Der Kampfhund und sein Kläffer

Donald Trumps Anwalt Marc Kasowitz ist auch sein Problem.

Marc Kasowitz, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump. Foto: Reuters

Marc Kasowitz, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump. Foto: Reuters

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Sein Ego scheint intakt zu sein. Marc Kasowitz lässt sich auf seiner Website als «härtesten Anwalt der Wallstreet» feiern und bekommt 1500 Dollar Honorar: pro Stunde. Ausserdem gehört der Präsident der Vereinigten Staaten zu seinen Klienten. Der hat zwar ein Team von Anwältinnen und Anwälten zu seiner Verfügung. Aber Donald Trump setzt lieber auf jemanden, dessen Eigenschaften er höher wertet: Kasowitz ist ein langjähriger Freund, also loyal. Ausserdem gilt er als ausgesprochen ruchlos. Donald Trump ist der Kläffer, Marc Kasowitz der Kampfhund.

Der 64-jährige Staranwalt sieht mit der eleganten Brille, dem braunen Teint und dem weissen Haar immer noch schnittig aus. Er leitet eine New Yorker Anwaltsfirma, die Hunderte von Mitarbeitern beschäftigt und jährlich 200 Millionen Dollar umsetzt. Kasowitz’ Grosseltern waren polnische Juden, die in den Ostküstenstaat Connecticut einwanderten, ihr Sohn baute dort eine Alteisenfirma auf. Kasowitz studierte in Yale amerikanische Geschichte und schloss mit cum laude ab; drei Jahre später doktorierte er an der Cornell Law School, einer Spitzenuniversität im Staat New York.

Seit bald vierzig Jahren arbeitet Kasowitz als Anwalt in New York, wo er Donald Trump kennen lernte und mehrmals vertrat: bei Scheidungen, Pleiten und diversen Klagen, auch wegen sexueller Belästigungen. Kasowitz vertritt auch russische Klienten, etwa den Putin-Vertrauten und Oligarchen Oleg Deripaska und die russische Staatsbank Sberbank, die von Putins ehemaligem Wirtschaftsminister geleitet wird. Kasowitz hat Hunderttausende Dollar für die Republikaner und speziell für Trumps Präsidentschaftswahlkampf gespendet. Früher sponsorte er Demokraten wie Barack Obama oder Joe Biden.

Trump und Kasowitz verstehen sich beide als Winner­typen. Aber sie spielen das falsche Spiel.

Dass Trump einen Vertrauten holt, der ihn gegen verschiedene Beeinflussungsvorwürfe verteidigen soll, passt zu seinem Clan-Denken, könnte aber beide in Schwierigkeiten bringen. Kasowitz mag sich an der Wallstreet auskennen, von Washington hat er keine grosse Ahnung, wie mehrere Zeitungen berichten. Ausserdem könnte er durch seine engen Russland-Kontakte selber zu dem Problem werden, das er lösen sollte.

Noch schwerer wiegt, dass die beiden es mit dem hoch angesehenen Sonderermittler Robert Mueller und seinen Leuten zu tun bekommen werden. Laut amerikanischen Medien handelt es sich um exzellente, in Verfassungs- und Strafrecht geschulte Juristen, von denen sich einige mit den Skandalen von Watergate und Enron beschäftigt haben oder mit dem organisierten Verbrechen.

Bereits haben über 100 Angestellte Kasowitz’ Kanzlei verlassen, sie hat auch schon 7 Prozent ihres Umsatzes verloren. Donald Trump und Marc Kasowitz verstehen sich beide als Winner­typen. Aber sie spielen das falsche Spiel.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2017, 20:23 Uhr

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