Wo SVP-Werber Segert überall mitmischt

Hinter den Internetauftritten eines AfD-nahen Vereins und anderer Rechtspopulisten sollen Alexander Segert und seine Agentur Goal stehen.

Nimmt immer wieder Aufträge aus dem Ausland an: Werber Alexander Segert. Foto: Dominique Meienberg

Nimmt immer wieder Aufträge aus dem Ausland an: Werber Alexander Segert. Foto: Dominique Meienberg

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Offene Grenzen, Tausende Illegale, Terror, Mord, Sexualverbrechen, Deutschland am Boden, Europa von Angela Merkel zerstört: Es sind immer dieselben Horrorszenarien in einer Broschüre namens «Extrablatt», die vor Landtagswahlen in Deutschland in den Briefkästen aller Haushalte landen. Fast 3 Millionen Exemplare sollen in den nächsten Tagen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verteilt werden. «Extrablatt» schreibt aber nicht nur über Probleme, sondern bietet auch eine einfache Lösung an: AfD wählen!

Als Herausgeber der Publikation tritt nicht die AfD auf, sondern ein «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der Erhaltung bürgerlicher Freiheiten». Hinter dem im September 2016 gegründeten Verein, der sich als «bewusst parteipolitisch ungebunden» bezeichnet, dürfte SVP-Werber Alexander Segert stecken, wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» schreibt.

In Deutschland benützt der Verein eine Scheinadresse, von dort führt die Spur zu einem Postfach im zürcherischen Andelfingen. 

In Deutschland benützt der Verein eine Scheinadresse, von dort führt die Spur zu einem Postfach im zürcherischen Andelfingen. Es sei dieselbe Adresse, die auch Segerts Agentur Goal benütze, schreibt die Zeitung. Zudem habe eine Mitarbeiterin Segerts ein Schiff in Berlin gebucht, auf dem vergangenen Herbst der Trägerverein von «Extrablatt» den ehemaligen tschechischen Präsidenten und EU-Skeptiker Vaclav Klaus über «die heutige Massenimmigration und die Zukunft Europas» reden liess. Segert war auch dabei.

Segert hat immer wieder Aufträge aus dem Ausland angenommen, etwa in Österreich für die rechtspopulistische FPÖ. Auch zur AfD hat er gute Kontakte, allerdings eher zum Team um Frauke Petry – der grossen Verliererin des Parteitags vom Wochenende. In einem Interview mit der «Wirtschaftswoche» empfahl Segert der AfD, Björn Höcke wegen dessen extrem rechten Ideologie hinauszuwerfen, und kritisierte Alexander Gauland: Der habe kein Gespür für Politikmarketing und vertrete «nicht kommunizierbare Positionen».

Segerts Aktivitäten im Spektrum der rechtspopulistischen Parteien beschränken sich offenbar nicht mehr auf den deutschsprachigen Raum. Der deutsche Blogger Florian Wagner verglich einige IP-Adressen und fand so heraus, dass ­Segert und seine Agentur auch für den Zusammenschluss nationalistischer Parteien im Europaparlament tätig sind. Oder zumindest waren.

Segerts Aktivitäten im Spektrum der rechtspopulistischen Parteien beschränken sich offenbar nicht mehr auf den deutschsprachigen Raum. 

Die «Bewegung für ein Europa der Nationen und der Freiheit» (französische Abkürzung: MENL) entstand nach langen und nicht ganz friktionsfreien Verhandlungen als Zusammenschluss von Front National, FPÖ, Lega Nord, Vlaams Belang und Geert Wilders’ PVV. Mittlerweile gibt es eine Partei (MENL), eine Fraktion im EU-Parlament (ENL) und eine Stiftung mit ähnlichem Namen. Besonders intensiv bemüht sich die Bewegung um gute Beziehungen zur russischen Regierung. Marine Le Pen finanzierte ihren Wahlkampf mit einem Millionenkredit einer (mittlerweile bankrotten) russischen Bank, FPÖ und Lega Nord schlossen Kooperationsabkommen mit der Putin-Partei Einiges Russland. Von der AfD schloss sich der Parlamentsfraktion nur Markus Pretzell, Lebensgefährte von Frauke Petry, an.

Blogger Wagner fand nun heraus, dass die Domain Menf.org auf Segerts Namen registriert wurde. Von dort kommt man direkt zur Site der MENL. Auf der Site der Stiftung (Fenl.eu) finde sich wiederum ein Hinweis auf einen Administrator namens Goal. «Es deutet alles darauf hin, dass Segert die PR für die Stiftung macht», sagt Wagner dem DerBund.ch/Newsnet. Segert antwortet, dass «wir in den letzten Jahren für verschiedene EU-Fraktionen Aufträge ausgeführt haben. Aktuell haben wir jedoch keine Mandate.» Welche Webadressen reserviert worden seien, könne er so schnell nicht sagen.

Auf seinem Blog Crumblingwalls.net hat Wagner die Netzverbindungen zwischen dem deutschen Verein, der für die AfD wirbt, und den verschiedenen Internetsites von MENL grafisch dargestellt. Im Zentrum steht Goal. Es liege sehr nahe, so Wagner, dass die Website des deutschen Vereins, die Site Recht­undfreiheit.de, inhaltlich-redaktionell «von Segerts Goal AG besorgt wird». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2017, 08:42 Uhr

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