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«That one!» – McCain sagte zwei Worte zu viel

Von Fair-Play scheint John McCain nicht viel zu halten. In der gestrigen TV-Runde beging der US-Präsidentschaftskandidat ein grobes Foul.

Forsch: John McCain liess seine Abneigung gegen Barack Obama durchsickern.
Forsch: John McCain liess seine Abneigung gegen Barack Obama durchsickern.
Keystone

Der Ton des zweiten TV-Duells zwischen den Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama war merklich schärfer als bei ihrem ersten Aufeinandertreffen vor der Kamera. Vor allem Senator McCain versuchte, seinen Widersacher anzugreifen. Bei jeder Gelegenheit stellte er Obama als Grünschnabel hin.

Offenbar rechnet sich McCain mit einer aggressiveren Gangart grössere Erfolgschancen aus und hat sich deshalb zur Strategie gemacht, Obama härter anzugehen. Die Abneigung McCains gegenüber seinem Konkurrenten erreichte in der 48. Minute der Debatte ihren Höhepunkt.

«Der da!»

McCain referierte gerade über alternative Energien, als er sich zu einer – für US-Verhältnisse – groben Unhöflichkeit hinreissen liess: «Übrigens, meine Freunde, ich weiss zwar, dass Sie den Kleinstreit hier leid sind, aber es gab da eine Energie-Gesetzesvorlage im Parlament, vollgeladen mit kleinen Leckerchen, mit Milliardensummen für die Ölkonzerne, und gesponsert haben das Bush und Cheney. Und wissen Sie, wer dafür gestimmt hat? Sie werden nicht darauf kommen. Der da!» Mit dem Zeigefinger wies er – fast verächtlich – auf Obama, ohne diesen jedoch anzuschauen.

Nicht ganz fair, nicht ganz fein

Das ist nicht die feine englische Art, wie sie sonst in der US-Politik üblich ist. Schlimmer noch: McCain hat die strengen Höflichkeitsregeln vor einem Millionenpublikum missachtet. Wo sich normalerweise Parlamentarier nicht einmal mit «Kollege» anreden, kommt ein «der da!» einer grossen Respektlosigkeit gleich und ist – wie Beobachter fanden – eine willentliche Beleidigung.

Während der Vorfall Obama nicht aus dem Konzept zu bringen vermochte, schien McCain danach etwas von der Rolle. Auch seinen bisher grössten Trumpf, die Gouverneurin und mögliche Vize-Präsidentin Sarah Palin, erwähnte McCain am ganzen Abend mit keinem Wort. Am Ende des Auftritts weigerte er sich sogar, Obama die Hand zu schütteln. So verhalten sich sonst nur schlechte Verlierer.

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