Das Problem des Klimagipfels

Der vorauseilende Rummel um die Pariser Klimakonferenz ist übertrieben. Die Staaten werden sich zwar einigen – aber über allzu bescheidene Reduktionsziele.

Der weltweite Treibhausgasausstoss sinkt nicht annähernd schnell genug: Smog in der chinesischen Stadt Rizhao. Foto: Reuters

Der weltweite Treibhausgasausstoss sinkt nicht annähernd schnell genug: Smog in der chinesischen Stadt Rizhao. Foto: Reuters

Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist das erste ­be­deutende Abkommen, das die Treibhausgas­emissionen der Vertragspartner durch verbind­liche Länderziele begrenzte. Seit «Kyoto» 2005 in Kraft trat, versuchen die Länder erfolglos, verbindliche Folgeziele zu vereinbaren, die den  Temperatur­anstieg der Atmosphäre auf zwei  Grad Celsius begrenzen.

Jetzt entwickelt sich ein Rummel um die Klimakonferenz vom Dezember in Paris. Aktuell sieht es ganz danach aus, als ob es dort endlich zu einer Einigung kommt. Genügend Länder, auch China und die USA, haben Zusagen (in Form von Reduktionszielen) vorgelegt. Aber: Werden die Eckwerte ehrgeizig genug sein? Hier ist die Antwort wohl: Nein. Sie werden nicht aus­reichen, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen.

Viele gehen davon aus, dass das Schicksal der Welt davon abhängt, dieses Nein in ein Ja zu verwandeln. Andere – auch ich – sind sich bewusst, wie dringend eine Lösung ist, sehen Paris aber als weniger bedeutenden Meilenstein.

Vertreter der ersten Gruppe verstehen den Klimawandel als eine «Tragik der Allmende», ein Konzept aus der Spieltheorie. Demnach haben alle Beteiligten ein Interesse daran, ihren eigenen Beitrag zum gemeinsamen Verschmutzungs­problem – etwa Treibhausgasemissionen – zu senken, allerdings nur, wenn alle anderen Beteiligten dies auch tun. Um Trittbrettfahrer zu vermeiden, sei ein weltweites Abkommen mit durchsetzbaren Emissionszielen unausweichlich.

Diese Argumentation geht aber davon aus, dass eine schrittweise Senkung des Treibhausgasausstosses hohe Kosten verursacht. Dies war früher tatsächlich der Fall, gilt heute aber nicht mehr. Erneuerbare Energien können mittlerweile eine zuverlässige Versorgung gewährleisten und das durchaus zu vergleichbaren Kosten wie fossile Brennstoffe. Die Kostenbilanz sieht noch besser aus, wenn man den lokalen Nutzen wie etwa weniger Luftverschmutzung einberechnet.

Deshalb haben die meisten Regierungen heute nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftliches Interesse, ihre Emissionen auf nationaler Ebene zu senken. Sie brauchen dazu kein weltweites Abkommen, das sie zwingt. Kurzfristig ist jedoch so wenig zu erreichen. Auch wenn fossile Energieträger gegenüber Erneuer­baren keine Preisvorteile mehr bieten, sind sie noch immer leichter zu transportieren und zu  lagern, besonders wenn die Röhren und Tanks dafür bereits vorhanden sind.

Anders sieht es bei den erneuerbaren Energien aus. Welche Infrastruktur man errichtet, und wo, wann und wie man die alten Systeme aus dem Verkehr zieht, und insbesondere welche Regelungen es schaffen, den Privatsektor dafür zu mobilisieren – das alles sind politisch umstrittene Fragen. Daran wird auch das Abkommen von Paris nichts ändern.

Klimaziele übertreffen

Der weltweite Treibhausgasausstoss sinkt nicht annähernd schnell genug. Die Menschheit muss deutlich vor 2100 komplett auf fossile Brennstoffe verzichten. Doch die letzten zehn Jahre haben beachtliche technische und institutionelle Innovationen hervorgebracht, die die Basis für schnellere Emissionsreduktionen in den nächsten Jahrzehnten bilden. So sind die Kosten für Wind- und Sonnenenergie schon deutlich gesunken. Genauso wichtig sind aber neue Finanzierungsmodelle und transparente Verfahren, die es einfacher machen, das nötige Kapital aufzu­bringen und langwierige Rechtsstreitigkeiten bei Bauvorhaben zu vermeiden.

Für die Zukunft ist es eminent wichtig, dass die Länder ihre Klimaverpflichtungen nicht nur einhalten, sondern übertreffen. Und das ist nur möglich, wenn Länder wie die Schweiz weiter so schnell Innovationen entwickeln wie bis anhin. Damit sich diese Innovationen weltweit verbreiten, braucht es auch technische und finanzielle Unterstützung für Entwicklungs­länder – ein Thema, das ebenfalls auf der Agenda steht. Das wichtigste Ergebnis der Verhandlungen in Paris wird denn auch nicht die zu vermeidenden Tonnen Kohlenstoff beziffern, sondern die vereinbarten finanziellen Verpflichtungen gegenüber Entwicklungsländern.

DerBund.ch/Newsnet

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