Zum Hauptinhalt springen

Obama erringt einen überwältigenden Wahlsieg

Erstmals hat das amerikanische Volk einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt. Barack Obama besiegt nach einer langen Wahlnacht seinen Konkurrenten John McCain mit deutlichem Vorsprung.

Glückwünsche von der Ehefrau: Michelle Obama freut sich mit Barack über den Wahlsieg.
Glückwünsche von der Ehefrau: Michelle Obama freut sich mit Barack über den Wahlsieg.
Keystone
Wie im Schockzustand: Viele Amerikaner können es kaum fassen, sie erleben US-Geschichte live mit und gehen darob in die Knie.
Wie im Schockzustand: Viele Amerikaner können es kaum fassen, sie erleben US-Geschichte live mit und gehen darob in die Knie.
Keystone
Indonesien: Schulkinder freuen sich über den Sieg Obamas.
Indonesien: Schulkinder freuen sich über den Sieg Obamas.
Keystone
1 / 16

Obama gewann in mindestens 27 US-Staaten und sammelte so 338 Wahlmännerstimmen - für den Sieg war eine Mehrheit von 270 der 538 Stimmen erforderlich. McCain konnte Obama in mindestens 18 Staaten bezwingen, was mit 160 Wahlmännerstimmen aber für den von ihm erhofften Umschwung in letzter Minute nicht ausreichte. Knapper fiel das landesweite Stimmenverhältnis aus - hier erreichte Obama einen Anteil von 51 Prozent, McCain folgte mit 48 Prozent dicht dahinter.

Entscheidungen in den Wackelstaaten

Entscheidend für den Wahlerfolg waren Siege Obamas in Florida, Ohio, Pennsylvania und Virginia. Der Kandidat der Demokraten sicherte sich zunächst die erwarteten Siege im Nordosten, einer traditionell liberalen Region, und im Mittleren Westen der USA.

Der Senator von Illinois gewann in seinem Heimatstaat und war auch im heftig umkämpften Pennsylvania erfolgreich. Dort hatte McCain einen besonders intensiven Wahlkampf geführt, um die erwarteten Verluste in anderen Staaten auszugleichen.

Vereidigung am 20. Januar

Obama siegte auch in Ohio und Iowa, wo vor vier Jahren noch der Republikaner George W. Bush die Wahlmännerstimmen holte. Bislang konnte noch nie ein Republikaner ohne einen Sieg in Ohio die Präsidentschaftswahl gewinnen. Um 5.50 Uhr MEZ wurde auch der Sieg in Florida bekannt.

Obama und der designierte Vizepräsident Joe Biden werden am 20. Januar 2009 in Washington den Amtseid ablegen. Dann endet auch die achtjährige Regierungszeit des Republikaners George W. Bush. Obama wird als 44. Präsident der USA vereidigt.

Grafik: Die Resultate in den Bundesstaaten

You need to upgrade your Flash Player

Obama bittet McCain um Mithilfe

Nach seinem Sieg bat Obama den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten um Mithilfe bei der Führung der USA. Obamas Sprecher Robert Gibbs sagte, McCain habe Obama um 23.00 Uhr (05.00 Uhr MEZ) angerufen und seine Niederlage eingeräumt.

Obama habe McCain gedankt und ihm gesagt, dass er einen harten Wahlkampf geführt habe. Dabei habe sich der republikanische Politiker stets ehrenhaft verhalten. Obama sagte nach Angaben seines Sprechers zu McCain: «Ich brauche ihre Hilfe, Sie sind ein Führer in so vielen wichtigen Fragen.»

Bush wünscht «viel Spass»

Auch Bush gratulierte Obama: «Sie sind im Begriff, eine der grössten Reisen des Lebens anzutreten. Herzlichen Glückwunsch und viel Spass.»

Glückwünsche erreichten Obama auch bereits aus Europa, so vom EU- Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso. Dieser befand, es sei Zeit, dass die USA und Europa wieder näher zusammenrückten.

Mehrheit im Senat errungen

Die Demokratische Partei konnte auch die absolute Mehrheit im Senat erringen. Bei der Wahl von 35 der 100 Sitze in dieser Parlamentskammer eroberten die Demokraten entscheidende Mandate, die bisher von den Republikanern gehalten wurden. Im bisherigen Senat hatten Demokraten und Republikaner jeweils 49 Sitze. Zwei Mandate wurden von parteilosen Politikern gehalten, die bei Abstimmungen meist auf Seiten der Demokraten waren.

Neu gewählt wurden am Dienstag auch alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Bei der Auszählung der Stimmen für diese Parlamentskammer lagen die Demokraten ebenfalls in Führung.

Rekordwahlbeteiligung

Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie diesmal. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung am Dienstag auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 betrug die Beteiligung 60,7 Prozent - das war der höchste Wert seit 1968.

Sechs von zehn Wählern im ganzen Land nannten die Sorge um die Volkswirtschaft als wichtigsten Faktor ihrer Wahlentscheidung, wie eine Wählernachfrage der Nachrichtenagentur AP ergab. Kein anderes Thema, darunter die Energiepolitik, der Irak-Krieg, der Terrorismus und die Gesundheitsversorgung, hatte bei den Wählern einen höheren Anteil als zehn Prozent. Die Wählernachfrage beruht auf einer Stichprobe von nahezu 10'000 Wählern nach ihrer Stimmabgabe. Sie ergab auch, dass fast 60 Prozent der Frauen Obama für den besseren Kandidaten hielten. Auch bei den Erstwählern lag Obama deutlich vorn.

Couchepin: Obama wird Druck in Steuerfragen aufrechterhalten

Der Schweizer Bundespräsident Pascal Couchepin hat die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten als zukunftsgerichteten Entscheid bezeichnet. Die Amerikaner hätten sich für einen schwarzen Präsidenten und einen katholischen Vizepräsidenten entschieden und damit gezeigt, dass Amerika imstande sei, sich neuen Horizonten zu öffnen.

Für den republikanischen Kandidaten John McCain sei das Alter ein Handicap gewesen. Mit 72 Jahren sei es ein wenig heikel, das Amt eines US-Präsidenten auszuüben. In Bezug auf die Rolle der Schweiz in Steuerfragen räumte Couchepin aber auch ein, dass der Druck mit Obama nicht geringer werden dürfte. Auch die USA verteidigten in erster Linie ihre eigenen Interessen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch