Zum Hauptinhalt springen

Deshalb will Trump 52 iranische Ziele angreifen

Der US-Präsident beruft sich mit seiner Drohung auf eine der grössten Demütigungen der US-Geschichte.

Über ein Jahr gefangen: Drei der US-Geiseln bei einer Pressekonferenz in der Botschaft in Teheran 1979.
Über ein Jahr gefangen: Drei der US-Geiseln bei einer Pressekonferenz in der Botschaft in Teheran 1979.
Keystone

Mit seiner Drohung, 52 Ziele im Iran anzugreifen, hat US-Präsident Donald Trump bewusst einen historischen Bezug hergestellt: Ab Ende 1979 waren 52 US-Bürger über ein Jahr lang in der Botschaft in Teheran als Geiseln gehalten worden. Diese Demütigung hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Vereinigten Staaten eingebrannt.

In den Wirren der Islamischen Revolution stürmten am 4. November 1979 radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und nahmen die Mitarbeiter als Geisel. Dramatische 444 Tage sollte sich die Geiselkrise hinziehen, bis die letzten 52 Gefangenen freikamen. Das Geiseldrama führte die Ohnmacht der USA vor, trug zur Wahlniederlage von Präsident Jimmy Carter bei und reihte sich ein in die lange Kette gegenseitiger Demütigungen, die eine Versöhnung zwischen den USA und Iran bis heute so schwer machen.

Teheran glich im Herbst 1979 einem brodelnden Kessel. Nach der Flucht des Schahs kämpften revolutionäre Strömungen um die Macht. Was sie einte, war der Hass auf die USA, die den unpopulären Monarchen so lange gestützt hatten. Wie so oft demonstrierten am 4. November junge Revolutionäre vor der US-Botschaft. Diesmal blieb es nicht bei Parolen: Hunderte Demonstranten durchbrachen das Tor und stürmten das Gelände.

Erfolglose Druckversuche

Eigentlich geniessen Botschaften exterritoriale Immunität. Die Gastländer sind zum Schutz verpflichtet. Doch Iran setzte sich über das Völkerrecht hinweg. Die Studenten erklärten die US-Bürger auf dem Gelände zu Gefangenen und führten sie mit verbundenen Augen vor. Die Geiselnehmer forderten die Auslieferung des Schahs, der in einer US-Klinik behandelt wurde. Gegen die Revolution des Ayatollah Khomeini, so lautete die Botschaft, könne selbst die westliche Supermacht nichts ausrichten.

Das Krisenmanagement der Regierung Carter verstärkte den Eindruck der Hilflosigkeit. Der Präsident legte Protest ein. Seine Regierung fror iranische Bankguthaben ein, stoppte den Import iranischen Öls, rief den Uno-Sicherheitsrat an. Sanktionen der Uno scheiterten aber am Veto der Sowjetunion. Im April 1980 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab – sie sind bis heute nicht wieder hergestellt. Die Iraner liessen sich nicht beeindrucken, die US-Geiseln blieben gefangen.

In den USA baute sich enormer öffentlicher Druck auf. «Gemessen an der öffentlichen Aufmerksamkeit und den emotionalen Auswirkungen hat kein Ereignis jener Zeit die Amerikaner so sehr mitgenommen», schreibt der US-Historiker David Farber in seinem Buch über die Krise. «Millionen brachten ihre Solidarität mit den Geiseln zum Ausdruck.» Die gesamte Nation sei «zur Geisel der Krise» geworden.

«Operation Adlerklaue» gescheitert

Carter geriet immer mehr in die Defensive. In den USA war Wahlkampf. Im April 1980 gab Carter den Geheimbefehl zur gewaltsamen Befreiung der Geiseln. Was folgte, war eine militärische Blamage: Die «Operation Adlerklaue» war schlecht vorbereitet. Kampfhelikopter gerieten über der Wüste in einen Sandsturm. Ein Helikopter kollidierte mit einem Flugzeug, explodierte und stürzte ab. Acht US-Soldaten starben, die Luftwaffe brach den Einsatz ab. Die Soldaten liessen Militärgerät und Geheimdienstunterlagen im Sand zurück – eine Niederlage ohne Kampf.

Die USA waren dem Spott der Ayatollahs preisgegeben. Bewegung in das Geiseldrama kam erst, als im Juli 1980 der Schah starb und im September der Irak im Iran einmarschierte. In Teheran liess das Interesse an den Geiseln nach. Am 4. November, dem ersten Jahrestag der Geiselnahme, verlor Jimmy Carter die Wahl gegen den Republikaner Ronald Reagan. Am 20. Januar 1981, wenige Minuten nach Reagans Vereidigung, liess der Iran die Geiseln frei

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch