Der Grossvater aller SUV

Jeep war und bleibt ein Trendsetter: als militärisches Original, als weltweit erste Geländelimousine und als elegant gestylter Offroader – so wie der neue Cherokee.

Kantig war gestern: Vor allem die Cherokee-Front wurde derart überarbeitet, dass sie deutlich moderner und eleganter wirkt als zuvor. Foto: PD

Kantig war gestern: Vor allem die Cherokee-Front wurde derart überarbeitet, dass sie deutlich moderner und eleganter wirkt als zuvor. Foto: PD

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Unverwüstlich war er. Und unverwüstlich bleibt er – wenn heute auch in ganz anderem Sinne als damals: der Jeep. Damals, das war 1941, als der Chef-Testfahrer von Willys-Overland mit dem Willys MB bei einer Präsentation die Treppe des Capitols in Washington hochfuhr. Einfach so. Sagt jedenfalls die Legende. Durch seine Einsätze im Zweiten Weltkrieg wurde das Auto dann selbst zur Legende. Und mit ihm der Name Jeep, der zunächst bloss als Übername für den Willys gedacht war, zum weltweiten Begriff.

Cherokee XJ als erster SUV

Dem militärischen Original folgte nach Kriegsende rasch einmal der Willys Station Wagon, der erste Jeep mit festem Aufbau. Mit einer zivilisierten Allradautomatik tasteten sich die Amerikaner dann an jenes Segment heran, das sich später Sports UtilityVehicle nennen sollte. Das war Mitte der 70er-Jahre. Und zehn Jahre später stand definitiv fest: Jeep hat mit dem ersten Cherokee, dem XJ, der 1984 auf den Markt kam, den SUV erfunden.

«Since 1941», dieses für die US-Traditionsmarke so bedeutungsvolle Datum, ist im Cherokee der fünften Generation jetzt sogar verewigt. Nicht irgendwo im Cockpit, sondern als kleiner, feiner Schriftzug zentral auf dem Lenkrad und so stets im Blickfeld von Fahrer oder Fahrerin. Jeep symbolisiert damit das selbstbewusste «Still going strong», dem die Amerikanerim Fiat-Chrysler-Konzern auch im SUV-Zeitalter nachleben. Und es auch in Zukunft so halten wollen.

Zum Beispiel so: Während viele Konkurrenten im nach wie vor boomenden Segment ihre eher bescheidenen Offroad-Qualitäten oft mit rustikal wirkenden Kunststoffelementen zu überspielen versuchen, geht man bei Jeep mit dem Cherokee genau den umgekehrten Weg. Die frisch geliftete fünfte Generation, die im Oktober aufden Markt kommt, erweckt jedenfalls den Eindruck, als wolle man die sprichwörtliche Gelände-Kompetenz der Marke eher kaschieren als zusätzlich betonen.

Hines: «Jeep für alle Lebens- und Strassenlagen»

Jeep-Europachef Jeff Hines preist den Neuen denn auch als den «perfekten SUV für alle und alles» an, meint damit im Feinen wie im Groben und schreckt auch nicht länger davor zurück, von Premium-Anspruch zu sprechen, zumindest was die Mittelklasse betrifft. Tatsächlich wirkt das Auto mit der markant überarbeiteten Front, die zuletzt so sehr polarisierte, deutlich moderner und auch eleganter als zuvor, obwohl den Kühlergrill weiterhin die ewig gleichen sieben Streben zieren. Aber das muss bei einem Jeep wohl einfach so sein. Neu gestylt wurde auch das Heck, in der Silhouette wirkt der Cherokee jetzt wie geschliffen; kantig, das war gestern. Der Italoamerikaner hat aber auch innen an Wertigkeit und Komfort zugelegt. An seinen auf Anhieb so erfolgreichen Konzernbruder Alfa Romeo Stelvio reicht der Cherokee aber nicht ganz heran. Der ist wirklich Premium.

Was überrascht: Jeep bietet den Cherokee vorerst nur mit einer Motorisierung an, einem 2,2-Liter-Multijet-Diesel. Der leistet zwar «nur» 195 PS, harmoniert mit der neuen Neungangautomatik aber gut und treibt den rund zwei Tonnen schweren Mittelklasse-SUV flott voran. Auch das modifizierte Fahrwerk überzeugt; bei einer ersten Probefahrt auf schlecht asphaltierten Strassen bewies es Nehmerqualitäten. Und dort, wo die Verhältnisse selbst auf Sizilien deutlich besser sind, lässt sich mit dem SUV-Jeep locker, wenn auch nicht gerade geräuschlos, reisen. Genau das muss es wohl sein, wenn Europachef Hines vom neuen Cherokee als «Jeep für alle Lebens- und Strassenlagen» spricht. Dass er offroad auch im Luxusgewand kann, steht ohnehin fest.

Für die Schweiz nur als 4×4

Zu Preisen ab 48'900 Franken kommt der Cherokee im Oktober auch in der Schweiz in den Handel, Neungangautomatik und Allrad sind Serie. Die neu eingeführte Version mit Vorderradantrieb wird bei uns laut der Schweizer Markensprecherin Serenella Artioli De Feo gar nicht erst angeboten. Für 2019 ist mit einem 2,0-Liter-Turbo-Benziner, der 270 PS leistet, eine zweite Motorisierung angesagt.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Jeep Cherokee auf Einladung der Fiat-Chrysler-Group Schweiz auf Sizilien. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 24.09.2018, 17:49 Uhr

Jeep Cherokee

Mittelklasse-SUV

Masse: Länge 4623 mm, Breite 1859 mm, Höhe 1709 mm, Radstand 2718 mm

Kofferraum: 570 bis 1555 Liter

Antrieb: 2,2 Liter Diesel mit 195 PS, 9-Gang-Automatik und 4×4

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 8,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 202 km/h

Verbrauch: 6,6 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe)

CO?-Ausstoss: 175 Gramm pro Kilometer

Markteinführung: Oktober 2018

Preis: ab 48'900 Franken

Infos: www.jeep.ch

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