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Nach dem Wahlspektakel kommt die Leere

Monatelang haben sie mitgefiebert – nun ist die Wahl vorüber: Viele Wahlkampfsüchtige werden nach dem Dauerspektakel in ein Loch fallen. Auch wenn ihr Kandidat gewählt wurde.

Der Jubel ist vorbei: Nun beginnt wieder der Alltag.
Der Jubel ist vorbei: Nun beginnt wieder der Alltag.
Keystone

Anne Summers ist zum Wahl-Junkie geworden. Zuerst beschränkte sich die Kardiologin auf die Spätausgaben von Nachrichtenprogrammen, dann fing sie an, stundenlang im Internet zu surfen. Zu guter Letzt ging sie als Obama-Wahlkampfhelferin von Tür zu Tür und warb für ihren Favoriten. «Das Wort Sucht ist wohl passend», sagt sie im «Wall Street Journal». Doch nun ist die Wahl vorbei, und Anne Summers trägt ein Gefühl der Leere mit sich herum. Damit ist sie nicht allein: Viele US-Bürger werden sich nach dem Wahlkampf verloren fühlen, wie TV-Serien-Freaks nach der letzten Folge ihrer Lieblingsserie – auch wenn ihr Kandidat gewonnen hat.

Der US-Wahlkampf 2008 zog die Menschen wie eine Reality-Show in seinen Bann. Zuerst fesselte der Aufstieg und Fall von Senatorin Hillary Clinton das Publikum. Darauf betrat John McCain das Parket und wählte Sarah Palin, die ein behindertes Kind hat, zu seiner Vize. Auch Joe Biden hat eine Geschichte wie aus einer Serie: Seine Frau und seine Tocher starben bei einem Autounfall, er zog seine Söhne allein gross.

Anonyme Alkoholiker für Polit-Freaks

«Was nun?», fragt sich die 62-jährige Kathy Gilbert, die jeden Tag zweimal mit ihrer Schwester telefonierte, um das Neuste Wahlgeschwätz auszutauschen. Sie wünscht sich, es gäbe so etwas wie die Anonymen Alkoholiker für Polit-Freaks. Die Beraterin Arin N. Reeves hat nun ebenfalls zu viel freie Zeit. Sie investierte jeden Tag Stunden, um sich auf dem Laufenden zu halten. Vor allem die Wahl von Sarah Palin zur Kandidatin für das Vizepräsidentenamt begeisterte sie. «Woche für Woche wurde die Geschichte besser.»

Auch dem PR-Profi Miles McMilin ging es nicht besser. Schon früh morgens informierte er sich am Fernsehen über den Verlauf des Wahlkampfs. Den ganzen Tag über hörte er Radio am Arbeitsplatz, und am Abend sass er wieder vor den Fernseher. «Nun muss ich mich wieder um meine Kinder kümmern», sagt er.

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