Mini jagt dem Trend hinterher

Die britische Kultmarke wird elektrisch. Doch die Rolle des hippen Vorreiters musste Mini anderen überlass

Im urbanen Umfeld fühlt er sich wohl: Der Cooper SE auf ökologisch fragwürdiger Probefahrt vor der Skyline von Miami. Foto: PD

Im urbanen Umfeld fühlt er sich wohl: Der Cooper SE auf ökologisch fragwürdiger Probefahrt vor der Skyline von Miami. Foto: PD

Mini ist prädestiniert für die Elektromobilität. Die Marke ist jung, hip und urban, ihre kleinen Flitzer sind ideal für kürzere Strecken. Mini hätte ein Trendsetter sein können, ein Wegbereiter. Doch diese Chance hat Mini verpasst. Zwar rollten zu Versuchszwecken bereits 2008 rein elektrisch angetriebene Minis über die Strassen. Und natürlich gibt es seit zwei Jahren auch ein Serienmodell zum Einstecken, eine Plug-in-Hybrid-Version des grössten Modells Countryman. Doch wenn Mini ab Anfang März den vollelektrischen Dreitürer namens Cooper SE lanciert, hinken die Briten bereits hinterher. Die Rolle des hippen Vorreiters mussten sie anderen überlassen.

Erfreulich kurze Ladezeiten

«Urbane Mobilität mit rein elektrischem Antrieb ist jetzt auch im typischen Stil von Mini erlebbar», frohlockt Pressesprecher Andreas Lampka an der Fahrvorstellung in Miami. Er verliert kein Wort darüber, wieso das so lange gedauert hat – schliesslich gibt es den BMW i3, von dem der E-Mini die Antriebstechnik übernimmt, bereits seit drei Jahren. Sogar seit sechs, wenn man die erste Generation mit schwächerem Akku dazuzählt. Dafür geht Mini bezüglich des Veranstaltungsorts in die Offensive: Die «konsequent ressourcenschonende Event-Gestaltung» ermögliche es dank Kompensationsleistungen zugunsten von Klimaschutzprojekten, den ökologischen Fussabdruck auf null zu reduzieren. Wieso man dafür die Journalisten und die Fahrzeuge über den grossen Teich nach Miami verfrachten musste, wird nicht schlüssig beantwortet. «Dort besteht die Möglichkeit, die Testwagenflotte ausschliesslich mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen.» Als wäre das in München nicht möglich gewesen. Und die Frage, weshalb den Journalisten in den USA Fleisch aus Uruguay und Mineralwasser aus Grossbritannien vorgesetzt wurde, beantwortete ein Markenvertreter lediglich mit einem Schulterzucken.

Seis drum. Mini ist nun also auch elektrisch. Und das Produkt dazu gefällt, auch wenn die tech-nischen Daten Menschen mit Benzin im Blut nicht gerade vom Hocker reissen. Der Cooper SE fährt mit einer Akkuladung maximal 270 Kilometer weit, ermittelt nach dem neuen WLTP-Prüfverfahren, allerdings auf den alten Fahrzyklus NEFZ zurückgerechnet. In der Realität werden es deutlich weniger sein – nach der ersten Probefahrt in Miami erscheinen rund 200 Kilometer realistisch. Für die meisten Fahrten wird das ausreichen, vor allem weil das Laden so fix vonstattengeht: An der Schnellladesäule mit 50?kW Gleichstrom werden 80 Prozent der Reichweite in 35 Minuten nachgeladen, an der heimischen Wallbox mit 7,4 kW Wechselstrom dauert eine volle Ladung etwas mehr als 4 Stunden. Für den urbanen Einsatz ist der Mini Cooper SE also gut gerüstet – ein Langstrecken-Champion ist er sicher nicht.

Leicht futuristischer Touch

Dafür hat der Brite andere Qualitäten: Sein viel gelobtes sportliches Fahrverhalten kommt in der Stromvariante so richtig zur Geltung. Der E-Mini wuselt flink und flüsterleise durch die Innenstadt, beschleunigt dank des aus dem Stand verfügbaren Drehmoments von 270 Nm druckvoll und liegt wegen der mittig im Fahrzeugboden untergebrachten Batterien sehr gut ausbalanciert auf der Strasse. Das Ladevolumen von 211 bis maximal 731 Liter bleibt identisch im Vergleich zur Version mit Verbrennungsmotor. Die Energierückgewinnung beim Rollen kann in zwei Stufen eingestellt werden, wobei die stärkere Stufe nicht gar so stark verzögert, wie man es von anderen E-Autos kennt. Das digitale Instrumentenkombi in Form eines freistehenden Farbbildschirms hinter dem Lenkrad sowie gelbe Farbakzente aussen verleihen dem Cooper SE einen leicht futuristischen Touch, ohne dabei zu übertreiben – das steht dem kleinen Flitzer gut.

Es hat zwar erstaunlich lange gedauert, bis Mini den Schritt in die Elektromobilität gewagt hat, doch die BMW-Tochter tut das nun mit dem passenden Produkt. Schliesslich kauft man sich einen Mini ja nicht als Langstreckenauto, und wem die Performance nicht genügt, der hat bei der Marke jede Menge Möglichkeiten, ein sportlicheres Fahrzeug zu wählen. Aber nicht elektrisch.

Doch Mini steht für Fahrspass, Lebenslust und urbanen Lifestyle – das verkörpert der neue Cooper SE wie kein anderes Modell. Und das hat, wie immer bei Mini, seinen Preis: mindestens 39'900 Franken werden fällig.

Dave Schneider fuhr den neuen Cooper SE auf Einladung von Mini Schweiz in Miami.

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