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Rios verhafteter Olympia-Chef hortet Gold in der Schweiz

Die brasilianische Justiz hat IOC-Funktionär Carlos Nuzman verhaftet. Auch die Schweizer Behörden sind aktiv.

Rios Olympia-Chef Carlos Nuzman auf dem Weg in Gefängnis.
Rios Olympia-Chef Carlos Nuzman auf dem Weg in Gefängnis.
Reuters

Die Ermittler nennen die Aktion «Unfair Play», unfaires Spiel. Am frühen Donnerstagmorgen erschienen sie in Rio de Janeiro vor der Residenz eines bekannten brasilianischen Sportfunktionärs, um ihn festzunehmen und abzuführen.

Carlos Arthur Nuzman leitete das Organisationskomitee der Spiele Rio 2016 und steht seit 1995 der nationalen olympischen Organisation vor. Die Justiz wirft dem 75-jährigen Anwalt vor, die Bestechung von afrikanischen IOC-Mitgliedern organisiert zu haben, um die Sommerspiele nach Brasilien zu holen. Ebenso verhafteten Polizeikräfte gestern den ehemaligen Marketingchef von Rio 2016, Leonardo Gryner.

Nach Medienberichten dreht sich die Affäre um den Kauf der Stimme eines zweiten IOC-Schwergewichts: Lamine Diack aus Senegal, langjähriger Chef des Leichtathletik-Weltverbands IAAF. Am 2. Oktober 2009 hatte Rio die Vergabe der Sommerspiele 2016 gegen Madrid, Tokio und Chicago gewonnen; drei Tage zuvor soll der brasilianische Geschäftsmann Arthur César de Menezes Soares Filho, oft «King Arthur» genannt, Diacks Sohn zwei Millionen Dollar überwiesen haben. Laut der brasilianischen Justiz gibt es «starke Indizien» für unsaubere Zahlungen. Im Raum steht der Vorwurf, dass Nuzman und Gryner diese Zahlungen vermittelt haben.

Der 43-seitige Haftbefehl gegen Nuzman liegt dem «Tages-Anzeiger» vor. Darin enthalten sind zwei Posten, die auf die Schweiz verweisen. Zum einen soll Nuzman 50 000 Dollar in der Schweiz parkiert haben. Zum anderen besitzt der frühere Volleyballspieler laut dem Dokument 16 Ein-Kilogramm-Goldbarren. Bewertet ist das Edelmetall mit 678 080 Dollar. Das Gold soll sich in einem Schliessfach im Genfer Zollfreilager befinden. Ein Foto, das zum Dossier gehört, zeigt mutmasslich den Schliessfachschlüssel sowie drei anonymisierte Visitenkarten von Angestellten des Zollfreilagers. Vertreter der Genfer Freeports antworteten gestern nicht auf eine Anfrage zum Fall.

Der mutmassliche Schliessfachschlüssel.
Der mutmassliche Schliessfachschlüssel.

Die Schweiz um Hilfe gebeten

Eine E-Mail von Nuzman aus dem Jahr 2014, die dem «Tages-Anzeiger» ebenfalls vorliegt, deutet weiter darauf hin, dass der Funktionär über ein Bankkonto bei der Privatbank Société Générale in Lausanne verfügt und darüber Zahlungen abwickelte.

Am 28. September ging in dem Fall beim Bundesamt für Justiz ein Rechtshilfeersuchen aus Brasilien ein, wie ein Sprecher bestätigt. Nach einer summarischen Überprüfung übermittelte das Amt das Dossier gestern an die Bundesanwaltschaft zum Vollzug.

Wie die 16 Kilo ans Licht kamen

Die Geschichte, wie Nuzmans Goldvermögen ans Licht kam, ist bizarr: Laut einem Bericht der brasilianischen Zeitung «O Globo» hatte die Polizei bereits am 5. September bei Nuzman eine erste Razzia durchgeführt. Damals hatten die Fahnder den Schlüssel zum Genfer Schliessfach sichergestellt. Zwei Wochen danach habe der Funktionär eilends beim brasilianischen Fiskus eine angepasste Steuererklärung eingereicht – und darin die 16 Kilogramm Gold deklariert. In den Augen der Ermittler ein Zeichen dafür, dass dieses Vermögen aus illegalen Aktivitäten stammt. Ebenso halten die Staatsanwälte fest, dass sich Nuzmans Vermögen schneller vermehrt habe, als es aufgrund seiner offiziellen Einkünfte möglich gewesen sei.

Ein Anwalt des Verhafteten sagte gestern brasilianischen Medien, sein Mandant sei unschuldig.

Seitens des IOK in Lausanne hiess es nachmittags, man nehme die Verhaftung Nuzmans zur Kenntnis. Der Ethik- und Compliance-Chef des Komitees habe bereits eine Untersuchung gestartet und die brasilianischen Behörden um Informationen gebeten. Im Raum stehe eine provisorische Sanktion des IOC-Ehrenmitglieds.

Mit ausgelöst wurde die Affäre bereits im Sommer 2015 durch Ermittlungen der französischen Justiz; damals ging es in erster Linie um das Vertuschen von Dopingfällen gegen Bezahlung, woran ebenfalls die senegalesische Familie Diack beteiligt gewesen sein soll. Lamine Diack verlor daraufhin seine IOC-Ehrenmitgliedschaft, sein Sohn ist laut der Zeitung «Guardian» international zur Verhaftung ausgeschrieben.

Und Carlos Arthur Nuzman, der sich bei der Schlusszeremonie von Rio 2016 als «glücklichster Mann der Erde» bezeichnet hatte? Ihm droht nun eine längere Untersuchungshaft.

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