Wie die Amerikaner ihre Stimme abgeben

Touchscreens, Lochkarten und die guten alten Wahlzettel: Die USA kennen kein einheitliches System zur Stimmabgabe. Am besten bewährt sich eine Kombination aus alter und neuer Technik.

Knacknuss Wahlautomat: Eine Wählerin bei der elektronischen Stimmabgabe in Toledo, Ohio. (6. November 2012)

Knacknuss Wahlautomat: Eine Wählerin bei der elektronischen Stimmabgabe in Toledo, Ohio. (6. November 2012)

(Bild: Keystone)

Die alten mechanischen Wahlmaschinen, die bis in die 1990er-Jahre in den USA benutzt wurden, sind heute nur noch im Museum zu bestaunen. Ihre eigentlichen Nachfolger sind elektronische Stationen zur Stimmabgabe, auf denen der gewünschte Kandidat per Touchscreen ausgewählt werden kann. Nach dem Beschluss eines entsprechenden Gesetzes 2002 haben die USA vier Milliarden Dollar für die Einführung dieser elektronischen Wahlautomaten ausgegeben.

Wie alle Computersysteme haben sich aber auch diese als fehleranfällig erwiesen – so sind Fälle dokumentiert, bei denen die Touchscreens nicht richtig kalibriert waren, sodass der gewünschte Kandidat nicht oder nur mit Mühe ausgewählt werden kann (siehe Video links).

Überprüfung schwierig

Ein weiteres Problem der Wahlautomaten ist, dass die Stimmabgabe nur schwer überprüft werden kann. Zeichnet der Automat etwas Falsches auf, kann man die elektronischen Aufzeichnungen nicht mit einem Stimmzettel auf Papier vergleichen. Forscher der Universität Michigan haben zudem gezeigt, dass sie auf einer in Maryland verwendeten Variante der Wahlautomaten innert einer Minute einen schädlichen Code installieren und danach alle Stimmabgaben ändern konnten.

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2008 wurden denn auch rund 1800 Fälle von Problemen mit den Wahlautomaten gemeldet, schreibt die Seite Technologyreview.com, was dazu geführt habe, dass viele Staaten nicht auf die Touchscreen-Variante gesetzt hätten oder wieder von ihr abgekommen seien.

Am weitesten verbreitet ist heute nun eine Technik, bei der die Wähler zunächst auf einem Stimmzettel aus Papier ihr Kreuz setzen und den Schein dann einscannen. In über der Hälfte aller Bezirke komme diese Methode zum Einsatz, wie aus einem Bericht des Caltech/MIT Voting Technology Project hervorgeht.

Kreuzchen noch ganz altmodisch auf Papier

Im US-Staat Idaho wird in einigen Gegenden allerdings weiterhin mit Lochkarten gewählt. Und es gibt sogar noch immer einige Bezirke, in denen die Wähler ganz altmodisch ihr Kreuz auf Zetteln machen, die dann von Hand ausgezählt werden. Die zehn registrierten Wähler im Dörfchen Dixville Notch in New Hampshire geben ihre Stimme traditionell am Dienstagmorgen kurz nach Mitternacht auf Papier ab.

In dem bevölkerungsreichsten Bezirk Cuyahoga im umkämpften Staat Ohio vertrauen die Wahlbehörden hingegen auf die Scanner. Nach Zweifeln an der Sicherheit der zuvor benutzten Maschinen mit Touchscreens schwenkte der Bezirk mit rund 930'000 registrierten Wählern 2007 auf die optischen Geräte um.

Die Kombination aus Wahlzetteln und Scannern sei sicher, sagt die Direktorin der Wahlkommission, Jane Platten. «Es ist akkurat und robust», sagt sie. Der grosse Vorteil des Systems sei, dass trotz der elektronischen Erfassung der Daten alle Stimmen auch auf Papier vorlägen. Dadurch werde das Nachzählen erleichtert.

Bessere Gestaltung der Wahlzettel und einfachere Sprache

Im grössten Wahlbezirk der USA rund um Los Angeles wird ein System eingesetzt, das dem Wählen mit Lochkarten ähnelt. Allerdings werden die Stimmzettel mit einem Stift mit Spezialtinte ausgefüllt und dann eingescannt. Eine grosse Umstellung für die Wähler stelle die neue Methode nicht dar, sagt der Registrierungsbeamte Dean Logan. «Die Verbesserungen der letzten zehn bis zwölf Jahre liegen eher in der Gestaltung der Wahlzettel und der Vereinfachung der Sprache.»

Immer mehr Wähler geben ihre Stimme bereits vor dem eigentlichen Wahltag ab – entweder per Briefwahl oder im speziellen Wahllokalen. 2008 wurden im Bezirk Los Angeles rund 900'000 Wahlunterlagen für Briefwähler herausgegeben, in diesem Jahr waren es über 1,5 Millionen, wie Logan sagt.

An einem Wahltag kann so einiges passieren – ein Sturm, eine blockierte Wahlmaschine, ein Computerfehler oder auch ein wütender Wahlhelfer. Gerade bei einem knappen Wahlausgang können kleine Unregelmässigkeiten die Wahlbehörden vor grosse Probleme stellen. Deshalb hofften die Beamten stets auf ein eindeutiges Ergebnis, sagt Kimball Brace von dem Beratungsunternehmen Election Data Services. Bei der Präsidentschaftswahl heute dürfte sich dieser Wunsch aber nicht erfüllen. «Es wird eng», sagt Brace.

mw/dapd

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