Ein frecher Bruder für den Polo

Volkswagen rundet seine 2015 gestartete SUV-Offensive mit dem T-Cross nach unten ab.

Während der Polo optisch ein Blutdrucksenker ist, soll der T-Cross in seiner Buntheit zum Pulsbeschleuniger für ein progressives Publikum werden. Foto: PD

Während der Polo optisch ein Blutdrucksenker ist, soll der T-Cross in seiner Buntheit zum Pulsbeschleuniger für ein progressives Publikum werden. Foto: PD

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Es hat zwar ein bisschen gedauert, doch jetzt hat auch VW eine Antwort auf den Boom der kleinen Geländewagen gefunden und bringt im Frühjahr gegen Renault Captur und Co. den neuen T-Cross in Stellung. Als Polo für die Pampa soll er seinen Beitrag dazu leisten, dass der Anteil der SUV im VW-Absatz bald bei 50 Prozent liegt – und damit natürlich auch der Umsatz steigt.

Im Ringen gegen den Rückstand setzt VW vor allem auf innere Werte: Zur ohnehin schon erhöhten Sitzposition gibt es deshalb auch eine gehörige Portion Variabilität – so lässt sich der Beifahrersitz serienmässig flach legen und die Rückbank zumindest gegen Aufpreis um 14 Zentimeter verschieben. So können bei nur gerade 4,11 Metern Länge und 2,56 Metern Radstand wahlweise auch zwei Erwachsene zumindest mal kurz im Fond mitfahren, oder der T-Cross wird mit mindestens 385 bis 1281 Litern Ladevolumen zu einer modischen Weiterentwicklung des Polo Variant. Selbst dem zwölf Zentimeter längeren, aber sehr viel sportlicher geschnittenen T-Roc steht er in kaum etwas nach.

Für VW ungewöhnlich bunt

Überraschender als der Sinn fürs Alltägliche ist allerdings das Modebewusstsein, das VW hier an den Tag legt. Denn während der Polo so aufregend wie ein Blutdrucksenker ist, will der T-Cross zum Pulsbeschleuniger werden und treibt es deshalb für VW ungewöhnlich bunt: Farbige Felgen, zwölf Lacktöne im Fächer, Kontrastlackierungen und auffällige Klebetattoos sollen den Nachzügler zum Blickfang machen, sagt Designchef Klaus Bischoff, der auch bei der Form etwas frecher war als beim Polo.

Der T-Cross ist deshalb nicht nur fünf Zentimeter länger und deutlich bulliger gezeichnet als sein braver Bruder, er hat auch einen stolzen Grill, der mit den Scheinwerfern verschmilzt, und auffällige Rückleuchten, die mit einem roten Reflektorband verbunden sind. Und auch innen geht es mit der Farbenfreude weiter: Deshalb gibt es bunte Konsolen rund um das auf Wunsch digitale Cockpit mit dem grossen Touchscreen daneben, überraschend «freche» Sitzbezüge und bunte Nähte.

Plattform verhindert Allrad

So erfrischend farbig und alltagstauglich der kleine Geländegänger ist, so wenig Überraschungen erlebt man allerdings beim Fahren – wie auch, wenn sich gegenüber dem Polo ausser dem Schwerpunkt, dem Gewicht und mit der Federung im Grunde nichts geändert hat. Denn Achsen, Lenkung und Antriebe sind identisch, und so fühlt sich derT-Cross bei der ersten Ausfahrt mit den ziemlich finalen Prototypen auch an: gutmütig, erwachsen und ein kleines bisschen langweilig.

Zumindest mit den vier Turbomotoren: drei Benzinern und einem Diesel. Die beiden 1,0-TSI-Dreizylinder-Benziner mit Otto-Partikelfilter leisten 95 PS oder 115 PS. Top-Modell ist der 1,5-TSI-Vierzylinder mit 150 PS. Komplettiert wird das Angebot durch einen 1,6-TDI-Vierzylinder mit 95 PS. «Alle Motoren erfüllen die neueste Abgasnorm Euro 6d-Temp», hebt VW hervor.

Das Abenteuer für SUV dieser Sorte spielt sich die meiste Zeit in der Stadt ab.

Dazu gibt es später je nach Kundenwunsch und CO2-Vorgaben womöglich noch eine Erdgasvariante und mit etwas Glück vielleicht auch einen GTI. Doch eine Option werden die Wolfsburger auch für alles Geld der Welt (und zum Ärger der Schweizer Kunden) nicht anbieten – den Allradanrieb. Denn als erster SUV von VW muss der T-Cross mit Frontantrieb auskommen. «Allradantrieb ist auf der A0-Plattform nicht vorgesehen und wäre im gegebenen Preisrahmen nicht darstellbar gewesen», sagt Baugruppenleiter Andreas Krüger und hält das nicht für einen Nachteil. Denn erstens fehlt der Allradantrieb auch bei den meisten Konkurrenten wie dem so erfolgreichen Renault Captur, dem Peugeot 2008 oder dem spanischen Cousin Seat Arona. Und zweitens spielt sich das Abenteuer für SUV dieser Sorte ohnehin die meiste Zeit in der Stadt ab, wo die Strassen alle asphaltiert und im Winter auch geräumt sind.

Die Preise für die Schweiz stehen zwar noch nicht fest, aber in Deutschland stellt VW bei gleicher Basismotorisierung gegenüber einem normalen Polo einen Aufpreis von 700 Euro in Rechnung. In Anbetracht der gesteigerten Attraktivität ein vertretbarer Aufschlag.

Natürlich wissen auch die Manager in Wolfsburg, dass sie mal wieder spät kommen. Aber dafür kommen sie mit geballter Ladung. Und es spricht vieles dafür, dass sich genau wie bei Tiguan, Touran und all den anderen Spätstartern von VW eine goldene Regel bestätigt: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 29.10.2018, 17:53 Uhr

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