Aufruhr auf den Malediven

Auf den Malediven ist der Ausnahmezustand verhängt worden. Präsident Yameen will damit verhindern, dass die Opposition seinem Regime gefährlich wird.

Haben kaum demokratische Rechte: Demonstranten in der Hauptstadt Malé fordern die Freilassung der politischen Gefangenen. Foto: Mohamed Sharuhaan (AP, Keystone)

Haben kaum demokratische Rechte: Demonstranten in der Hauptstadt Malé fordern die Freilassung der politischen Gefangenen. Foto: Mohamed Sharuhaan (AP, Keystone)

Zita Affentranger@tagesanzeiger

Die Malediven zählen 26 Atolle und 1196 bildschöne Inseln, doch nun hat Präsident Abdullah Yameen in dem Ferienparadies den Ausnahmezustand verhängt. Mehrere Länder haben umgehend Reisewarnungen herausgegeben. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten erklärt, in der Hauptstadt Malé müsse mit gewalttätigen Demonstrationen gerechnet werden, die Flughafen- und Hotelinseln seien aber von den Unruhen nicht betroffen.

Den Zorn des Präsidenten hat heraufbeschworen, dass das Oberste Gericht die Prozesse gegen neun bekannte Oppositionspolitiker als verfassungswidrig deklariert und deren Freilassung gefordert hat. Unter den Verurteilten ist auch Mohamed Nasheed, der frühere, demokratisch gewählte Präsident der Inselkette im Indischen Ozean. Er lebt seit zwei Jahren in London im Exil. Nun hat er angekündigt, dieses Jahr bei der Präsidentenwahl gegen den autoritären Amtsinhaber zu kandidieren.

Nach Protesten hat die Regierung den Ausnahmezustand verhängt.

Nasheed hatte den Malediven ein kurzes demokratisches Intermezzo beschert, als er 2008 in freien Wahlen zum Staatschef gekürt wurde. Er hob repressive Gesetze seines autoritären Vorgängers auf und stärkte die demokratischen Institutionen. Schliesslich hat ein Aufstand der Polizei Nasheed das Amt gekostet. Er hatte zuvor – wie diese Woche sein Nachfolger Yameen – einen hohen Richter verhaften lassen, der einen Oppositionspolitiker freilassen wollte.

In seinem Widerstand gegen die derzeitige Führung der Malediven hat Na­sheed überraschend Unterstützung von seinem Vorgänger Abdul Gayoom bekommen. Die Allianz macht deutlich, wie trüb die politischen Gewässer der Inselkette im kristallklaren Meer sind. Denn Gayoom hatte das Land 30 Jahre mit eiserner Faust regiert und Nasheed im Gefängnis foltern lassen. Und um die Allianzen ad absurdum zu führen: Der derzeitige Herrscher Yameen ist der Halbbruder des einstigen Autokraten. Nun wurde Gayoom verhaftet.

Das Parlament gestürmt

Dabei ist Yameen, der nicht nur Präsident, sondern auch Premier und Verteidigungsminister ist, ganz in die Fussstapfen seines Halbbruders getreten. Er hat wie einst Gayoom die Kontrolle im Land an sich gerissen, ein striktes Verleumdungsgesetz und harte Strafen gegen jene eingeführt, die den Islam beleidigen. Ebenso wurde das Demonstrationsrecht stark eingeschränkt.

Zudem hat Yameen die Todesstrafe wieder eingeführt in dem als hoch korrupt geltenden Land. Letztes Jahr liess Yameen das Parlament stürmen und unliebsame Abgeordnete verhaften, denn seine Widersacher hatten sich zusammengetan und wollten in der Volksvertretung einen Misstrauensantrag gegen den Parlamentschef einreichen.

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Touristen geniessen ihre Traumferien auf den Malediven meist auf abgeschirmten und entsprechend teuren Hotelinseln. Rund 1,5 Millionen Menschen kommen jedes Jahr, unter ihnen auch mehrere Zehntausend Schweizer. Der Tourismus bringt zwar viel Geld, doch es wird ungerecht verteilt. Viele der 400'000 Einheimischen sind arbeitslos, weil in den Touristeneinrichtungen meist billige Arbeitskräfte aus anderen asiatischen Ländern arbeiten.

Jeder dritte Einwohner der Malediven lebt in Malé, der überbevölkerten Hauptstadt des Landes. Der Zugang zu den Touristeninseln ist ihnen nur erlaubt, wenn sie dort Arbeit haben. Im streng islamischen Land ist es verboten, andere Religionen auszuüben. Die Bande zu Saudiarabien sind eng, das Land wollte offenbar sogar eines der Atolle kaufen. Und nirgends hat die Terrormiliz Islamischen Staat (IS), gemessen an der Einwohnerzahl, so viele Anhänger wie auf den bildschönen Malediven.

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