Ein Preis, viele Nominierte

Donald Trump wird für den Friedensnobelpreis 2018 und 2019 nominiert. Er ist nicht der erste Nominierte, der Fragen aufwirft.

Einige Nominierte für den Friedensnobelpreis sorgen für Fragezeichen. Erhalten hat ihn aber niemand der genannten.

Einige Nominierte für den Friedensnobelpreis sorgen für Fragezeichen. Erhalten hat ihn aber niemand der genannten.

(Bild: Keystone Fernando Vergara)

Marina Stalder@MarinaStalder

Gleich dreimal ist US-Präsident Donald Trump für den Friedensnobelpreis nominiert worden – den Preis, der jährlich für die «Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen» in Alfred Nobels Namen vergeben wird. Nach der offiziellen Bekanntgabe der Nominierung für das Jahr 2018 im Februar folgt knapp drei Monate später die nächste Nominierung: 18 Republikanerinnen und Republikaner aus dem Kongress haben sich am Mittwoch in einem Brief an das Nobelpreiskomitee für Trump als Friedensnobelpreisträger 2019 ausgesprochen.

Donald Trump als Träger des Friedensnobelpreises? Sein fehlendes Fingerspitzengefühl im Nahostkonflikt im Hinblick auf den Wechsel der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem und auch das Kräftemessen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un machen es schwer, den US-Präsidenten als Förderer der «Verbrüderung der Völker» zu sehen. Trump ist in der Geschichte des Friedensnobelpreises aber nicht der Einzige, dessen Nominierung Fragezeichen aufwirft.

1908, 1913, 1914: Franz Joseph

Quelle: Culture Club/Getty Images

Ebenfalls dreimal nominiert wurde Österreichs Kaiser und Ungarns König Franz Joseph I. Fragezeichen werfen die Nominierungen Franz Josephs auf, weil er während seiner ersten Nominierung 1908 das dem Osmanischen Reich angehörige Bosnien annektierte und eine internationale Krise auslöste. Nach der dritten Nomination im Februar 1914 folgte am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung an Serbien, welche in den Ersten Weltkrieg führte – Frieden sieht anders aus.

1935: Benito Mussolini

Quelle: Keystone

Auf der Nominiertenliste für den Friedensnobelpreis von 1935 findet sich unter vielen anderen auch Benito Mussolini. Weshalb der italienische Diktator und Faschist überhaupt für den Preis nominiert worden ist, kann nicht rekonstruiert werden. Sicher ist aber, dass Mussolini Italien in seiner Regierungszeit aus einer Not in die nächste bugsierte und beinahe permanent Krieg mit anderen Nationen führte.

1939: Adolf Hitler

Quelle: Keystone

Mit Adolf Hitler wurde kurze Zeit später, 1939, der zweite faschistische Diktator für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Nominierung stellte sich innert kurzer Zeit jedoch als ironischer Witz des schwedischen Parlamentariers und Antifaschisten Erik Brandt heraus. Dieser dachte nicht, dass diese überhaupt ernst genommen würde.

1945, 1948: Josef Stalin

Quelle: Keystone

Mit Stalin ist ein weiterer Diktator auf der Nominiertenliste für den Friedensnobelpreis zu finden. Er wurde aber, im Gegensatz zu Mussolini und Hitler, nicht nur einmal, sondern gleich zweimal nominiert. Der kommunistische Herrscher verfolgte während seiner Regierungszeit eine Politik der «Säuberungen», der geschätzt 750’000 Menschen zum Opfer fielen und im Rahmen derer über eine Million Menschen verhaftet und in Straflager deportiert wurden.

1964: Lyndon B. Johnson

Quelle: Keystone

Ein weiteres Fragezeichen auf der Liste der Nominierten für den Friedensnobelpreis ist 1964 mit Lyndon B. Johnson zu finden. Der US-amerikanische Präsident übernahm nach der Ermordung John F. Kennedys das Präsidentenamt ad interim und wurde 1964 ins Amt gewählt. Als Präsident nahm bei ihm der Vietnamkrieg einen besonders wichtigen Platz ein. Mit der intensivierten militärischen Involvierung der USA im Jahr 1965 erhöhte sich die Anzahl an Truppen in Vietnam enorm. Für eine «Verminderung stehender Heere» setzte sich Lyndon B. Johnson dementsprechend nicht ein.

Auch wenn alle Obengenannten für den Friedensnobelpreis nominiert wurden – gewinnen konnte ihn keiner. Wenn nicht den Nominierenden, so scheint wenigstens dem Nobelpreiskomitee etwas an Alfred Nobels Worten zu liegen.

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