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Kommentar: Ein Sieg für Amerika und die Welt

Bereits mit seiner Wahl hat Barack Obama viel getan, um den ramponierten Ruf der USA aufzupolieren.

Gute für die USA und die Welt: Barack Obama, neuer Präsident der Vereinigten Staaten.
Gute für die USA und die Welt: Barack Obama, neuer Präsident der Vereinigten Staaten.
Keystone

Sollten sich, anders als 2004, die Nachwahlumfragen bewahrheiten, ist Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden - als erster Afroamerikaner und als Vertreter einer neuen Generation. Waren die beiden letzten Amtsinhaber im Weissen Haus George W. Bush und Bill Clinton noch sogenannte Babyboomers, Angehörige der Nachkriegsgeneration, ist der 47-jährige Obama ein Kind der Moderne. Er ist vertraut mit jüngsten Entwicklungen und Trends in verschiedenen Bereichen.

Es ist kein Zufall, dass offenbar so viele junge Wähler für den Senator aus Illinois gestimmt haben. Sie wurden mobilisiert durch Aufrufe im Internet, das Obama im Wahlkampf brillant genutzt hat: Zum einen als Medium, um mit seinen Anhängern in intensivem Kontakt zu bleiben. Zum andern als Instrument, um Geld zu sammeln, unerhörte 600 Millionen Dollar insgesamt. Diese personellen und finanziellen Mittel haben es ihm erlaubt, fast landesweit kompetitiv zu bleiben und am Wahltag Staaten zu gewinnen, die früher als stramm republikanisch gegolten hatten.

Einer der besten Wahlkämpfe

Zwar hatten ihm seine Gegner - erst Hillary Clinton im eigenen Lager und später der Republikaner John McCain - Unerfahrenheit vorgeworfen. Das mag zutreffen, was die Dauer seiner politischen Tätigkeit betrifft. Experten aber sind sich heute weit gehend einig, dass Barack Obama in den USA einen der besten Wahlkämpfe seit langem geführt und dabei kaum grössere Fehler gemacht hat. So unerfahren kann er also nicht sein. Jedenfalls hat er, wie seine aussergewöhnliche Biografie als Sohn eines Kenyaners und einer weissen Amerikanerin zeigt, ein nicht unbeträchtliches Mass an Lebenserfahrung.

Andernfalls ist es Obama zumindest gelungen, sich mit guten Leuten zu umgeben, was für seine künftige Tätigkeit im Weissen Haus zuversichtlich stimmt. Wie das Beispiel von George W. Bush zeigt, der für sein Kabinett altgediente Manager rekrutierte, ist Berufserfahrung nicht mit Kompetenz, politischer Intelligenz oder ethischem Verhalten gleichzusetzen. Die Regierung Bush war zweifellos eine der schwächsten seit langer Zeit. Statt die Anschläge vom 11. September als Gelegenheit für eine Neubesinnung zu sehen, verfiel sie in alte Muster militanter amerikanischer Machtpolitik - mit verhängnisvollen Folgen.

Ein schweres Erbe

Barack Obama tritt nach seiner Vereidigung am 20. Januar 2009 ein schweres Erbe an: eine Wirtschaft in Rezession, Kriege im Irak und in Afghanistan, eine wachsende Staatsschuld, ein marodes Gesundheitssystem. Mehr als 80 Prozent der Amerikaner glauben heute, dass ihre Nation auf dem falschen Wege ist. All seine Wahlversprechen wird er folglich kaum halten können, obwohl gerade unter Afroamerikanern die Erwartungen an den neuen Präsidenten riesig sind.

Mit seiner Wahl aber hat Obama bereits einiges getan, um den ramponierten Ruf Amerikas in der Welt aufzupolieren. Für einmal ist das amerikanische Vermächtnis, wonach alle Menschen gleich geboren werden, nicht Rhetorik geblieben, sondern Wirklichkeit geworden. Der designierte Präsident Obama ist nicht nur Amerikaner. Er ist auch Weltbürger. Möge er das lange bleiben.

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