mit Extravaganzen rasch einmal vorbei. Denn im umstrittenen C-Segment hat man neben dem sportlichen Outfit auch ganz anderen Ansprüchen zu genügen. Harald J. Wester, Entwicklungschef bei Fiat und CEO von Alfa Romeo, konnte es bei der Präsentation der neuen Giulietta-Generation nicht genug betonen: Ein Alfa Romeo muss heute auch komfortabel sein. Praktisch. Sicher. Und sparsam. Vernünftig eben.

Kein Problem. Fiat verfügt da über viel Erfahrung. Und die Motivation, für den neuen Giulietta eine ebenso neue Plattform zu entwickeln, die sich durch den Einsatz von viel Alu und hochfester Stähle als steifer und dennoch leichter erweist, war ebenfalls gegeben: Die von Wester «Compact» genannte C-Segment-Architektur dürfte schon bald auch beim Nachfolger des Fiat Bravo und beim Lancia Delta (möglicherweise als Kompakt-Van mit 7 Sitzen) zum Einsatz kommen.

3 Fahrmodi auf Knopfdruck

Vorerst hat sie sich allerdings beim Volumenmodell Alfa (Verkaufsziel im ersten Jahr 100?000 Stück) zu bewähren. Und erfüllt die bezüglich Fahrdynamik nicht mehr ganz so grossen Ansprüche durchaus zufriedenstellend. Zumal sich mit der bereits im MiTo erprobten DNA-Technologie das Ansprechverhalten von Lenkung und Motor per Schalter auf der Mittelkonsole variieren lässt. Zur Wahl stehen die Modi Dynamic, Normal und All Weather. Das garantiert dem Fronttriebler selbst in der Topversion, dem 235 PS starken Quadrifoglio Verde, gute Traktion und auch bei höheren Geschwindigkeiten ein sicheres Handling. Das ist gut zu wissen für alle, die sich (noch) nicht Alflisti nennen können. Aber es bald tun wollen. Und sich deshalb kaum mit einer der beiden kleinen Benzin- Varianten, dem 1,4-Liter-Turbo mit 120 PS und dem 1,4-Liter-Multiair mit 170 PS begnügen werden. Und wohl auch nicht mit dem 2-Liter-Diesel, obwohl der JTDM ebenfalls 170 PS leistet und mit seinem Durchzugsvermögen überzeugt.

Guter Komfort, gute Preise

Ansonsten gibts von dem Neuling wenig Aufregendes zu berichten. Der Komfort ist im Vergleich mit den Hauptkonkurrenten – VW Golf, Opel Astra und Ford Focus – auf vergleichbar gutem Niveau, das Platzangebot ist ausreichend, für die Fondpassagiere allerdings zu knapp. Was, natürlich, auch eine Konzession ans sehr sportliche Design ist. Das Kofferraumvolumen entspricht mit 350 Litern dem Klassen-Durchschnitt. Bei umgeklappter Rückbank lässt es sich auf 750 Liter erweitern.

Gute bis sehr gute Noten verdient sich der neue Alfa auch beim Verbrauch: Mit Ausnahme des Quadrifolgio Verde werden alle Giulietta mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. So pendelt sich der Durchschnittsverbrauch zwischen 4,7 und 7,6 Litern ein. Und die Preise? Die Basisversion 1.4 Turbo kostet 28'900 Franken, das Topmodell, der 1750 TBi Quadrifoglio Verde, kostet 39'900 Franken. Ausgeliefert wird der neue Giulietta ab Juni.

*??Peter Hegetschweiler fuhr den Giulietta am 16. April auf Einladung von Alfa Romeo Schweiz in Norditalien.

Alfa Romeo Giulietta

Masse: Kompakt-Limousine mit 5 Türen und 5 Plätzen. Länge 4,35 Meter. Breite 1,78 Meter. Höhe 1,46 Meter. Kofferraum 350 Liter. Motor: Benziner: 1.4 Turbo mit 120 PS, 1.4 Multiair mit 170 PS und 1750 TBi (Quadrifoglio Verde) mit 235 PS. Diesel: 2.0 JTDM mit 170 PS. Getriebe: 6-Gang manuell. Fahrleistungen: Spurt 0 auf 100 in 6,8 bis 9,4 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 195 bis 242 km/h. Verbrauch: 4,7 bis 7,6 Liter (Werksangabe). CO2: 124 bis 177 g/km. Preis: 28?900 bis 39?900 Franken. Positiv: Design, Fahrwerk, Verbrauch, Preis. Negativ: Platzangebot im Fond. Infos: www.alfaromeo.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch