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Indische Polizistin büsst für ihre Unbestechlichkeit

Die Polizistin Shrestha Thakur hat einem Politiker eine Busse verpasst. Nun ist sie in Indien eine Heldin. Allerdings büsst sie dafür.

«Gehen Sie jetzt bitte»: Shrestha Thakur zeigt sich unbeeindruckt. Video: India TV

Sie hat ihren Job gemacht. Verkehrskontrolle, Fahrzeugpapiere. Polizeiroutine. Sollte man meinen. Doch dann kam die indische Polizistin Shrestha Thakur (34) an einen Mann auf einem Motorrad. Der hatte keine Papiere, kein Nummernschild und keinen Helm, wie sie feststellte. Also verpasste sie ihm einen Strafzettel über 200 Rupien, etwa drei Franken. Und damit brach der Streit los.

Inzwischen weiss ganz Indien um die tapfere Polizistin Thakur, die sich an jenem Tag nicht einschüchtern liess. Denn der Mann, der zahlen sollte, gehörte zur regierenden Partei Bharatiya Janata Party (BJP), die im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in diesem Jahr einen deutlichen Wahlsieg hingelegt hat. Der Parteifunktionär wollte offenbar nicht einsehen, warum er belangt werden sollte, wie indische Medien berichten. Also rief er einen Parteioberen zu Hilfe, der sich prompt einmischte, sodass sich Thakur am Ende von mehreren Männern umringt sah, die auf sie einredeten und sie bedrängten.

Viele Beamte demoralisiert

Doch nicht mit ihr. Shrestha Thakur war nicht beeindruckt und hielt dagegen. «Sie gehen jetzt bitte und bringen mir eine schriftliche Anweisung des Ministerpräsidenten, dass die Polizei kein Recht hat, Fahrzeuge zu kontrollieren, und dass wir unseren Job nicht machen können.» Von der Auseinandersetzung gibt es ein Video, das sich rasant in den sozialen Medien verbreitete, Thakur wurde überhäuft mit Lob und Anerkennung. Die Episode trifft einen Nerv in Indien, wo viele miterleben, dass sich lokale Politiker Privilegien herausnehmen, die ihnen gar nicht zustehen, dass sie glauben, sie seien unantastbar, und dass Regeln vor allem für alle anderen gelten würden. Das demoralisiert viele Beamte, die sich gerne an Recht und Gesetz halten wollen, aber immer wieder unter Druck geraten, bei diesem oder jenem wieder mal ein Auge zuzudrücken.

In den Norden versetzt

«Sie sind nun unsere nationale Heldin», postete ein Facebook-Nutzer. «Machen Sie weiter so gute Arbeit», schrieb ein anderer. «Ganz sicher ist dies ein grosser Erfolg ihres Muts.» Andererseits erhoben Mitglieder der Partei nun Vorwürfe gegen die Polizeitruppe. Wie ein BJP-Politiker behauptete, habe einer der Beamten in diesem Fall ein Bestechungsgeld gefordert, damit der Strafzettel fallen gelassen würde, eine Anschuldigung, die von der Polizei zurückgewiesen wurde. Weil die Parteifunktionäre und ihre Anhänger an jenem Tag einen Tumult verursachten, drohte ihnen die Polizistin Thakur, sie würde Anzeige gegen sie wegen «Störung der öffentlichen Ordnung» erheben. Das heizte die Lage noch weiter auf. Einige Wochen zuvor hatte die indische Öffentlichkeit noch ganz andere Szenen zu sehen bekommen, als ein hochrangiger BJP-Politiker eine Polizistin bei einem Streit derart anschrie, dass sie in Tränen ausbrach.

Für die Polizistin Thakur blieb die Auseinandersetzung mit den BJP-Funktionären nicht ohne Folgen. Der Staat Uttar Pradesh verfügte ihre Versetzung – sie wird nun an der nepalesischen Grenze im Einsatz sein. Wie die «Hindustan Times» berichtete, habe der lokale Parteichef auf Konsequenzen in diesem Fall bestanden, um den Stolz seiner Männer zu retten.

«Sorgt euch nicht, ich akzeptiere das als Belohnung für meine Arbeit», schrieb Thakur auf Facebook, bevor sie kurz darauf den Eintrag wieder löschte. Auf Twitter äusserten sich ihre Fans verärgert. Doch einer schrieb: «Sie wird es überall gut machen, wo immer sie sie auch hinschicken. Sie ist eine indische Tigerin.»

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