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Abschied von der Propaganda

Ein prominenter Fox-News-Analyst schreibt: Der Sender ist eine Paranoiamaschine.

Donald Trump im März 2016 bei einer von Fox News veranstalteten öffentlichen Debatte. Foto: Redux, laif
Donald Trump im März 2016 bei einer von Fox News veranstalteten öffentlichen Debatte. Foto: Redux, laif

So vernichtende Worte über einen langjährigen Arbeitgeber hört man selbst bei abtretenden Journalisten selten. Aber Fox-News-Analyst Ralph Peters hatte genug. Der profilierte politische Hardliner und ehemalige Militär kündigte nicht nur seinen Moderatorenjob, sondern erläuterte in einer internen E-Mail die Gründe für seinen Abgang. Und wurde dabei ausgesprochen deutlich: «Vor vier Jahrzehnten habe ich als Offizier einen Eid geleistet, die Verfassung zu unterstützen und zu verteidigen», schreibt er. Aber nun müsse er zugeben, dass Fox News die Staatsordnung gefährde und bei seinen Zuschauern eine Paranoia schüre, die nicht gerechtfertigt sei.

Der Sender habe sich von einem legitimen und nötigen Portal für konservative Stimmen verwandelt in eine «Propagandamaschine für eine zerstörerische und moralisch ruinöse Regierung». Seine Mail schliesst er mit den Worten: «Während meiner zehn Jahre bei Fox News war ich lange stolz auf den Sender. Nun schäme ich mich dafür. Aus meiner Sicht schädigt Fox News unser System aus reinem Profitdenken.»

Diese Anschuldigungen haben Gewicht. Denn Peters steht nicht unter dem Verdacht, eine linke Agenda zu betreiben.

Diese Anschuldigungen haben Gewicht. Denn erstens hat Peters lange genug für Fox News gearbeitet, um zu wissen, wovon er redet. Zweitens steht er nicht unter dem Verdacht, eine linke Agenda zu betreiben. Im Gegenteil, Peters argumentiert aus einer dezidiert konservativen Position, nämlich aus Loyalität zur Verfassung. Und drittens wurden seine Äusserungen zeitgleich mit dem Facebook-Skandal um Cambridge Analytica publik, der erneut die Frage aufwirft, ob Donald Trumps Team den Präsidentschaftswahlkampf unlauter bestritten hat.

Tatsächlich hat eine umfassende datenanalytische Studie der Harvard-Universität zum medialen Verhalten im US-Wahlkampf gezeigt, dass genau dieser Wille zur Propaganda Trump letztlich zum Sieg verholfen hat. Nicht Fake News aus russischer Produktion gaben den Ausschlag, von Facebook freundlich verbreitet, sondern die rechten Propagandamedien. Und zwar mit freundlicher Unterstützung von linken oder auf die Mitte ausgerichteten Medientiteln, die dem rechten Propagandanarrativ folgten.

Linke Medien mitschuldig

Am Anfang stand dabei ein Rechtsrutsch im medialen Spektrum, mit Steve Bannons «Breitbart» als prominentestem neuem Player. Das Portal erstritt sich seine Position als rechter Meinungsführer mittels Angriffen auf den bisherigen Platzhirsch Fox News. «Breitbart» (gegründet 2007) kritisierte Fox News (gegründet 1996) als nicht pro Trump genug, bis man sich rechts davon positioniert hatte.

Der grösste Unterschied zwischen den linken und den rechten Medien lag denn auch in ihrem Zugang zu den Fakten: Rechte Medien berichteten einseitig pro Trump, während man sich im linken Spektrum um Ausgewogenheit bemühte und auch über Hillary Clinton kritisch berichtete.

Das machten sich rechte Medien zunutze. Kritische Berichte angesehener Titel wie «New York Times» wurden mit Halbwahrheiten und Falschmeldungen verknüpft und über die sozialen Medien zu regelrechten Desinformationskampagnen umgerüstet. Diese entfalteten im Wahlkampf denn auch die grösste Wirkung: Trump vermochte mit seinen Themen sowohl die linken wie die rechten Medien zu dominieren, während über Clinton auf beiden Seiten vor allem mit Fokus auf ihre «Skandale» berichtet wurde.

Eine gute Nachricht ist, dass Europa durch seine Kleinräumigkeit und Vielsprachigkeit weniger anfällig für solche Mechanismen ist.

Zudem funktionierte das rechte Mediensystem viel zuverlässiger als Echokammer: mit einer in sich stimmigen Botschaft, die das geschlossene Weltbild seines Publikums immer aufs Neue bestätigt. In der so entstandenen Blase gibt es keinen Unterschied mehr zwischen wahr und falsch. Vielmehr ist wahr, was der Präsident als wahr bezeichnet. Egal, ob das auch zutrifft oder nicht – und wie häufig er sich dabei widerspricht.

Die gute Nachricht ist: Es waren nicht Putins Trolle, auch nicht der Facebook-Algorithmus, die Trump zum Sieg verhalfen. Sondern das mediale Ökosystem. Ebenfalls eine gute Nachricht ist, dass Europa durch seine Kleinräumigkeit und Vielsprachigkeit weniger anfällig für solche Mechanismen ist. Der US-Wahlkampf wird dennoch ein Lehrstück bleiben.

Fox News reagierte auf Peters Abgang mit einem Statement in bester Propagandamanier: Der wolle bloss Aufmerksamkeit. Man sei stolz auf seine Analysten.

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