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Jens Stoltenberg im Hoch

Nach dem Osloer Attentat erleben Norwegen Sozialdemokraten einen enormen Zuspruch in der Bevölkerung. Die Rechtspopulisten hingegen stürzen ab. Breivik macht derweil mit absurden Forderungen auf sich aufmerksam.

Erhält viel Anerkennung: Jens Stoltenberg besucht eine Beerdigung von zwei Opfern des Attentats. (29. Juli 2011)
Erhält viel Anerkennung: Jens Stoltenberg besucht eine Beerdigung von zwei Opfern des Attentats. (29. Juli 2011)
Keystone

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg und seine ins Ziel der Anschläge geratene Arbeiterpartei sind in der vergangenen Woche in der Gunst der Wähler spürbar gestiegen. Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage zufolge stieg der Zuspruch für die Partei um gute elf Prozentpunkte auf 41,7 Prozent.

Der Zuspruch für die rechtspopulistische Fortschrittspartei, der Behring Breivik bis 2006 angehörte, sank der Umfrage des Instituts Synovate zufolge hingegen im Vergleich zu Juni um drei Punkte auf 16,5 Prozent. Auch die oppositionellen Konservativen verloren nach den Attentaten vom 22. Juli mit 77 Todesopfern deutlich an Zustimmung, wie die Umfrage unter 500 Menschen ergab.

Anerkennung für Stoltenberg

Vor allem Stoltenberg erhielt in den vergangenen Tagen Lob und Anerkennung für seinen Umgang mit dem Doppelanschlag in Oslo und auf der Insel Utöya. Auch gut eine Woche danach gab er sich überzeugt, dass Norwegen seine Werte nicht vergessen werde. «Norwegen wird weiterhin als das Land erkennbar bleiben, das es auch vorher war», sagte er der «Bild am Sonntag». «Wir werden nicht aufhören, die Diversität unserer Gesellschaft zu fördern, und wir begrüssen jede öffentliche Debatte, auch wenn sie schwierig werden könnte.»

Zugleich kündigte er Massnahmen zur Verhinderung weiterer Anschläge an. «Wir werden sicherlich aus diesen tragischen Ereignissen Lehren ziehen müssen», sagte er der «BamS», auch wenn es für konkrete Schritte noch zu früh sei. Gewalt dürfe auf keinen Fall gebilligt werden. «Da können und werden wir uns keine Naivität leisten.» In der Kathedrale von Oslo fand am Samstag ein grosses Konzert zu Ehren der Helfer, Rettungskräfte und Polizisten statt, die zu den Anschlagsorten geeilt waren.

Neue Informationen zu Breivik

Die Boulevardzeitung «Verdens Gang» berichtete unter Berufung auf das zweite Verhör Behring Breiviks, dieser habe auch den Königspalast und den Sitz der Regierungspartei angreifen wollen. Für den 22. Juli seien aber allein die beiden ausgeführten Angriffe vorgesehen gewesen. Der 32-Jährige habe Schwierigkeiten gehabt, ausser der in Oslo gezündeten Bombe weitere Sprengsätze zu bauen, hiess es.

Staatsanwalt Paal-Fredrik Hjort Kraby sagte AFP, es sei im Verhör klargeworden, dass der Attentäter «noch andere Ziele hatte». An besagtem Freitag habe er allein gehandelt und daher Probleme mit der Logistik gehabt, weshalb es zeitliche Verzögerungen gegeben habe. Er habe die Anschläge selbst finanziert und lange dafür gespart, zitierte Hjort Kraby den Attentäter. Dem «Sunday Telegraph» zufolge erwarb er über Ebay von Anbietern in Grossbritannien Chemikalien zum Bombenbau und Schutzausrüstung.

Absurde Forderungen

Dem TV-Sender NRK zufolge soll Behring Breivik in seinem Verhör am Freitag zudem den Rücktritt der Regierung und die Abdankung von König Harald V. gefordert haben, bevor er weiter aussagt. Auch wollte er «an die Spitze der Armee» befördert werden. Staatsanwalt Hjort Kraby sagte, über angebliche Komplizen schweige er sich aus. Psychiater sollen bis November ein umfassendes Gutachten über den 32-Jährigen erstellen.

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz fürchtet laut «Spiegel», dass Behring Breivik anderswo zum Vorbild militanter Islamgegner werden könnte. Sorge machte den Behörden demnach vor allem, dass er seine Vorbereitungen akribisch dokumentierte und dann im Internet veröffentlichte.

AFP/jak

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