«Das Entsetzen wird immer grösser»

Wie reagiert Nizza auf das Attentat? Das Gespräch mit der Korrespondentin von DerBund.ch/Newsnet vor Ort.

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Sie sind heute nach dem Attentat nach Nizza geflogen. Waren die Sicherheitsvorkehrungen noch schärfer als vor dem Anschlag?
Die Kontrollen waren viel strenger und dauerten sehr lange. Mein Laptop zum Beispiel wurde manuell abgetastet, und die Hände wurden danach auf Sprengstoffspuren untersucht. Zudem sind sehr viele Soldaten präsent. Im Flugzeug selber hat meine Sitznachbarin plötzlich zu weinen begonnen. Sie stammt aus Nizza und war auf dem Weg zu ihrer Mutter und ihrer Schwester. Die Frau erzählte, dass die ganze Familie sonst immer gemeinsam am 14. Juli das Feuerwerk an der Strandpromenade anschaue. Gestern hätten sich die Erwachsenen aber spontan dagegen entschieden, obwohl die Kinder auf einen Besuch gedrängt hätten.

Und wie reagieren die Leute in Nizza selber?
Die Stimmung ist natürlich sehr gedämpft. Die Stadt ist leerer als sonst. Trotzdem sind im Zentrum viele Touristen unterwegs. Manche legen in der Nähe des Tatorts Blumen nieder. Ich erlebe Szenen wie nach den Anschlägen in Paris. Es sind viele Zeichen der Solidarität zu sehen. Ein Taxifahrer zum Beispiel hat ein Schild am Fenster seines Autos befestigt, auf dem «Je suis Nice» steht. Man merkt aber auch, dass das Entsetzen immer grösser wird. Auch weil inzwischen vielen bewusst geworden ist, wie viele Kinder bei dieser Attacke verletzt oder getötet wurden. Das Feuerwerk am Nationalfeiertag war ein Anlass, wo man gerne mit Kindern hingegangen ist.

Wie gut kann man sich in Nizza bewegen?
Der Tatort, die Promenade des Anglais, ist komplett abgesperrt. Zutritt erhalten nur noch Anwohner. Das fiel mir bereits beim Anflug auf Nizza auf. Diese Strasse, die sonst im Sommer immer überfüllt ist, lag komplett still da. Ansonsten kann man sich frei in der Stadt bewegen.

Nizza ist eine Touristenhochburg. Verlassen die Besucher die Stadt jetzt in Scharen?
Ich habe mich gerade mit einer Familie aus Deutschland mit zwei kleinen Kindern unterhalten. Die machen Ferien in den Bergen und hatten für heute einen Besuch in Nizza geplant. Sie sind trotz des Anschlags gekommen. Aus Trotz, wie sie sagten. Sie wollten zeigen, dass sie sich von den Terroristen nicht einschüchtern lassen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, wieso dieser Anschlag ausgerechnet Nizza getroffen hat?
Ein Anschlag in Nizza, im Hochsommer, am 14. Juli – damit trifft man Frankreich ins Herz. Es ist der Beginn des Sommertourismus. Und die Region hier Sinnbild für das sorglose, süsse Leben.

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