Auf Undercovermission mit dem Touareg

Am Freitag stellt VW in Peking als Weltpremiere die dritte Generation seines SUV vor. Er soll den weltgrössten Markt erobern.

Ob Schlaglöcher oder holpriger Untergrund: Der Wankausgleich des Touareg bügelt selbst bei forschem Tempo alles weg. Foto: PD

Ob Schlaglöcher oder holpriger Untergrund: Der Wankausgleich des Touareg bügelt selbst bei forschem Tempo alles weg. Foto: PD

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Willkommen in der globalen (Auto-) Welt: Die neuste Version des nach dem Berbervolk der Touareg benannten SUV von Volkswagen wird morgen in Peking zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Das in der slowakischen Hauptstadt Bratislava in dritter Generation gebaute deutsche Auto – dort werden übrigens auch der Audi Q7 und der Porsche Cayenne produziert – wird nicht zufällig im Reich der Mitte präsentiert. Sondern weil China weltweit der am stärksten wachsende Markt der Sport Utility Vehicles ist und sich zudem als grösster Einzelmarkt des Wolfsburger Konzerns etabliert hat. Prognosen gehen von einem Wachstum von 18 Prozent bis 2023 aus.

Das Umfeld stimmt: 2017 legte der gesamte Autoabsatz im weltgrössten Markt China um 1,5 Prozent auf 24,2 Millionen Autos zu. Für 2018 stellt der chinesische Automobilverband PCA ein Plus von 4 Prozent in Aussicht. Ganz klar: Für die deutschen Hersteller gehört China zu den wichtigsten Märkten. Und laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young verkauften Volkswagen, BWM und Daimler zuletzt etwa jedes dritte Auto in China und gewannen damit Marktanteile hinzu.

Parkieren wird zum Kinderspiel

Der Touareg III wird diese Erfolgsgeschichte zweifellos weiterschreiben. Wer mit dem rund zwei Tonnen schweren Auto auf holprigen, unebenen Strassen unterwegs ist, lernt die vielen Extras schätzen. Zum Beispiel den aktiven Wankausgleich mit elektromechanisch verstellbaren Stabilisatoren an der Vorder- und der Hinterachse, die zudem mitlenkt. Das tönt kompliziert, bedeutet aber nichts anderes, als dass der XL-SUV ohne gross zu wanken auch in forschem Tempo durch kurvenreiche Strassen fährt und jegliche Schlaglöcher wegbügelt.

Dass die Hinterräder bis 37 km/h automatisch im entgegengesetzten Winkel zu den Vorderrädern einschlagen, macht das Parkieren selbst mit einem so grossen, schweren Auto zum Kinderspiel. Kommt hinzu, dass die Hinterräder beim Lenken jenseits von 37 km/h gleich wie die Vorderräder einschlagen. So bewegt sich der vermeintliche Koloss wesentlich agiler, und plötzliche Spurwechsel bringen ihn nicht aus der Ruhe, sprich aus der Spur. Zudem macht der auf 11,19 Meter reduzierte Wendekreis auch das Manövrieren in der Stadt so einfach, dass Schweissausbrüche beim Manövrieren ausbleiben.

Hybrid vorerst nur in China

Angetrieben wird die dritte Generation des Touareg von Dreiliter-V6-Motoren. Ende Juni wird in der Schweiz zuerst der Diesel mit 231 beziehungsweise 286 PS und einem Drehmoment von etwa 600 Nm am Start stehen. Im Herbst folgt dann der Benziner mit 340 PS. Wer Geduld (und viel Geld) hat, kann auf den Vierliter-V8 mit 421 PS warten. Dieser hat sich auch im Audi SQ7 und im Bentley Bentayga bewährt. Vorerst nur auf dem chinesischen Markt bietet VW zudem einen Plug-in-Hybrid an – wahlweise mit 4- oder 6-Zylinder-Benziner und immer mit mindestens 50 Kilometern elektrischer Reichweite. Je nach politischer und wirtschaftlicher Lage wir es ihn ab 2019 wohl auch in Europa geben.

Eine gute Falle macht der Konkurrent von BMW X5, Mercedes GLE und Audi Q7 – und nicht mehr von Ford Edge oder Hyun­dai Santa Fe – auch im Innern: Denn zu dem mittlerweile bekannten, künftig aber noch individueller konfigurierbaren Digitaltacho gibt es nun einen 15 Zoll grossen Touchscreen, der nahtlos an die Armaturen anschliesst und fast die ganze Mittelkonsole einnimmt. Mit Wischbewegungen gehts locker durch das Kachelmenü wie auf einem Smartphone. Und mit einem Klick auf den Homebutton gehts wieder zurück, wenn man sich irgendwo verloren hat.

Analog geblieben sind nur ein paar Drehregler, für häufig verwendete Einstellungen wie Lautstärke und Fahrmodi. Und auch die Menüs auf dem Bildschirm sind nicht festgelegt. «So wie man die Anordnung auf seinem Smartphone individuell gestalten kann, so lässt sich auch der Screen im Touareg nahezu frei belegen», sagt Produktmanager Philipp Jung. Weil das Auge auch mitfährt, gibts die Ambientebeleuchtung in 30 Farben. Und wer es wünscht, kann sich die wichtigsten Infos praktisch auf die Windschutzscheibe projizieren lassen. Wie gemacht ist das Fahrzeug übrigens für Pferdeliebhaber: Der Lastesel zieht problemlos Anhänger mit bis zu 3,5 Tonnen.

Für Volkswagen geht es beim Touareg III nicht einfach nur um ein aufgemöbeltes Modell, sondern um das neue Flaggschiff der Marke, nach dem Aus des Vorzeigeprojektes Phaeton e. Kein einfacher Anspruch: VW will in Sachen Komfort und Leistung der teureren Konkurrenz aus dem eigenen Land Paroli bieten, aber preislich eben ein Volkswagen bleiben. Der Einstiegspreis in der Schweiz wird bei ungefähr 70'000 Franken liegen. Ob das für einen VW zu viel ist, werden die Konsumenten entscheiden.

Der Autor fuhr den VW Touareg auf Einladung von VW-Importeur Amag in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2018, 20:18 Uhr

SUV-Offensive in den USA

VW investiert 340 Millionen Dollar

Nach der erfolgreichen Markteinführung des SUV Atlas auf dem US-Markt wird Volkswagen sein Modellprogramm um einen weiteren SUV erweitern. Dieser basiert auf dem Atlas, hat fünf Sitzplätze und zeichnet sich durch eine coupéartige Dachlinie aus. Einen Ausblick auf das neue Modell liefert eine seriennahe Studie, die nächste Woche auf der New York International Auto Show präsentiert wird. Wie der siebensitzige Atlas wird auch die neue Version im Werk Chattanooga in Tennessee gefertigt. Volkswagen wird rund 340 Millionen Dollar in die Markteinführung des Fahrzeugs investieren, zusätzlich zu den bereits getätigten Investitionen in Höhe von rund 900 Millionen US-Dollar für die Erweiterung des Werks im Zuge der Atlas-Produktion. (Red)

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