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Ein Kriegsheld verlor tapfer seinen letzten Kampf

Mit einer emotionalen Rede hat John McCain den Traum eines Präsidenten verabschiedet. Seine Anhänger in Phoenix waren zutiefst enttäuscht.

Noch eine halbe Stunde vor seiner Abschiedsrede machten Gerüchte die Runde, dass es John McCain vielleicht doch noch schaffen könnte. Auf den Tatbestand hingewiesen, dass Barack Obama mit grosser Wahrscheinlichkeit alle drei Westküstenstaaten gewinnen und damit die Mehrheit spielend schaffen werde, reagierten mehrere Anhänger mit ungläubigem Staunen. «Lassen Sie mich bitte noch ein wenig in meiner Blase leben», sagte eine überzeugte McCain-Wählerin. Phil Gramm, der ehemalige Berater des Kandidaten und der UBS, gab sich siegesgewiss: «McCain hat genug Hunde im Rennen», sagte Gramm auf Anfrage, «er kann das Feld von hinten aufrollen».

Die Stimmung im Arizona Biltmore, einem Luxushotel nördlich von Phoenix, sank aber rasch auf den Nullpunkt, als die grosse Bühne in ein gelb-blauen Lichterkegel getaucht und die Musik aufgedreht wurde. Kurz darauf betraten die Ehepaare McCain und Palin die Bühne, gefolgt von den Kindern und der Mutter von McCain. Der Senator war sichtlich bewegt, als er mehrmals mit lauten Zurufen aufgemuntert wurde, er zeigte sich aber auch leicht irritiert, als die Publikum bei der Erwähnung seiner Widersacher Barack Obama und Joe Biden in heftige Buhrufe ausbrach.

«Wichtiger Schritt vorwärts»

McCain sprach von einen historischem Entscheid des amerikanischen Volkes. Der Sieg Obamas sei ein wichtiger Schritt vorwärts und beende eine lange Geschichte der Rassenvorurteile. Für die Afroamerikaner sei dies eine «wichtige Sache». Das Land sein nun Welten entfernt von den grausamen, bigotten Zeiten, die es früher zerrissen hätten. «Ich hoffe, dass nun alle Amerikaner zusammenstehen und den neuen Präsidenten unterstützen». Zahlreiche Anänger auf dem Rasen vor dem Biltmore-Hotel protestierten; McCain ignorierte ihre «Nein, Nein»-Rufe jedoch. Den emotionalen Höhepunkt aber setzte er, als er erklärte, die Niederlage «ist mein Versagen, nicht eures». Die Menge wollte dies nicht so gesagt haben und munterte ihn mit Jubelrufen wieder auf. Für Sarah Palin sieht er eine interessante Zukunft» als eine neue Stimme in der Partei voraus; er selber wolle es aber ruhiger angehen lassen, sagte der 72-jährige Senator.

McCain zeigte sich in der wohl schmerzlichsten Niederlage als äusserst fairer Verlierer, als Politiker von Charakter und Grösse. Eine Figur, die er nach Ansicht vieler Anhänger im brutalen Wahlkampf viel zu wenig nach aussen kehrte. McCain bewies ein letztes Mal, dass er dann am stärksten ist, wenn er scheinbar am Boden ist.

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