Kölns kleiner König

Der Fiesta ist das einzige Modell, das Ford noch immer in Deutschland produziert. Die neue Generation des erfolgreichsten Kleinwagens in Europa wird ein wenig höher positioniert.

Der Ford Fiesta streckt sich erstmals über 4 Meter Länge, augenfälligere Veränderungen findet man im Innern. Fotos: Ford

Der Ford Fiesta streckt sich erstmals über 4 Meter Länge, augenfälligere Veränderungen findet man im Innern. Fotos: Ford

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Nein, gekrönt wurde im Kölner Dom in fast 800 Jahren nie ein König. Und dennoch hat die Domstadt am Rhein so etwas wie einen König, einen heimlichen zumindest: den Ford Fiesta. Er ist nicht nur Europas erfolgreichster Klein­wagen, gegen den selbst der VW Polo nicht ankommt, er ist auch ein Kölner durch und durch. Hier entwickelt, hier gebaut und von hier aus in über 60 Länder exportiert, gilt der Fiesta nicht nur als feste Grösse von Ford weltweit, er ist für seine «Heimatstadt» auch zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden.

Denn während VW den Polo in Pamplona, Audi den A1 in Brüssel und Opel den Corsa in Saragossa baut und der von BMW annektierte Mini weiterhin in Oxford produziert wird, ist der ­Fiesta in dieser Klasse das einzige Volumenmodell, das noch immer in seinem Stammwerk vom Band läuft. In 41 Jahren brachte er es so auf rund 17 Millionen Exemplare.

Tuning auch fürs Werk

Dass es auch in Zukunft so bleibt, und zwar in Köln, dafür hat Ford viel getan. So wurden allein in den letzten fünf Jahren umgerechnet 326 Millionen Franken ins Stammwerk investiert, um künftig neben den boomenden Ein-Liter-Eco-Boost-Motoren, die hier für alle Ford-Modelle bis hinauf zum Mondeo gefertigt werden, den Fiesta in einer Stückzahl von bis zu 400'000 Einheiten jährlich produzieren zu können. Europa-Chef Jim Farley sprach deshalb bei der Weltpremiere der achten Generation, die jetzt auch in die Schweiz kommt, vom «effizientesten Automobilwerk der Welt». Und zerstreute damit die Befürchtungen, die Produktion des Fiesta könnte trotz des Erfolgs in ein Billiglohnland ausgelagert werden. Farley verspricht sich neben der höheren Effizienz zusätzlich durch die Fertigung von Elementen, die bislang von Zuliefer­firmen stammten, markante Einsparungen. Und das bei gleichzeitiger Arbeitsplatzsicherung für die heute 24'000 Beschäftigten in Köln-Niehl. Zumindest bis 2021 soll sie garantiert sein.

Der Bildschirm über der Mittelkonsole reagiert schon auf Winken. Bild: Ford

Dass man in Köln weiss, wie man Kleinwagen baut, das beweist Ford schon seit vier Jahrzehnten. Und so gehen die Deutschen mit der achten Generation des Fiesta denn auch nicht aufregend neue Wege, vom Design her schon gar nicht. Obwohl der Neue um sieben zusätzliche Zentimeter gestreckt wurde und damit erstmals zum 4-Meter-Auto wird, ist er formal konventionell geblieben. Heisst: Der Frontgrill des Vorgängers à la Aston Martin blieb erhalten, und am Heck werden die Leuchten nun quer hochkant wie bisher montiert. So etwas wie ein Hingucker dürfte erst der Fiesta ST werden, der sich mit seinen 200 PS auch unter der Haube betont sportlich gibt. Er kommt allerdings erst im nächsten Jahr auf den Markt; ebenso wie die Rustikalversion Active mit mehr Bodenfreiheit, die optisch Richtung Crossover gebürstet wird.

Augenfällig verändert hat sich der ­Fiesta vor allem im Innern. Das Cockpit wirkt jetzt nicht nur klarer strukturiert, sondern fast schon edel. Zwischen den klassischen Rundinstrumenten ist der Bordcomputer gut positioniert, über der Mittelkonsole schwebt sozusagen ein Bildschirm, der selbst auf Wink mit dem kleinen Finger reagiert. «Upscaling» nennt Ford diesen Fortschritt, der sehr wohl durchdacht ist.

Laut Europa-Chef Farley steigt die Zahl jener Kunden stetig an, die von ihrem bisher grösseren Modell auf ein kompakteres Auto wechseln, dort dennoch nicht auf den gewohnten Komfort verzichten wollen. Diesem Trend trägt Ford auch bei den ­Sicherheitsfeatures Rechnung: Zwei Kameras, drei Radarsysteme und zwölf Ultraschallmodule liefern die Daten für ein Dutzend Assistenzsysteme – vom Querverkehrswarner über den Notbremseassistenten mit Fussgängererkennung bis hin zur Einparkhilfe.

Neue Motoren sorgen für Schub

Ford hat den neuen Fiesta aber nicht nur für den Verkehr auf der Datenautobahn getunt, sondern auch für die Strasse. Dank gewohnt guter Fahrwerksabstimmung und nochmals gesteigertem Federungskomfort ist – und bleibt – der Fiesta ein lebhafter, freudvoll zu fahrender Kleinwagen mit wahlweise drei oder fünf Türen. Massgeblich daran beteiligt sind die neuen nun ebenfalls in Köln ­gefertigten Eco-Boost-Motoren, die bei einem Liter Hubraum und drei Zylindern wahlweise 100, 125 oder 140 PS leisten und dabei ganz anständig für Schub sorgen.

Die Preise beginnen bei 14'500 Franken für den Basisbenziner mit 70 PS und enden bei der erstmals angebotenen Topversion namens Vignale mit einem 125 PS starken 1,5-Liter-Turbo­diesel. Dieser Luxus-Fiesta kommt auf mindestens 23'200 Franken zu stehen.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Fiesta auf Einladung von Ford Schweiz am 18. und 19. Juli in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.07.2017, 17:22 Uhr

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Modell: Kleinwagen mit 5 Plätzen und 3 oder 5 Türen

Masse: Länge 4040 mm, Breite 1735 mm, Höhe 1476 mm, Radstand 2493 mm

Kofferraum: 269 bis 1093 Liter

Motoren: 1,0-Liter-Turbobenziner mit 100, 125 und 140 PS, 1,1-Liter-Benziner mit 70 oder 85 PS, 1,5-Liter-Turbodiesel mit 120 PS

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 9,0 bis 14,9 Sek. Höchstgeschwindigkeit: 160 bis 202 km/h

Verbrauch: 3,2 bis 5,2 Liter auf 100 Kilometer

CO 2 -Ausstoss: 82 bis 118 g/km

Preis: ab 14 500 Franken

Markteinführung: Mitte August

Infos: www.ford.com


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