Der Schönling der Mittelklasse

Peugeot ist mit der Fliessheck-Limousine 508 ein echter Wurf gelungen. Wenn der elegante Franzose einen Nachteil hat, dann ist es seine Länge: Für eine Staatslimousine ist er zu kurz.

Très chic: Der Peugeot 508 überzeugt mit der eleganten Silhouette und dem wohlgeformten Heck. Foto: PD

Très chic: Der Peugeot 508 überzeugt mit der eleganten Silhouette und dem wohlgeformten Heck. Foto: PD

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Jean-Philippe Imparato, Generaldirektor von Peugeot, hatte eine Vision. Sagt er heute. Die Vision von einer grossen, eleganten Limousine, die der Grande Nation Frankreich nun schon seit vielen Jahren fehlt. Wie anders ist es zu erklären, dass Präsident Emmanuel Macron selbst bei Staatsempfängen in einem SUV, dem DS 7 Crossback, vorfahren muss? Wo doch einst Landesvater Charles de Gaulle sogar aus einer göttlichen Limousine heraus seinem Volk zuwinken durfte, aus der legendären «la déesse». Übrigens: Besser als Macron erging es in Sachen Automobil auch seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy nicht – der musste sich während seiner kurzen Amtszeit sogar mit einem Renault Velsatis bescheiden.

Sechs Zentimeter kürzer als die Vorgänger-Version

Jetzt, da Imparatos Vision zumindest teilweise Tatsache wird und Peugeot seine neue (Mittelklasse-)Limousine nach der Weltpremiere in Genf erstmals der Öffentlichkeit auch auf der Strasse präsentiert, wird definitiv klar: Chefdesigner Gilles Vidal ist ein Wurf gelungen – der neue 508 sticht im Strassenbild unter all den vielen Citroëns und Renaults (und ein paar anderen Marken auch) augenfällig heraus. Wo immer er auch steht und begutachtet wird: Die Franzosen finden ihn «très chic».

Und es ist so: Vidal hat die biedere Stufenheck-Version des Vorgängers, dessen Produktion längst ausgelaufen ist, von einem «traditionellen in einen radikalen» Fünfplätzer umfunktioniert, wie er sich ausdrückt. In eine trendige Coupé-Limousine mit schmalem Kühlergrill, eleganter Silhouette, rahmenlosen Fensterscheiben und einem perfekt gestylten Heck – dem zurzeit wohl schönsten der gesamten Mittelklasse. Zudem wirkt der neue 508 nicht nur extrem flach, er ist es mit einer Höhe von nur 1,4 Metern auch. Kurz: Er ist ein Hingucker.

Madame Macron, so ist zu vermuten, würde dieser 508 bestimmt gut gefallen. Gehts um Monsieur le Président, sieht die Sache etwas anders aus: Obwohl Emmanuel Macron mit einem Crossover als Dienstfahrzeug für gehobene Anlässe kaum besonders glücklich sein kann, auch wenn der DS 7 in seiner präsidialen Spezialanfertigung ein offenes Dach hat, dürfte ihm das neue Peugeot-Flaggschiff für grosse Auftritte zu klein sein. Das ist es auch – seine Entwickler haben den 508 im Vergleich zum 4,81 Meter langen Vorgänger sogar um sechs Zentimeter gekürzt. Ihr Auftrag war es ja auch, eine trendige Mittelklasse-Limousine auf die Räder zu stellen und kein staatstragendes Oberklasse-Modell zu kreieren, wie es etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Audi A8, der Langversion des 7er-BMW und der S-Klasse von Mercedes gleich in dreifacher Ausfertigung zur Verfügung steht.

Mit der fliessenden Form eines fünftürigen Coupés und dem schräg abfallenden Heck, hinter dessen elegant aufschwingender Heckklappe sich ein Stauraum von 487 bis 1537 Liter öffnet, zielt Peugeot dennoch auf deutsche Premium-Modelle ab, allerdings eine Klasse tiefer.

Konkurrenz für Audi A5und Mercedes CLS

Und sieht sich mit dem neuen Flaggschiff durchaus als Alternative zu Mercedes CLS und zum Audi A5. Und bei VW nicht etwa zum Passat, sondern zum Arteon. Was sich auch beim Preis manifestiert: In der Basisversion mit dem 180 PS starken Vierzylinder-Benziner ist der 508 bei uns bereits ab 36'900 Franken zu haben, in der GT-Topversion mit 225 PS wird er mindestens 53'300 Franken kosten. Darüber darf man sich in Deutschland gerne mal wundern.

Innen punktet der Franzose mit seinem i-Cockpit, das man so nur bei Peugeot kennt: extrem kleines Lenkrad, oben und unten abgeflacht, das den Blick frei lässt auf die hoch gesetzten Instrumente. Aber nicht nur dank dem sportlichen Lenkrad hat man den 508 gut im Griff. Den Spagat zwischen reisetauglicher und durchaus auch sportlicher Abstimmung haben die Franzosen jedenfalls gut gemeistert, mit maximal 225 PS unter der Haube und bei einer Beschleunigung von 7,3 Sekunden auf 100 km/h liegt einem die Fahrt über die Champs-Elysées ja auch deutlich näher als eine schnelle Runde auf einem Circuit.

Das neue Peugeot-Flaggschiff wird in der Schweiz ab November ausgeliefert. Die für den hiesigen Markt wichtigere Kombiversion, der 508 SW, soll im Frühjahr folgen. Auf Ende 2019 ist zudem eine Plug-in-Version von beiden Varianten angesagt.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen 508 auf Einladung von Peugeot Schweiz am 4. Juli in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.08.2018, 17:51 Uhr

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PeugeotDas neue Flaggschiff

Modell: Mittelklasse-Limousine

Masse: Länge 4750 mm, Breite 1859 mm, Höhe 1403 mm, Radstand 2793 mm

Kofferraum: 487 bis 1537 Liter

Antrieb: Zwei Benziner mit 180 und 225 PS, drei Diesel mit 130, 160 und 180 PS

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,3 bis 10,0 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 210 bis 250 km/h

Verbrauch: 3,7 bis 5,7 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe)

CO2-Ausstoss: 98 bis 131 Gramm pro Kilometer

Markteinführung: November 2018

Preis: ab 36'900 Franken

Infos: www.peugeot.ch

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